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  • Michael

Frederick Krüger und der Madame Jade Pokal, Nachtrag zu Freds Tagebuch

Lieutenant Krüger und der Madame Jade Pokal



(Zusatz zum Tagebuch des Lieutenant Krüger von der Rackenroon Hyänenbrigade)





Die Erbin des Thrones zurück nach Rackenroon zu bringen, machte uns augenblicklich zu gefeierten Stars. Die Nachricht verbreitete sich wie ein Buschfeuer durch jedes Viertel der Stadt, so daß schon bevor wir in Port Asbestos von Bord gingen, sich eine Menge versammelt hatte, um einen Blick auf Sie, Die S I E Sein Würde zu erhaschen. Ich dachte, ich würde es ihr niemals zugestehen müssen, aber ich war General Jinjur mässig dankbar dafür, eine bewaffnete Eskorte zu unserem Treffen auf dem Pier mitgebracht zu haben; glücklicherweise waren sie von Blut und Knochen, nicht von der Schwarzen Wacht so daß ich mir sicher war, wir würden sicher zum Palast gelangen.


Jede unserer Bewegungen wurde das Zentrum intensiver Beobachtung. Das machte es schwierig für uns, die notwendigen Vorbereitungen zur ihrer Ernennung zur Erbin von Rackenroon zu treffen, da sie noch viel Training benötigte, bevor man sie "vorbereitet" nennen könnte. Der einzige Ort in der Stadt, wo wir annähernd etwas Privatsphäre finden konnten, stellte sich als mein Privatquartier heraus -- was natürlich seine Schattenseiten hatte. Ich war alleine mit einer Frau in meinem Zimmer -- was meine Gardisten als "Die Festung der Einsamkeit" bezeichnet hatten, aus nicht-wirklich-komischen Gründen. Nicht nur würde ihre Gegenwart dort Gegenstand von sensationslüsternen Geschichten von Seiten meiner Gardisten werden, aber ich mochte wirklich nicht den Inhalt meines privaten Lebensraumes für ihre Inspektion öffnen, besonders weil ich nicht die Gelegenheit gehabt hatte, den Ort aufzuräumen, seitdem ich vor einigen Monaten nach NewYak City geschickt worden war.


Ich murmelte eine Entschuldigung zu ihr wegen des schäbigen Zustands meiner Kammer, während ich versuchte, wenigstens etwas von der Unordnung in einen Anschein von Ordnung zu bringen -- ich schätze, mein Bursche hatte eine "auf Nimmerwiedersehen" Party in der Nacht meiner Abreise, nach der Anzahl von leeren Bechern zu schließen, die das Zimmer zumüllten -- und Kathryn bot an mitzuhelfen. Da ich sie nicht verprellen wollte und auch nicht wollte, daß sie in meinem Kleiderschrank oder meinen Kommodeschubladen rumstöberte, sagte ich ihr, sie könnte um das Buchregal herum aufräumen, während ich mich um die andere Seite des Zimmers kümmern würde, die mir als Schlaf- und Badezimmer diente.


Vielleicht sollte ich eine kurze Beschreibung meines Appartments bieten. Wenn man durch die Tür schreitet, dann ist mein Bett zu Deiner linken, Nachttisch, Kommode und Körperpflegepult. An der gegenüberliegenden Wand, die zwei Fenster mit einem ziemlich hübschen Blick auf die Berge hatte wenn man sich etwas nach einer Seite beugte, war mein Waschbecken, der Kleiderschrank, der Sekretär und die Bettzeugtruhe. An der rechten Wand siehst Du meinen Sessel mit Kissen, Lampe, Buchregal und Salonorgel. Im Zentrum des Zimmers ist ein Tisch mit einem einzelnen hochlehnigen Stuhl und meine Reisetruhe residiert am Fuß des Bettes. Ich habe einen bodenlangen Spiegel neben dem Bett, um meine Erscheinung zu inspizieren, bevor ich morgens rausgehe und unter dem Bett einen Nachttopf. Das Zimmer ist klein genug, daß es keinen Platz für Möbel gibt an der Eingangswand, aber ich habe doch eine kleine Anrichte mit einer Gasflamme, um Kaffee zu machen. Es gibt auch eine Mikrowelle, weil ich Solarzellen auf dem Dach installiert habe -- ich muss schließlich irgendwie den Computer betreiben!


Es gibt ein paar Gemälde an den Wänden -- Orte, die ich gerne besuchen möchte, oder mir nur ansehen möchte, wie eine Berggegend in Italien oder ein Feld in Frankreich. Es gibt auch ein Portrait von Herzogin Songweens verblichenem Ehemann, Lord Knollys, das ich vor entwürdigender Vernachlässigung gerettet hatte, während ich vor ein paar Jahren jenen verrufenen Lagerraum durchsuchte. Natürlich hatte ich den Mann nie getroffen, aber ich fühlte eine gewisse Verwandtschaft mit ihm, also hatte ich das Portrait verschwinden lassen und gab ihm eine Heimat.


Auf meiner Kommode sind ein paar Bilder meiner Familie und ein Modellflugzeug, das ich als Welpe gebaut hatte. Es gibt Toilettenartikel am Waschbecken und ein Windlicht neben meinem Paradehelm auf dem Kleiderschrank, neben einem Modell der LOWEZA (ja, ich habe schließlich selbst eins erworben). Ich nutze eine Öllampe an meinem Sekretär, teilweise weil ich den Anblick mag, teilweise weil ich nur begrenzte Möglichkeiten hatte, elektrische Geräte zu nutzen. Sie gibt dem Zimmer dazu ein heimeliges Licht am Abend.


Mein Buchregal ist wahrscheinlich die teuerste Bücherei in ganz Kiyanti. Es hat vier Ebenen. Einige der größeren Schwarten verteilten sich über die Bettzeugtruhe und ich habe gewöhnlich ein paar ausländische Zeitungen -- einige Wochen veraltet, wenn ich sie bekomme -- die auf dem Boden verstreut waren. Ich bin nicht annähernd der große Ordnungsfanatiker wie Leute vermuten. In meiner Freizeit versuche ich mich so gut zu entspannen, wie möglich.


Es gibt auch einige Erinnerungsstücke auf den Regalen, wie die Duellpistolen, die ich in Texas aufgegabelt habe und den Silberkelch, den Prinzessin Madeline von Ngorongoro mir dafür gegeben hatte, ihr "Galahad" gewesen zu sein, als ich den Attentatsversuch gegen sie vereitelte. Harmloses Zeugs, wirklich.


Ausgenommen ein Ding... ein Ding dessen Gegenwart ich vergessen hatte, das Kathy aber, mit dem Adlerauge einer neugierigen Frau, fand.


"Was ist das?" hörte ich sie sagen und, als ich mich umdrehte wußte ich umgehend was sie gefunden hatte, sogar bevor sie laut vorlas, mit einem kaum unterdrückten kichern, "Für Lieutenant Krüger, Mit Lieben Grüßen, Madame Jade...?"


"Ich kann das erklären -- " begann ich zu sagen, kam aber nicht weit.


"Lieutenant!" lächelte sie vorwurfsvoll, und wackelte mit der Fotographie einer nackten, verführerisch aussehenden gestreiften Hyäne, "Ich bin schockiert -- SCHOCKIERT! -- dies hier zu finden! Ich dachte, es wäre Dir nicht erlaubt, zu -- "


Ich wandte meine Augen ab, um die Pornofilter in meinen Gläsern daran zu hindern zu verdunkeln -- etwas das meine Mutter hineinprogrammiert hatte, um mich davor zu bewahren, "korrumpiert" zu werden. "Das bin ich auch nicht!" versicherte ich ihr hastig, mit etwas erröten. Sie bezweifelte meine Integrität! Hatte ich ihr nicht zahllose Male während unserer Reise bewiesen, daß ich -- "Es ist nicht, wonach es aussieht -- es war ein Scherzgeschenk von einigen meiner Gardisten -- "


Sie steckte eine Zunge in ihre Wange und nickte, "Wers glaubt...!"


Ich konnte fühlen, wie meine Ohren erröteten. "Nein, im Ernst. Lass mich Dir erzählen, wie es passierte..."


*


Gestreifte Hyänen erfreuen sich keiner guten Reputation unter uns Crocutans. Stell es Dir so vor; wenn Tüpfelhyänen denken, ihr wärt ein Haufen Degenerierter, was dann...? Crocutans nennen sie "Popos" und das aus einem guten und bestimmten Grund. Die Mehrheit der Prostituierten, die die Bordelle für die Bedürfnisse der Brigade füllen, werden von Gestreiften Hyänen gestellt.


Gestreifte Hyänen -- oder Streifies, um den höflichen slang Ausdruck zu verwenden -- sind die, die allen Hyänen einen schlechten Ruf geben. Nun, zumindest glauben die Crocutans das. Streifies sind im Durchschnitt feige Lümmel, die es vorziehen, ihren Lebensunterhalt zu erschnorren durch Schwindel, unverhohlenem Diebstahl und andere zweifelhafte Methoden. Und da keine Crocutan Frau sich jemals soweit erniedrigen würde, hat eine Anzahl von Gestreiften Hyänen Frauen es auf sich genommen, ihren Lebensunterhalt durch Prostitution zu verdienen.


Crocutan Frauen lehnen sexuellen Verkehr ab, als ekelhaft, schmerzhaft und potentiell gefährlich, eine Aktivität, die man nur unternimmt, um Nachkommen zu erzeugen -- und selbst dann ist es für viele niedrigrangige Hyänen eine akzeptierte Option, einen Waisen zu adoptieren. Crocutan Frauen werden erzogen in dem Glauben, daß Sex zu haben unangenehm ist und daß der Akt selbst garstig, brutal und kurz sein sollte. Eher wie ein Toilettengang. Es ist etwas, daß man tun muß, aber es macht keinen Spaß und wenn es vorbei ist, dann hast Du keinen liebevollen Blick darauf zurück.


Gestreifte Hyänen Frauen haben solche Skrupel nicht. Darüberhinaus haben sie "normale" Ausstattung, was den Rest der Schöpfung angeht. Um die grobe Beschönigung zu verwenden, "sie haben ein Schloß, in das jeder Schlüssel passt". Und da sie Hyänen sind -- wenn auch nur gerade so -- sind sie für Crocutan Männer sozial akzeptabel, die ein Ventil für all das aufgestaute Testosteron benötigen, das ihre eigenen Frauen nicht zur Kenntnis nehmen wollen. Die Kumpel eines zukünftigen Ehemanns gehen los und heuern einige "Streifies" an für die Junggesellen Party.


Gestreifte Hyänen sind für alles zu haben und sich zu nichts zu schade. Während Crocutans sich in ihrem Ruf als furchterregende Berserker suhlen, erfreuen sich Gestreifte Hyänen an ihrem Ruf als verruchte Wüstlinge.


Einige Crocutans glauben noch nicht mal, daß wir in der gleichen Familie sind. Wir nennen uns "Crocutans" um uns von unseren "geringeren" Cousinen zu unterscheiden und zu distanzieren.


Unglücklicherweise ist eine Hyäne so ziemlich wie die andere in den Augen der Allgemeinheit.


In den meisten Orten werden Gestreifte Hyänen in Ghettos am Rande der Städte abgeschoben, gewöhnlich mit großem Abstand zum nächsten Brigade Standort. "Anständige" Crocutan Frauen würden sie nicht mal eines Blickes würdigen und sich schon gar nicht mit ihnen gemein machen. Sie wissen genau, was in ihren Lasterhöhlen vor sich geht und seufzen vor Erleichterung, daß unsere Spezies genetisch inkompatibel sind und deshalb niemals irgendwelche lästigen Mischlinge herumlaufen und die Erblinien durcheinanderbringen würden.


Die vielleicht berühmteste -- oder eher, berüchtigste -- dieser "Madames" ist Madame Jade, die "Madame Jades Haus des Schmerzes und des Vergnügens" betreibt". Sie hat nur einen Namen, weil es nie mehr benötigt hat. Sie betreibt ein "Etablissement des Komforts und der Entspannung" und sie hat die Nerven es ein "Spa" zu nennen, von dem aber jeder weiß, daß es ein Hurenhaus ist. Es ist mit Abstand das größte und luxeriöseste dieser Etablissements und es liegt in der Innenstadt von Kiyanti. Es ist auch eines der hübschesten Gebäude der Stadt. Zumindest ist es immer frisch gestrichen, hat Vorhänge in den Fenstern und Blumen in Töpfen auf dem Bürgersteig vor dem Haus. All das wurde zum Repräsentanten von moralischem Verfall und fragwürdiger Tugend hier in Kiyanti.


Wenn es männliche Tüpfelhyänen juckt, dann gehen sie zu Madame Jades Haus der Schmerzen und des Vergnügens, damit sie dort gekratzt werden. Eine kleine Nummer bei Madame Jade ist bei den Gardisten mehr wert als Gold.


Wenn Crocutan Frauen auf Gestreifte Hyänen als Schlampen herunter sehen, dann ist Madame Jade ein Teil des Grundes dafür. Sie war eine von den Frauen, die sehr geschickt dabei waren, gleichzeitig komplett angezogen und doch komplett nackt zu sein. Ihre Schneider nutzten sehr effektvoll Moskitonetz und Klarsichtfolie.


Sie war in jeder Hinsicht sehr gut bei dem, was sie tat und hatte das Vermögen, es zu beweisen. Ihr Bordell ließ den Palast der Herzogin aussehen wie -- nun, heruntergekommener und klappriger als er tatsächlich war. Ich habe erzählen hören, daß mehrere Würdenträger auf Besuch tatsächlich Madame Jades Haus für den Palast gehalten hatten... oder wenigstens erzählte man sich das.


Ihre Gegenwart in Kiyanti wird geduldet, weil auf eine verdrehte Weise, sie und ihr Klüngel von "Masseusen" einen notwendigen Dienst für die Crocutan Frauen leisteten -- es hielt diese abscheulichen, sexbesessenen Hyänen auf Abstand.


Als ich gerade erst das Kommando über die Palastgarde übernommen hatte, bemerkte ich, daß zu jeder Zeit wenigstens sechs oder sieben von ihnen entweder nicht in der Lage waren, sich zum Dienst zu melden oder komplett unerlaubt abwesend waren. Ihre Kameraden hatten stets eine glaubwürdige Geschichte, aber schließlich gelang es mir herauszufinden, daß die fehlenden Gardisten sich zu sehr bei Madame Jade hatten verwöhnen lassen und deshalb nicht in der Lage waren, sich morgens zum Dienst zu melden.


Ich hatte von Madame Jade gehört -- jeder hatte das -- und mir gefiel der Gedanke nicht, aus diesen Abwesenheiten ein Problem zu machen, weil mich das dazu zwingen würde meinen Männern den Besuch ihres Etablissements zu verbieten, was eine Aktion wäre, von der ich wusste mir würde deswegen der Hals durchgeschnitten. Also stellte ich mich blind für die ersten Wochen aber es wurde schnell offensichtlich, daß sie meine Toleranz für Akzeptanz hielten und die Zahl der Schwänzer nahm dramatisch zu.


Ich erkannte, daß etwas getan werden musste, als ich nicht mehr genügend Gardisten versammeln konnte, um ein Zeremonialessen zu bewachen, das die Herzogin eines Abends gab. Als Captain der Palastwache würde mein eigener Hals in der Schlinge sein, wenn diese Verhalten sich fortsetzte -- und ich wußte, daß Ihre Hoheit davon wußte, weil, als ich die Männer mit einer Krankheit entschuldigte, sie trocken erwiderte "Filzläuse oder Tripper"?


Die Palastwache hat zwei Sergeanten -- die Redundanz ist normal für alle Einheiten, es hilft, die Verwirrung bei Notfall Feldbeförderungen zu vermindern -- und niemals haben zwei unterschiedlichere Kreaturen je einen Job geteilt. Obwohl, alles zusammengenommen, waren sie eine recht gute Annäherung zu dem, wie Orthrus, der Crocutan Ehemann-Gott, sein sollte.



Auf der einen Seite war da Sgt. Bauchschlitz von Schlachtmaschine. Seine Mutter gab ihm einen weiblichen Namen (er endet in einem Vokal)in der Hoffnung, ihn zu Größe zu inspirieren und im Großen und Ganzen hatte es funktioniert. Er war ein enthusiastischer Soldat wie man ihn sich nur wünschen konnte ohne in das Reich der Fabel abzuschweifen und ohne das Leben der Rest der Einheit in Gefahr zu bringen. Wenn er sprach, dann schien das alles in Großbuchstaben zu sein. Er behielt sich das fett- und kursivgedruckte für höhere Level von Nachdruck vor. Sergeant Schlachtmaschine war älter als ich, wenigstens um zehn Jahre und es war schmerzhaft offensichtlich, daß er mein Eindringen in seine Domäne hasste.

Er gehorchte mir, aber mit einem ständigen wilden Blick in seinen Augen und sein Enthusiasmus, wenn er sagte "JA, SIR! SOFORT, SIR!" hatte immer einen Unterton von Sarkasmus.


Auf der anderen Seite war Sgt. Sutherland Hyp. Ich bin mir nicht sicher, wie der Kerl überhaupt die Kindheit überlebt hat, geschweige denn, wie er den Rang eines Sergeanten erreichen konnte, es sei denn er hat das vollbracht bevor er Drogen und Alkohol entdeckte. Er war so lässig, so sorglos, so nachlässig -- ein echter Spinner -- daß ich vermutete, er war zu der Einheit versetzt worden, um ein Gegengewicht zu Sgt. Schlachtmaschines Draufgängertum zu sein. Ich vermutete, "Hyp" wäre eine Kurzform von "Hypnotisiert", weil er in seiner eigenen persönlichen Blase der Glückseligkeit zu existieren schien. Nichts erschütterte ihn, nichts konnte ihn aus seinem Boot auf dem Fluß mit Mandarinenbäumen und Marmeladenhimmel schubsen, das ihm als Hirn zu dienen schien. Selbst, wenn er bis zum Hals in tödlicher Gefahr steckte, blieb stets alles "total großartig, Mann!" Die paar Male, wo er Zurückhaltung gegenüber etwas zeigte, konnte er gewöhnlich zurück zu fröhlichem Enthusiasmus gebracht werden, mit einer Erinnerung daran, wieviel Spaß man haben könnte, wenn er überleben würde.


Er war nicht wirklich blind für Gefahren -- er schien sich einfach nur einen Scheißdreck darum zu scheren.


Ganz ehrlich, ich denke, ich würde lieber mit Sergeant Hyp in die Schlacht ziehen, als mit Sergeant Schlachtmaschine an meiner Seite. Ich war mir ziemlich sicher, daß Hyp nicht versuchen würde, mich zu töten. Es sei denn natürlich, er würde seinen vorgesetzten Offizier loswerden wollen, so daß die Einheit wieder dazu übergehen könnte, in der Sonne herumzuliegen um ein paar Strahlen einzufangen.


Ich hätte meine Sergeants für ein kleines Gespräch darüber einbestellt, wie man die Männer disziplinieren sollte, aber sie waren auch beide unten bei Madame Jade. Genaugenommen war die Einzige, die noch anwesend war, Gefreite Murphy und drei traurig aus der Wäsche schauende Kerle, die nicht genug Geld zusammenkratzen konnten, um den Eintritt bezahlen zu können. Also musste ich die Zeremonienrüstung anziehen und in der Hütte Ihrer Hoheit strammstehen, während sie und ihre Gesellschaft ein lebendiges Gnu verspeisten. Es war eine der schlimmsten Nächte meines Lebens.


Am nächsten Morgen beschloß ich, etwas bezüglich der Palastwache zu übernehmen. Ich überlegte, wie ich mich dem Problem annehmen könnte, als ich eine Botschaft erhielt von niemand anderer, als Madame Jade selbst, die um ein Treffen mit mir in ihrem Etablissement bat.


Ich benötigte einige Minuten, das zu verarbeiten. Der Kurier musste ein paar mal in seine Faust husten, um meine Aufmerksamkeit genug zu erregen, daß ich ein paar Münzen in sein Pfote fallen ließ, so daß er sich entfernen konnte. Ich las den Brief wieder und wieder. Er war in einer fremdartig vornehmen Weise verfasst:


"Madame Jade wünscht die Gegenwart von Lieutenant Frederick Krüger um ihr um 19Uhr heute Abend die Aufwartung zu machen, im Haus der untergehenden Sonne, Carnali Straße.


Es war auf Papier geschrieben, das stark nach Dingen roch, über die ich besser nicht nachdenken wollte.


Es fühlte sich an, als wäre es eine Art Witz, etwas, das sich meine Männer ausgedacht hatten und ich beabsichtigte, an diesem Treffen teilzunehmen, auf das Schlimmste vorbereitet. Und doch, ich war nicht vorbereitet auf das, was sich tatsächlich ereignete.


Ich muss an diesem Punkt eine kurze Abschweifung machen, um zu erklären, wie ich zuerst die Bekanntschaft mit der gefeierten Halbweltdame machte.


Die Gardisten lenkten sich mit einem Spiel ab, ähnlich dem "Schnapp die Fahne", nur daß der Preis, um den gestritten wurde keine Flagge war, sondern ein sehr zerfleddertes Foto von Madame Jade, mit romantischer Inschrift von ihrer eigenen Hand. Es ging darum, dieses Foto zu stehlen und es für volle 72 Stunden zu behalten; wie Du Dir vorstellen kannst, die normalerweise faulen und lustlosen Kerle ließen keinen Mühe und Winkelzüge aus, um dem gegenwärtigen Halter das Foto abzunehmen, der im Gegenzug zu außergewöhnlichen Massnahmen schritt, um es zu behalten. Die einzige Regel (so weit ich das herausfinden konnte) war, daß dem Halter nicht erlaubt war, das Ding am Körper mitzuführen. Ihm war also nicht erlaubt, es von seinem Versteck zu entfernen. Er konnte es irgendwo verstecken und jeden Trick anwenden, der ihm einfiel, um es zu schützen -- was ein anderer Grund ist, warum Schußwaffen und Sprengkörper in Kiyanti hinter Schloß und Riegel blieben -- und die anderen mussten versuchen, es zu finden und zu stehlen ohne dem Bild Schaden zuzufügen. Welchen Schaden sie der Umgebung zufügten, schien zweitrangig oder drittrangig zu sein.


Manchmal bildeten mehrere Hyänen eine Koalition, um den Preis zu schützen, während zu anderen Zeiten ein Mann alleine in seinem Besitz war und der Rest der Kompanie den Ort auf den Kopf stellte, um das Bild zu finden. Ihre Motivation wird offenbar, wenn man begreift, daß in dem Fall, daß jemand es schafft, den Preis für den vollen Zeitraum zu behalten, die Anderen ihm eine Nacht voll Vergnügen und Schmerz kaufen mussten, im besten kleinen Hurenhaus in Kiyanti.


Dieses Spiel erzeugte, wie Du Dir sicher denken kannst, Ablenkung und Chaos ohne Ende. Ich wurde dessen kurz nach meiner Ankunft gewahr, als ich eine Gruppe Gardisten bemerkte, die sich um den Eingang zu meinem Büro herumdrückten, als sie keinen Grund hatten, dort zu sein. Während des ganzen Nachmittags wuchs die Zahl der Drückeberger, bis mir schien, der ganze Zug wäre draußen im Korridor. Ich entließ sie -- musste ihnen befehlen zu gehen in eindeutigen Worten -- und kurz darauf verließ ich mein Büro für den Tag und schloß die Tür sorgfältig hinter mir.


Am Morgen gab es eindeutige Hinweise, daß eine Person oder mehrere daran gescheitert waren, sich ihren Weg in mein Büro zu hacken, mit verschiedenen Instrumenten, stumpf oder scharf.

Befragungen der Nachtwache waren bestenfalls ergebnislos und schlimmstenfalls frustrierend, da die Wachen darauf bestanden, sie hätten nicht mal einen versprengten Moskito in der Gegend gesehen.


Mir wurde klar, daß ich auf den Arm genommen wurde, ein Gedanke, der bestärkt wurde, als Korporal Bistrafong und Sergeant Schlachtmaschine kurz vor dem Mittagessen vorbeikamen und in verdächtig freundlicher Art (besonders für den Sergeant) fragten, ob sie die Ehre haben dürften, mich zum Essen einzuladen. Als ich freundlich ablehnte, bestanden sie darauf und da bemerkte ich, wie der Korporal immer wieder an die Decke sah, mit zurückgelegten Ohren und zitternden Schnurrhaaren.


Ich folgte dem Blick und da, befestigt an der Decke über und ein wenig hinter meinem Tisch, geschützt von einem Stück Plexiglas, in den Gips geschraubt, war ein Foto einer komplett nackten weiblichen Gestreiften Hyäne in provokativer Pose, mit dem hübschesten, einladensten Leuchten in ihrem spitzen, dunklen Gesicht.


Ich zwinkerte; ich hörte Sgt. Schlachtmaschine stöhnen.


"Gehe ich recht in der Annahme, daß Sie beide vertraut sind mit DEM da?" fragte ich und schnippte mit dem Finger in die Richtung.


"Nicht so sehr, wie wir wünschten", sagte Korporal Bistrafong. Sgt. Schlachtmaschine boxte ihm gegen die Schulter.


Von ihnen erfuhr ich von dem "Madame Jade Preis" Spiel, zusammen mit verschämtem Murmeln. Ich befahl ihnen mir eine Leiter zu besorgen, ich befahl ihnen, es herunterzuholen und es mir zu geben. Dann befahl ich ihnen, die ganze Kompanie auf dem Exerzierplatz antreten zu lassen.


Ich weiß nicht, ob ein Kerl mit Erfindungsgeist -- möglicherweise mein Bursche -- sich dafür entschieden hatte, es dort oben zu verstecken, was er wohl für einen sicheren Ort hielt, oder ob jemand es dort plaziert hatte in der Hoffnung, ach, ich weiß nicht, mich in Verlegenheit zu bringen, falls ich zufällig nach oben schaute und Madame Jade in all ihrer gestreiften Glorie auf mich herablächeln sah. Jedenfalls entschied ich, das Spiel zu beenden. Für immer. Ich musste ihnen beweisen, daß nur weil ich ein männlicher Vorgesetzter Offizier war, es nicht bedeutete, sie könnten mit so einer Sache davonkommen.


Als sie dort standen, in der Sonne, in ihren scharlachroten Hemden schwitzend, nahm ich mir die Zeit sie in Augenschein zu nehmen. Der schmerzerfüllte Ausdruck auf ihren Gesichtern zeigte, daß sie alle wußten, ich war in den Besitz ihrer verehrten Trophäe gekommen und sie sorgten sich darum, wie ich ihre Ikone entweihen würde.


Ich hatte das Foto in einem Ordner unter meinem Arm. Mit besonderer Behutsamkeit zog ich das Foto heraus und hielt es hoch. Es war ganz zerknittert durch intensiven Gebrauch und die Kanten waren umgeknickt, angerissen und zerfleddert; die Inschrift beinahe unleserlich aber sie schien einst besagt zu haben "Für Rocko Knochabräch, mit liebsten Grüßen, Madame Jade". Auf der Rückseite, in Bleistift, war eine Liste von Namen geschrieben -- diejenigen, die es geschafft hatten, das Foto lange genug im Besitz zu halten, um den Preis zu gewinnen für den es stand. Die Kompanie zuckte zusammen, als sie sahen was ich mit ihrer geliebten Trophäe tat.


"Ich glaube, Ihr alle wisst, was das ist", sagte ich mit flacher, abgehackter Stimme. "Und ich möchte, daß ihr alle wißt, daß ich das nicht gerne tue."


Da war ein prustendes Kichern von "Zweifellos!" was sich in ein gemeinsames schnaufen von Schreck und stöhnen des Entsetzens verwandelte, als ich ein Feuerzeug aus meiner Tasche zog. Die blaue Flamme zuckte in der leichten Brise und das Foto begann zu rauchen, schwarz zu werden und sich zusammenzurollen.


"Oh, Sir -- Erbarmen!" stieß Sergeant Schlachtmaschine hervor. "Das ist so nahe an einer nackten Dame, wie einige von diesen Männern jemals kommen werden!"



Ich blieb unerbittlich. "Bewahren Sie Disziplin, Sergeant!" warnte ich ihn, als das Foto Feuer fing. Madame Jade schien nicht im Mindesten besorgt, als sie scheu lächelnd rasch verschlungen wurde und sich in schwebende Asche verwandelte, die in der leichten Brise davonschwebte, während die Gardisten ihr mit sehnsüchtigem Schmerz nachschauten.


Ich ließ die letzte Ecke zu Boden fallen, wo sie aufflammte und dann verglimmte. Ich glaubte ein Schluchzen zu hören.


"Dies ist das Ende des "Madame Jade Wanderpokals", informierte ich sie. "Es wird keinen weiteren Unfug dieser Art geben. Sie sollten sich wie Profis benehmen. Was Sie in Ihrer Freizeit unternehmen, ist Ihre Sache, aber während Sie im Dienst sind, werden Sie von nun an auf eine Weise benehmen, wie es sich für die Palastgarde Ihrer Hoheit, der Herzogin von Rackenroon geziemt. Habe ich mich verständlich ausgedrückt?"


Es gab ein Murmeln und Füße scharren und noch ein Schluchzen und mir wurde klar, daß es Sergeant Schlachtmaschine war, der die Tränen zurückhalten musste -- er war so dicht dran gewesen, das Foto in die Pfoten zu bekommen und jetzt war es für immer ausserhalb seiner Reichweite.


Ich verschränkte meine Pfoten hinter meinem Rücken und setzte fort, "Jedermann, der ein Problem damit hat, wird dazu abgestellt, den Swimmingpool Ihrer Hoheit zu bewachen. Er kann dort nach Herzenslust eine nackte Lady betrachten."


Das letzte wurde mit einem sardonischen knurren ausgesprochen. Ihre Hoheit hatte die Angewohnheit nackt zu sonnenbaden und lass uns sagen, sie war nicht annähernd so geschmeidig zu den Augen, wie Madame Jade. Ich sah den Ausdruck von Horror über die Gesichter der Gardisten blitzen und jeder Protest, den sie vielleicht äussern wollten wurde von schmollender Stille erstickt.


Das hätte das Ende der Trophäenjagd sein können, aber es war der Beginn von etwas, was ich für eine offene Rebellion halte.

Mein Fehler war, ihnen zu sagen, daß mir egal war, wie sie ihre Freizeit verbrachten, also verbrachten sie ihre Freizeit von da an im Haus Der Untergehenden Sonne. Ich wusste nicht, woher sie das Geld hatten, da ich davon ausgegangen war, daß die Trophäenjagd den Sinn hatte, ihre Mittel zusammenzulegen, so daß wenigstens einer von ihnen die Gelegenheit haben würde, die Freuden des sagenumwobenen Gebäudes zu geniessen.


Was uns zu dem Tag zurückbringt, wo ich die Aufforderung von Madame Jade höchstselbst erhielt, mit der sie mich einlud, sie in ebendem sagenumwobenen Gebäude zu besuchen.


Es ein Haus mit "übler Reputation" zu nennen wäre ein grober Irrtum, es hatte schließlich drei Sterne im Michelin Führer. Es gab keine Möglichkeit, es von dem zu unterscheiden was es war, ausser durch seine ungewöhnliche Erscheinung. Während die Nachbargebäude schäbig und heruntergekommen aussahen, war ihres piekfein und bildschön nach europäischen Standards. Es sah genauso aus, wie man sich ein Oberklasse Hotel vorstellen würde.


Ich wurde dem gewahr, trotzdem es in einer ziemlich geschäftigen Gegend gelegen war, der Bürgersteig vor dem Gebäude war merkwürdigerweise menschenleer, weil jeder, der vorbeiging unwillkürlich auf die andere Straßenseite wechselte um nicht dabei ertappt zu werden, vor dem Ort zu stehen. Viele wandten ihre Augen ab, aber einige wenige -- meist männlichen Geschlechts -- warfen verstohlene, oder gar sehnsuchtsvolle Blicke auf die durch Spitze verhüllten Fenster, hinter denen Lampen einen einladenden goldenen Schein verbreiteten.


Ich hatte mich für meine komplette Ausgehuniform zu diesem Treffen entschieden, was vielleicht ein Fehler war, weil es mich aus der Menge hervorstechen ließ wie ... nun, wie eine Parade. Als Lieutenant war ich der Offizier mit dem niedrigsten Rang, aber trotzdem ein Offizier und einer mit einiger Verantwortung. Also hatte ich die Absicht, nicht nur Eindruck auf Madame Jade zu machen, sondern auf jeden anderen, der mich an dem Abend zu sehen bekam. Ich wollte nicht wahrgenommen werden als jemand, der in ihr Establishment schleicht mit inoffiziellen Absichten. Das redete ich mir wenigstens selbst ein, um die Courage aufzubringen meine Pfote auf den Türknopf zu legen und die dunkelgrüne Tür zu öffnen und in eine Welt zu treten, von der ich normalerweise nicht erlaubt war, auch nur daran zu denken. Wenn meine Mutter dahinter kam, was ich da gerade im Begriff war, zu tun...


Ich war gewarnt worden, daß ich einen Atemfilter benötigen würde, falls ich es wagen sollte, den Ort zu betreten, weil der Geruch der Unzucht so schwer in der Luft hing, daß er gesunde Männer in den Wahnsinn treiben würde. Persönlich nahm ich an, daß das nur eine weitere Geschichte war, von den Männern verbreitet, um ihre eigenen Erwartungen aufzuputschen. Ich atmete aber flacher als sonst, nur für den Fall.


Als ich in den Frontsalon trat bemerkte ich, daß sich etwa ein Drittel meiner Gardisten dort herumtrieb und einige hatten spärlich bekleidete Streifies die sich um sie bemühten. In dem Moment, wo sie mich bemerkten, brach ein alarmierendes zischen aus und sie sprangen auf die Füße, ließen die Mädchen auf den Boden plumpsen in ihrer Hast mich zu grüßen. Die meisten von ihnen wären besser sitzen geblieben, da sie ihre "Waffen präsentierten" um es zu umschreiben und die Enden ihrer Hemden nicht dabei hilfreich waren, es zu verbergen.


Trotzdem war ich dankbar zu sehen, daß sie noch ausreichend beieinander waren, um dem Protokoll zu folgen. Ich erwiderte den Gruß -- nun, zumindest den Arm-Teil -- und sagte "Rühren, Männer". Dankbar sanken sie zurück in ihre Sessel, langten nach den Mädchen, die sich zögerlich zurück auf die Schöße positionieren ließen. Ich verblieb in Habacht bei der Tür mit meiner Hand auf dem Schwert -- und nein, das ist kein Euphemismus, ich trug meinen Zeremoniensäbel für diese Angelegenheit. Ich war auch moralisch viel zu abgestoßen, um auch nur im mindesten erregt zu sein von meiner Umgebung.


Sergeant Hyp erschien aus einem Nebenzimmer mit einem Glas Wein in einer Pfote und einem Stück Käse in der anderen. "Lieutenant! Sir!" sagte er gedehnt, einen halbherzigen Gruß mit dem Käse in seiner Pfote andeutend, "ich habe mich schon gefragt, wann Sie zu uns stoßen würden...! Darf ich Ihnen etwas bringen? Sie haben ein nettes Buffet im Ne --"


"Ich bin geschäftlich hier, nicht zum Vergnügen, Sergeant," sagte ich ihm kurz angebunden. Ich war verärgert, daß er noch nachlässiger war als gewöhnlich, mit seinem Hemd aufgeknöpft und gelöstem Gürtel, aber ich erinnerte mich daran, daß er außer Dienst war und in der Tat in einem Bordell.


"Wie sie wollen", der Sergeant zuckte die Schultern. "Sie verpassen einen richtig guten Käse. Wein, nicht so." Er gluckste. "Die Törtchen sind auch ziemlich gut..."


Meine Gegenwart in dem Zimmer machte es schwierig für die Männer zu ihrer vorherigen Beschäftigung mit den leichten Mädchen zurückzukehren; einer der Burschen sprang sogar auf, als würde er dem Vorschlag des Sergeanten folgen, zog zwei seiner Kumpels mit sich und sagte, "Moe! Larry! Der KÄSE!"


*Eine Anspielung auf Die Drei Stooges, Komiker von 1925 bis 1970 am bekanntesten in der Besetzung von 1933 bis 1946. In den USA genauso bekannt wie Laurel&Hardy (Dick und Doof).


Ich konnte fühlen, wie sie mich unbehaglich beäugten, als ich in Habacht stand. Ich selbst vermied es, sie anzusehen und studierte stattdessen die Möblierung, die üppig war, auf eine geschmackvolle Weise. Es war offensichtlich, daß Madame Jade gut dafür entschädigt wurde, sich selbst zu entehren und die Frauen, die in ihrem Etablissement Beschäftigung fanden. Da war die bemalte Decke, das Gipswerk, daß den Fries verhüllte, die Rokokoarchitekturdetails an der Kaminumhüllung, die Kristalltropfen am Lüster, der Perserteppich... Ich fragte mich wie viel von diesem Gepränge an diesem Clientel vollständig verschwendet war. Dann fragte ich mich, warum ich mich um dieses Zeugs kümmerte... natürlich, es war um zu vermeiden, Dinge anzustarren, die meine Ohren erröten lassen würden. Es war schlimm genug, daß ich an diesem Ort sein musste, auch ohne wie ein Schuljunge in Verlegenheit zu geraten.


Meine Augen wurden gefesselt von etwas, das auf den ersten Blick aussah, wie eine Kreide Menütafel, wie ein schickes Restaurant sie auf dem Bürgersteig vor ihrem Geschäft aufstellte, die aber ein komplett anderes "Menu" auflistete mit den dazugehörigen Preisen. Zuerst war ich geschockt, daß Madame Jade so unverhohlen war; dann war ich davon geschockt von der Auswahl der "Vergnügen", die man erstehen konnte; und schließlich war ich geschockt von den Preisen. Drei Michelin Sterne, in der Tat -- !


Sergeant Hyp bemerkte die Richtung meines Blickes, nahm einen Schluck von seinem Wein und fragte, "Also -- sind Sie für etwas Bestimmtes hier, Lieutenant? Vielleicht kann ich Ihnen etwas empfehlen -- möchten Sie sich entspannen oder möchten Sie zu Potte kommen -- ?"


"Ich bin hier, um Madame Jade zu sehen", sagte ich ihm scharf, was den Effekt hatte, als wäre eine Bombe in dem kleinen Raum explodiert. Sogar die Mädchen schienen erstaunt.


"Boah", schnaufte Hyp, "ein hohes Ziel bei Ihrem ersten Besuch, wie? Ich hörte, Sie wären vermögend, aber... Niemand hat DIE Menge Knete..."


"Sie hat um das Treffen ersucht", informierte ich ihn knapp, zog den Brief aus der Innentasche meines Hemdes und faltete ihn für ihn auf. Als er mit einer käseverschmierten Pfote danach griff, zog ich ihn weg. Die anderen im Raum anblickend, sah ich, daß ich der Fokus eines Ringes von offenen Mündern und hervorquellenden Augen war.


"Heilige Makrele! NIEMAND trifft sich mit Jade!" schnappte einer der Soldaten.


"Und doch werde ich das tun", versetzte ich überheblich. Ich hoffte, daß jemand erscheinen und mich fortgeleiten würde. In der Tat näherten sich einige der Soldaten und sagten auf den Knien mit von Ehrfurcht erfüllten Stimmen, "Sie sind unser Gott, Sir -- ! Dürfen wir Sie berühren, als Glücksbringer?"


"Geht weg von mir", schnappte ich und sie folgten. Ich suchte mir dann zufällig eine der Kurtisanen aus und sagte, "Würden Sie bitte Madame Jade darüber informieren, daß Lieutenant Krüger eingetroffen ist? Ich möchte meine Angelegenheit mit ihr so schnell wie möglich abwickeln".


Als das Mädchen von der Couch floß und davonstolzierte, ihren Schwanz wackelnd, um die Rückseite ihres Kostüms zurechtzurücken, zupfte Sergeant Hyp an meinem Ärmel und sagte vertraulich, "Bist Du sicher, daß Du es nicht langsam angehen willst? Langsam ist viel besser, weißt Du..."




Mit dem Bild ihres Fotos noch frisch im Gedächtnis, hätte ich nicht mehr überrascht werden können von dem was ich sah, als ich schließlich in das Boudoir der legändären Madame geleitet wurde.


Zuerst, es war nicht ihr Boudoir, es war ihr Büro, eine recht geschäftsmässige Angelegenheit. Um das festzustellen, die Einrichtung war eindeutig femininer Natur, aber das war zu erwarten gewesen. Sie saß hinter einem großen Tisch, geschnitztes und vergoldetes Geschnörkel mit einer rosa beschatteten Lampe, die dabei half die Tatsache zu verbergen, daß Madame Jade bedeutend älter war, als zu der Zeit, in der das berüchtigte Foto aufgenommen worden war. Denk Dir den Unterschied zwischen Dorothy Lemur vom ersten "Straßen" Bild und dem der Dorothy Lemur vom letzten "Straßen" Bild und Du kannst vielleicht meinen Schock verstehen.


*Dorothy Lamour war eine Sängerin und Schauspielerin, die jahrzehntelang in Filmen mit Bing Crosby und Bob Hope auftrat. Insbesondere in der "Road to xx" Reihe.


Sie erinnerte mich an eine Maharani, züchtig eingewickelt in eine Anzahl seidener Schleier, ihre recht üppige Figur in ein juwelenverkrustetes Korsett gezwängt. Die ergrauenden Haare um ihre Schnauze kunstvoll verborgen durch die Anwendung von Henna. Jeder ihrer pummeligen Finger mit wenigstens einem Ring verziert endete in einer perfekt manikürten Klaue lackiert in rot.


So ziemlich der einzige Teil von ihr, der genauso aussah, woe auf dem Foto, waren ihre exotisch gefärbten, halbgeschlossenen Augen, die mich auszuziehen schienen oder mich zumindest einschätzten und versuchten, den Wert des Inhalts meiner Taschen herauszufinden. Und doch, trotz ihrer langen Wimpern, ihre Augen selbst waren kalt und hart. "Lieutenant Krüger -- ? Sie sind der Captain der Palastwache, nicht wahr?" Ohne mir Gelegenheit zu einer Antwort zu geben, legte sie eine juwelenbedeckte Pfote auf ihren Tisch. "Sie müssen ETWAS unternehmen, wegen Ihrer Männer! Sie haben eine unerhörte Rechnung bei meinen Damen angehäuft! Es geht mir nicht ums Geschäft, aber es IST ein Geschäft und sie werden mich ruinieren, wenn nicht etwas mit dem Defizit passiert, das sie erzeugen!"


Sie zog ein Bündel von unbezahlten Rechnungen hervor und warf es mir zu. "Zwölftausend!" bellte sie, "Und das ist nur von letzter Woche! Sie sind in mein Haus eingefallen, wie ein Schwarm Marokkanischer Heuschrecken! Ich habe bisher nichts gesagt, weil ich auf das Geschäft mit der Brigade angewiesen bin, aber ich kann nicht stillhalten und ihnen erlauben... mich und meine Damen auszuplündern!" Sie starrte mich zornig an. "Sie sagten mir, daß SIE ihnen die Erlaubnis gaben!"


In dem Moment fielen mir die Worte. Meine Augenbrauen versuchten, meinen Kopf nach oben zu verlassen.


Sie schmollte und zeigte mit einer Klaue auf ihren Schleier. "Ich kann meine Rechnungen nicht bezahlen... meine Lieferanten drohen ihre Lieferungen einzustellen... und ihr Verhalten vertreibt meine zahlenden Kunden! Wenn Sie nichts dagegen unternehmen, dann werde ich mich über Ihren Kopf hinweg an Ihren vorgesetzten Offizier wenden und Sie anzeigen!"


Ich wußte, daß dies keine leere Drohung war. Madame Jade war vielleicht nicht bekannt, daß ich sowohl der Adjutant Ihrer Hoheit war, als auch Captain der Palastwache aber die Drohung meine Unfähigkeit meine Männer zu kontrollieren der Befehlskette der Brigade zu Ohren kommen zu lassen, reichte aus, um einen schleimigen Klumpen Furcht in meiner Brust zu erzeugen. Es wäre alles, was es brauchen würde, um mich zu entehren und jede Chance zu ruinieren, die ich gehabt hätte, um Einfluß am Hof durch eigene Leistung zu erlangen und nicht nur, weil ich als zukünftiger Ehemann der Thronerbin an Ihre Hoheit verkauft worden war. Major Payne, die Sicherheitschef für die Stadt war, würde die Gelegenheit genießen zu beweisen, daß ein Hyänenmann zum Offizier nicht "geeignet war".


Ich erkannte, daß da nur eines war, das ich tun konnte.


Ich seufzte und langte mit einer Pfote in mein Hemd. Ich bemerkte, daß Jades Hand über einer kleinen Schachtel auf ihrem Tisch schwebte; ob ein Panikknopf darin war oder eine Derringer sollte ich nicht in Erfahrung bringen. Sie entspannte sich, als ich ein Scheckbuch und einen Stift hervorholte. Über ihren Tisch gebeugt, wo der Geruch ihres Moschus fast überwältigend war, schrieb ich die volle Summe der Schulden aus und setzte meine Unterschrift unter den Scheck, zog ihn heraus und reichte ihn ihr. Sie nahm ihn zwischen die Spitzen zweier Klauen und für einen kurzen Moment öffneten sich ihre Augen vollständig.


"Ich muss abwarten, ob er gedeckt ist", sagte sie mir.


"Selbstverständlich", stimmte ich zu, als ich das Scheckbuch in meine Tasche zurückgleiten ließ.


Sie berührte die Spitze ihrer Nase mit ihrer Zunge als sie den Scheck in die Mittelschublade ihres Tisches legte und die Schublade anschließend abschloß. Dann verschränkte sie ihre Arme, betonte damit ihren Ausschnitt und betrachtete mich mit kühler Distanziertheit.


"Ihre Männer unterrichteten mich darüber -- zumindest hörte ich, wie sie es den Damen erzählten", sagte sie mit leichtem Amüsement in der Stimme, "wie Sie ihr "Madame Jades Trophäenspiel" beendet haben..."


"Ich tat was ich musste, um die Ordnung in meiner Einheit aufrecht zu erhalten, Madame", sagte ich, in Habacht stehend.


"Sie sind nicht sehr glücklich mit Ihnen, wissen Sie", informierte sie mich. "Genaugenommen denke ich, daß Sie zur Zeit die unbeliebteste Hyäne von ganz Kiyanti sind."


"Meine Aufgabe ist es, die Palastgarde zu befehligen, nicht den Beliebtheitspreis zu gewinnen, Madame", versetzte ich, während ich meine Augen auf einen Punkt oberhalb ihres Kopfes fokussierte..."


Sie schürzte ihre Lippen. "Sie sagen mir auch, daß Sie Klavier spielen können", fügte sie hinzu. "Ich habe einen geschäftlichen Vorschlag for Sie... in ihrer Freizeit natürlich..."


"Meine Aufgaben für die Herzogen halten mich sehr beschäftigt, Madame", versichert ich ihr knappl


"Lächeln Sie auch einmal, Lieutenant?" fragte sie mich mit einem schiefen Lächeln. "Ich denke, ich kenne einen Weg, mit dem ich ein Lächeln auf ihr stoisches Gesicht zaubern kann... solange Sie hier sind..."


"Ich bin vertraglich verpflichtet keinen Spass zu haben", sagte ich ihr, "und obwohl ich ihr freundliches Angebot zu schätzen weiß, Madame, muss ich respektvoll ablehnen."


Jade gab es auf mich ködern zu wollen. "Wie Sie wünschen", seufzte sie mit einem Schulterzucken. "Die meisten Männer würden töten für die Gelegenheit."


"Ich bin nicht die meisten Männer, Madame. Ich bin gewissermaßen verlobt. Mit der Thronerbin der Herzogin. Werimmer sie sein mag."


Jades gezupfte Augenbrauen gingen ein wenig nach oben. "Ah. Dann haben Sie meine Sympathie."


"Danke sehr, Madame", murmelte ich. Der Geruch in dem Raum begann mich zu beeinflussen, so daß mir etwas übel und benommen wurde und ich nicht länger meiner Fähigkeit sicher war, nicht irgendeine Eselei auszuplaudern, besonders was den Vertrag zwischen meiner Mutter und Ihrer Hoheit betraf. "Ich muss gehen, jetzt, Madame. Ich werde meine Männer aus Ihrem... Etablissement entfernen."


"Lassen Sie sie", sagte sie mit einem winken, "es ist alles bezahlt. Für heute."


"Wie Sie wünschen, Madame." Ich verbeugte mich leicht, drehte mich auf dem Fuß um und verließ das Zimmer.


Als ich zurück durch den Salon ging, sagte ich mit lauter und befehlender Stimme, "Ich erwarte, daß Sie alle morgen früh um 8Uhr den Dienst antreten. Und ihr Mädchen -- hört auf an meinen Soldaten herumzufummeln!"


*Auf englisch "Privates" für Soldaten, aber auch "privates" für Geschlechtsorgane. Ein Wortwitz, den ich nicht übersetzen kann.


Ich war draußen auf dem Bürgersteig und drei Türen weiter, als mir bewußt wurde, was ich gesagt hatte.




Zu meiner Überraschung, war tatsächlich am nächsten Morgen die gesamte Kompanie um 8Uhr morgens zur Inspektion angetreten.


"Und -- wie war es bei Madame Jade...?" stieß Sergeant Hyp mich an.


Ich verhakte meine Pfoten hinter meinem Rücken und verkündete "Ich bedaure, Sie darüber informieren zu müssen, daß es Ihnen allen verboten ist, zum Haus Der Untergehenden Sonne zurückzukehren mit welcher Begründung auch immer, bis auf Widerruf."


"Waa -- so schlimm, häh?" murmelte Hyp, als die Männere begannen ihren Schock auszudrücken, ihren Unglauben und ihre Entrüstung.


Ihre Proteste dauerten einige laute Minuten. Ich verblieb unbewegt und entschieden, obwohl ich innerlich den Moment fürchtete in dem sie sich selbst vergessen könnten und mich in meine Einzelteile zerlegen würden.


"Es ist nicht meine Entscheidung", versicherte ich ihnen. "Madame Jade selbst hat gefordert, daß ich Euch Schnorrer verbiete ihr Geschäft zu ruinieren. Sie hat mir unmißverständlich klar gemacht, daß bis Eure Rechnung bei ihr nicht beglichen ist -- niemand von Euch befriedigt wird. Wenn jemand von Euch auch nur seine Nase in ihr Haus steckt, dann wird sie Euch alle anzeigen!"


"Uns anzeigen -- bei wem?" dröhnte Sergeant Schlachtmaschine aufgebracht, "wir sind die Palastgarde!"


"Ja -- aber wir sind immer noch Teil von Blut und Knochen" erinnerte ich ihn, "und als solche Teil der Befehlskette des Regiments. Und ich wette, niemand von uns möchte, daß dies bei den anderen Einheiten bekannt wird, oder den Offizieren zu Ohren kommt. Den WEIBLICHEN Offizieren."


"Ach, das stört sie nicht!" schnauzte Schlachtmaschine. "Diese verklemmten kleinen Eierbecher sind doch froh, wenn sie uns an die Streifies abschieben können -- !"


"Sie wären nicht ausser sich, weil Ihr es nicht in Euren Hosen lassen könnt", erinnerte ich ihn mit übertönender Stimme, "sondern weil ihr Schande über Eure Einheit gebracht habt, das Regiment und die Brigade, weil ihr Eure Bordellrechnung nicht bezahlen könnt!"

Das ließ sie verstummen. Verhaftet zu werden für eine Prügelei oder Suff oder sogar Diebstahl war eine Sache -- verhaftet zu werden, weil man pleite war, war eine echte Entehrung. Nicht so sehr wegen der Pleite an sich, mehr weil sie erwischt wurden, was sie zur Lachnummer von Kiyanti machen würde.


Ich zog ostentativ die Rechnung aus meiner Tasche. "Madame Jade möchte zweihundertdreiunddreißig und einen halben 'rand von jedem von Euch -- pro Nacht -- um zu bezahlen, was ihr in ihrem Haus in der letzten Woche verzehrt habt -- "


"Sir! Die ganze Kompanie zusammen hat keine zweihundertdreiunddreißigfünfzig!" bellte Sergeant Schlachtmaschine. Der schmerzerfüllte Ausdruck auf den Gesichtern der Gardisten bewies, daß er mit seiner Einschätzung recht hatte. Ich faltete die Rechnung zusammen und steckte sie zurück in meine Tasche.


"Daran hättet Ihr denken sollen, bevor ihr entschieden habt, in ihrem Etablissement Kunden zu werden", seufzte ich. "Man soll nicht tanzen, wenn man den Trommler nicht bezahlen kann!"


"Aber Sir -- !" beharrte Schlachtmaschine, seine Brauen in Hügel und Täler gefaltet, "-- wir hatten ein System -- ! Und Sie -- "


"Euer "System" ist mir bekannt", unterbrach ich ihn, "und von jetzt an, folgt Ihr MEINEM System. Das ist ein Befehl. Wegtreten."


Ich drehte mich auf der Stelle und marschierte davon, das wehleidige Jammern des Sergeanten ignorierend, "Aber Sir -- WIR SIND KEINE MÖNCHE, WIE SIE!"




Nein, ich hatte ihnen nicht gesagt, daß ich ihre Schuld beglichen hatte, da ich fürchtete, das Wissen darum würde nur zu weiterer Insubordination führen und möglicherweise größeren Rechnungen. Seinen Bankier über den Tisch zu ziehen, schien ein verbreitetes Verhalten zu sein in Kiyanti. Zu glauben, sie wären von Jades verbannt, bis sie ihre Rechnung bezahlt hätten, würde als Hebel dienen, da Gardisten notorisch pleite waren und dies deshalb ein unmöglich zu erreichendes Ziel sein würde.

Während der nächsten paar Tage, herrschte relativer Frieden und ich muss zugeben, ich war ziemlich zufrieden mit mir. Da war ich, ein frisch geschmiedeter Offizier gerade erwachsen, jünger als die meisten Männer unter meinem Kommando und ich hatte sie dazu gebracht, mir zu gehorchen. Oh, wie ich inzwischen diesen jugendlichen, idiotischen Optimismus vermisse!


Ihr Ungehorsam, war natürlich nicht gebrochen, er war nur in den Untergrund gewichen, wie ein Schößling in der Dürre. Und wie ein unbemerkter Schößling frass es an den Grundfesten meiner Autorität.


Es war ein nieseliger Abend und ich war in meiner Freizeit, in meinem Quartier, trug einen Bademantel, lauschte Chopin und las, als es hartnäckig an meiner Tür klopfte. Es war Korporal Lance, der irgendwann einer meiner guten Freunde werden sollte, aber in dem Moment aussah, wie ein eingeschüchtertes Kind.


Salutierend sagte er "Abend, Ma'am".


"Lieutenant, sir," korrigierte ich. Ich wußte, daß einen Offizier "Ma'am" zu nennen ein bedingter Reflex war.


"Lieutenant-sir, ma'am. Sir." Wiederholte er noch immer salutierend, seine Augen sahen schmerzerfüllt und verwirrt aus.


"Was gibt es, Korporal?" fragte ich mit erzwungener Geduld.


"Ich muss mit Ihnen sprechen, Ma -- msir. Es geht... es geht um einige der Jungs, ma -- msir."


Jetzt schaute ich mürrisch. "Was gibts denn?"


Korporal Lance biss auf seine Lippe. "Also, M'sir, da war diese Party bei... bei dem... bei Madame Jade, Sir, heute Nacht und die Jungs haben davon erfahren... eine Party für eine von den anderen Einheiten... und die Jungs, sehen Sie, sie haben beschlossen dort uneingeladen aufzukreuzen..."


Mein Magen begann zu fallen.


" -- und dann brach ein Kampf aus zwischen unseren Jungs und den anderen Brigadiers und dann Madame Jade, sie hat die MP gerufen --"


Ich legte eine Pfote über mein Gesicht. Mit der Militärpolizei konfrontiert zu werden war mein schlimmster Albtraum -- die hatten sogar noch weniger Humor als ich und waren die kampfeslustigsten der Brigade. Ihre Aufgabe war es, für Ordnung unter den Brigadiers zu sorgen und sie hatten die Macht Strafmandate an Generäle auszustellen, so daß sie selbstverständlich ein aufgeblasenes Selbstbewußtsein hatten. Sie nahmen ihren Job sehr ernst und die Militärpolizeiabteilung schien die Hyänen anzuziehen mit der größten Neigung zu Größenwahn. Mit denen will sich KEINER anlegen.


Die von der Samstagnacht Schicht waren gerade so an der Grenze zu mörderischen Psychopathen.


"Wo sind sie jetzt?" fragte ich, "haben sie sie in den Bunker gesteckt?"


"Nein, M'sir -- sie sind in einer Pattsituation bei Jades. Unsere Jungs und ihre Jungs haben entschieden daß die eine Sache, die sie mehr hassen als sich gegenseitig, die MPs sind und jemand hat begonnen zu kämpfen, als die MPs reinkamen, um den Streit aufzulösen. Haben einige der MPs auf die Krankenstation geschickt. Jetzt haben sich alle verschanzt, mit den P... mit den Damen als Geiseln."


Trotz all meines Trainings, entkam ein leises Wimmern der Bestürzung meiner Kehle und ich legte die andere Pfote auch noch über mein Gesicht.


"Waren die Sergeants nicht in der Lage, das zu regeln?" fragte ich, sobald ich mich gefangen hatte.


Der Korporal schüttelte den Kopf. "Nein, Sir. Sie sind... sie sind auch dort drin."


"Natürlich sind sie das", seufzte ich. "Das klingt ernst. Lass mich meine Uniform anziehen."


Als ich das Uniformhemd zuknöpfte, polierte ich die Lieutenants Streifen mit einem Wisch meines Daumens. Wie lange ich diese Streifen noch tragen würde, beruhte auf dem Ergebnis der nächsten Stunden.




Die Hyänenbrigade ist in etwa angelegt wie ein franchise und jeder reiche Landbesitzer, der seine eigene Miliz aufstellen will, kann das auch machen, solange sie einwilligt den Regeln der Brigade zu folgen und einen Anteil der Einnahmen ihrer Einheit an den General weitergibt. Historisch geschaffen, um das Territorium des Clans zu verteidigen, sind sie recht frei ihre eigenen Allianzen zu knüpfen und Schlachten für zahlende Kunden zu schlagen. Gewöhnlich werden die Offiziere aus dem Clan des Landbesitzers ausgewählt, während die Fußsoldaten von anderen Clans kommen, angezogen von den Möglichkeiten sozialen Aufstiegs, die eine andere Einheit bietet. Die Disziplin dieser Privatarmeen ist oft... schwach.


Die Einheit mit der sich meine Palastgardisten in die Haare bekommen hatten, war von "Ameraits Eigene", unten aus der Darkali Provinz, sie schuldeten Rackenroon die Gefolgschaft -- wären sie von einem anderen Herzogtum gewesen, wäre die Lage wesentlich ernster gewesen. Irgendwie hatten sie es geschafft, ihre Regimentsfahne vom Balkon von Madame Jades Haus wehen zu lassen. Ich schätze, es war eine Party Dekoration. Die MPs waren auf der Straße verteilt, duckten sich unter den gelegentlichen leeren Bierflaschen, die zusammen mit Beleidigungen und Flüchen aus den Fenstern geworfen wurden. Die MPs sahen mehr verärgert aus, als sonstwas -- aber dann, so sind sie halt.


Ich fand ihren Patrouillenführer, eine riesige Hyäne die aussah, als könnte sie einen Elefanten stemmen, in vollem Gefechtsgeraffel und stellte mich ihr vor. Sie betrachtete mich entlang ihrer langen, narbigen Nase.


"Sie sind der Vorgesetzte von diesen Idioten?" sagte sie langgezogen.


"Nur von einigen der Idioten", korrigierte ich sie. "Die mit den gelben Hemden und den roten Biesen gehören nicht zu mir."


Ihre Augen verengten sich. "Dann sind Sie genau der Mann, den wir brauchen. Scheint, daß IHRE Leute den Aufruhr verursacht haben. Sie haben versucht, sich in eine Party einzuschmuggeln, Madame Jade bat sie zu gehen und sie wurden laut und aufsässig und begannen einen Kampf mit den legitimen Kunden des Bordells."


Die Weise, auf die sie "Bordell" sagte, klang als würde sie etwas beschreiben, daß sie an der Sohe ihres Stiefels kleben fand nachdem sie durch einen Viehstall voll von sehr kranken Kühen gegangen war.


"Was wird ihnen vorgeworfen?" fragte ich sie.


"Wir wissen es nicht -- wir haben es noch nicht vollständig erfasst. Die Kurze Liste ist betrunken und ordnungswidrig, unerlaubtes Betreten, Eindringen auf Privatbesitz, Zerstörung von Eigentum, kämpfen mit einer anderen Einheit, Angriff auf einen Beamten der Militärpolizei -- " Sie pausierte für eine Kopfrechnung " -- insgesamt FÜNF Fälle von Angriff auf eine Beamtin der Militärpolizei -- "


"Fünf mal die gleiche oder fünf unterschiedliche Beamte?" fragte ich, mir einen vernichtenden Blick einfangend.


"Nur weil Sie zur Palastgarde abgestellt sind, bedeutet das nicht, daß Sie einen besonderen Status bei uns haben", erinnerte sie mich. "Sie und Ihre Jungs sind bis hierher in Schwierigkeiten -- " und sie hielt ihre Pfote etwa einen halben Meter über meinen Kopf " -- deshalb rate ich Ihnen, ihre Zunge im Zaum zu halten, ist das klar..." Sie schaute mit zusammengekniffenen Augen auf meine Schulterstücke und für einen Augenblick dachte ich, sie erschrecken zu sehen. "...Lieutenant?"


Ich senkte meinen Kopf. "Jawohl, Ma'am", erwiderte ich. Sie war schließlich ein Captain.


Sie wendete ihre Aufmerksamkeit dem Gebäude zu. "Wir haben vor, Rauchbomben zu werfen und das Gebäude zu stürmen", informierte sie mich durch ihre gebleckten Zähne.


"Aber was ist mit den -- Zivilisten?" fragte ich unbehaglich. Sie schnaubte.


"Wen kümmerts? Sie sind nur ein Haufen Streifie Huren. Es würde mir nichts ausmachen, den Ort persönlich niederzubrennen. Macht meine Arbeit einfacher."


Ich presste meine Kiefer zusammen um nicht irgendetwas unpassendes herauszuplatzen, für das ich im Gefängniswagen abtransportiert werden würde. Dies war weder die Zeit noch der Ort, um mit meinen liberalen Ideen hausieren zu gehen.


"Lassen Sie mich bitte mit ihnen reden, Captain", bat ich sie. "Vielleicht kann ich sie zur Aufgabe überreden."


"Das wäre großartig", stimmte sie zu. "Spart mir etwas Rauch. Zeug ist nicht billig. Gut, Lieutenant -- sie haben fünf Minuten. Dann gehen wir rein." Mit ärgerlichem Blick fügte sie hinzu, "Obwohl, persönlich hoffe ich, daß Sie Erfolg haben. Ich möchte in einem Ort wie dem nicht tot überm Geländer hängen, wenn es nicht sein muss!"


Mit dieser Äußerung drehte sie sich um und ging fort, ließ mich alleine zwischen dem SEK Team und dem Bordell stehen.


Mich zusammenreißend, näherte ich mich dem Gebäude und traf auf eine dröhnende Kakophonie von Spott. "Es wäre besser, wenn ihr betrunken seid!" warnte ich sie in der Hoffnung, daß das quieken in meiner Stimme nicht ganz so hörbar war, wie ich befürchtete. Nach dem johlen und heulen mit dem sie antworteten, war das der Fall.


"Wasswillzedenn machen?" forderte mich einer heraus -- mir waren ihre individuellen Stimmen noch nicht so vertraut, um den Verursacher identifizieren zu können. Ein Dutzend oder so grinsende Soldaten, Teile der Uniformen beider Einheiten tragend, hingen gemeinsam aus den Fenstern des oberen Stockwerks, Bierflaschen baumelten von ihren Fingerspitzen.


Meinem Magen ging es nicht so gut und ich konnte den Nieselregen sich sammeln fühlen in meinem Haar und Fell. Sie gaben allen Anschein von Trunkenheit aber etwas warnte mich, nicht dem Augenschein zu trauen; da war eine unbestimmte Bosheit in ihren zu lockeren Posen und dämlichen Gesichtsausdrücken, als daß sie tatsächliche Schnapsleichen sein konnten. Ich hatte den Eindruck daß, wenn ich nur ein paar Schritte nähergekommen wäre, von diesen Flaschen mit erstaunlicher Genauigkeit getroffen worden wäre. Brigadiers sind schließlich Meister der Kunst der Täuschung. Und Hyänen haben eine außergewöhnliche Alkoholtoleranz. Das hängt mit der Immunität gegen die meisten Gifte zusammen.


Ich holte tief Luft. Ich wußte, ich würde mich bei ihnen nicht einschmeicheln können, damit würde ich jeden Respekt, den ich bei ihnen hatte, verlieren. Auf der anderen Seite waren sie so an die brutale Zurschaustellung von Gewalt gewöhnt, daß sie mittlerweile Bomben-sicher waren. Drohungen würden mich nicht weiterbringen und ich hatte nicht die Stärke, sie physisch zu überwältigen. Ich konnte natürlich die MPs das Gebäude stürmen lassen, aber das würde zu unnötigem Blutvergießen führen und wahrscheinlich dem schleifen von Madame Jades Haus.


Da begriff ich, daß ich nicht versuchte, meine Männer vor einer schmählichen Niederlage von Händen der Militärpolizei zu bewahren, noch versuchte ich zu beweisen, daß ich ein kompetenter Anführer war. Nein. Ich versuchte einen wunderschönes Stück Architektur und seine Einrichtung vor sicherer Zerstörung zu bewahren.


Wow. Prioritäten. Danke, Mutter.


Meine Pfoten zu einem Megafon formend, rief ich zurück "Kommt schon, Leute -- ihr habt Euren Spaß gehabt. Lasst uns Madame Jade nicht beweisen, daß Blut und Knochen nur ein Haufen Rüpel sind, eh?"


Ich pausierte, damit sie zurückjohlen konnten. Es stimmt, was andere Leute sagen -- das Gelächter von Hyänen ist enervierend.


"Wenn ihr wollt, daß sie Euch wieder hereinlässt, dann reißt Ihr Euch besser zusammen und kommt nach draußen", riet ich ihnen.


Wir sind schon hier drin und es geht uns echt gut, danke vielmals", kam die Antwort -- von Sgt. Hyp, wenigstens sein Organ war unverkennbar.


"Zwei Minuten, Lieutenant!" rief der Captain mir zu von Hinter den Linien. Ich sah nicht zu ihr hin, meine Aufmerksamkeit war auf das Gebäude fixiert. Meine Handflächen schwitzten.


Ich wußte, ich wurde getestet. Der einzige Verrat meines inneren Aufruhrs war ein leichtes ballen meiner rechten Faust. Im Inneren schäumte ich vor Wut, aber ich wußte, wenn ich irgendetwas davon herausließ, daß sie dann für immer wüßten, wo sie mich treffen konnten.


Ich holte tief Luft und versuchte meinen Kurs zu wechseln. "Wollt Ihr das wirklich für immer in Eurer Akte stehen haben?" fragte ich sie. "Eure Chancen, gut zu heiraten sind gestorben, wenn das bekannt wird, wißt Ihr. Keine Hyäne würde einen Ehemann nehmen, der für eine Schlägerei in einem Bordell verhaftet worden ist. Wollt ihr wirklich für den Rest Eures Lebens Kunden in Hurenhäusern sein?"


"Mach es nicht schlecht, bevor Du es probiert hast!" rief jemand zurück.


Jemand anderes brüllte, "Och -- sie wollen uns sowieso nicht! Und wir wollen SIE nicht! Sex mit einer Hyäne ist wie Sex mit einem Mann im Fummel!"


Dann begannen sie mit einem derben Chor von "Er ist ein Brigadier, und es geht ihm gut."


Plötzlich wurde die Haustür aufgestoßen und Madame Jade höchstselbst stand eingerahmt von einem Rechteck aus Licht, das aus ihrem Salon herausflutete. "Also schön, Jungs -- DAS REICHT JETZT!" rief sie in einem Ton, der keinen Ungehorsam zuließ und das Lied verebbte mit einem Missklang.


Sie kam die Treppe hinab und schritt hinaus zu mir, ihre farbenfrohen Schleier flatterten um sie wie Wimpel. Mir wurde das klappern von zahlreichen Waffen hinter mir bewußt, die entsichert wurden. Jade bedachte den Captain mit einem Lächeln auf ihrem Gesicht, als sie ihre Pfoten um meinen Arm legte. "Ich möchte mich für all diesen Unsinn entschuldigen, Chef -- es ist ein Streich der Mannschaft des Lieutenants, der etwas aus dem Ruder lief!"


"Streich?" sagten der Captain und ich gleichzeitig. Madame Jade war die Einzige, die lachte.


"Ja -- es war der einzige Weg, wie sie den Lieutenant dazu bringen konnten, hierher zu seiner Überraschungs-Geburtstagsparty zu kommen!" flötete sie.


"Mein Geburtstag ist im September," stieß ich hervor und sie presste meinen Arm.


"Das macht es zu einer Überraschung!" schalt sie mich jovial. Log mir ins Gesicht.


Sie zog an meinem Arm und trotz des grinsens auf ihrem Gesicht, war da das starke Gefühl von Dringlichkeit in ihrer Gestik, das mich warnte, es wäre das Beste, wenn ich mitspielte. "Kommen Sie schon, Lieutenant Krüger -- ich denke, wen auch immer sie in den Kuchen gesteckt haben, würde jetzt wirklich allmählich herausspringen wollen..." Wir gingen Richtung Gebäude unter den verwirrten Augen von einigen Dutzend angespannten Hyänen.


"Moment mal", bellte der Captain nach vorne schreitend. Madame Jade beehrte sie mit einem geduldigen Blick. "Sie können uns nicht einfach so fortschicken -- ! Beschwerden wurden geäußert und wir brauchen JEMAND, den wir einbuchten können!"


"Nun, ich lasse die Beschwerden fallen!" sagte Jade zu ihr mit glückseligem Strahlen.


"Das können Sie nicht machen!" bestand der Captain, jede Silbe betonend. Sie blätterte in ihrem Notizbuch. "Stören des Friedens, Schlägerei, Trunkenheit, Sperrstunde nicht eingehalten, Zerstörung öffentlichen Eigentums -- "


"Captain -- sie sind Brigadiers! Es gehört alles zum Spiel!" versicherte Jade ihr und tätschelte ihren Arm. "Warum kommen Sie nicht mit hinein und leisten uns Gesellschaft bei einigen Erfrischungen -- ?"


Der Captain wich zurück, wie ein Vampir vor einem Strahl Sonnenlicht. Sie sah auf ihren Arm, als würde sie zu sehen erwarten, wie Schleim und Korruption daraus hervorquellen würden. Sie schien leicht enttäuscht zu sein, als nichts dergleichen passierte.


"Also gut -- wir... ziehen uns zurück", grollte der Captain. "Sie können die Jungs selbst rauswerfen. Ich muss mir die Hände waschen."


Sie warf mir einen letzten, angeekelten Blick zu, wie ich da stand, mit Madame Jades Armen um meinen geschlungen. "Und Sie nennen sich selbst einen Offizier!" höhnte der Captain, machte kehrt und rief ihren Truppen zu wegzutreten. Sicherungen wurden aktiviert mit enttäuschtem Murmeln von "Ooch, Ma-a-an! Nie haben wir ein bisschen Spaß!"


Jade legte ihren Kopf auf eine Seite in einem leicht mokanten Bogen, eskortierte mich dann über die Straße und die Stufen hoch zu ihrem Etablissement. Ich hing etwas zurück, teilweise aus Verwirrung und teilweise aus dem Verlangen all den Zuschauern zu zeigen, daß ich nicht freiwillig in ein Bordell ging mit den berüchtigsten Prostituierten von Kiyanti. Madame Jade schien es nicht zu bemerken, lächelte freundlich in alle Richtungen.


Sobald die Tür hinter uns geschlossen war jedoch, wechselte ihr Verhalten so drastisch, daß ich mich veranlasst sah, mit einem Ausruf der Überraschung zur Seite zu springen. Bedrohlich, wie eine Gewitterwolke, setzte sie ihre Knöchel auf ihre ausladenden Hüften und schnauzte, "Das wars, ihr Schwachköpfe! Das Spiel ist aus! Mein Zeugs zertrümmern, meine Mädchen beleidigen -- okay! Aber ich werde nicht dabei zusehen, wie ihr den Lieutenant in Eure schäbigen Streiche hineinzieht.


Sie stach mit einem juwelenbesetzten Finger in meine Richtung, wobei meine versammelte Kompanie dumm blinzelte. "Dieser Mann hat Eure Schulden bei mir bezahlt -- ! KOMPLETT. Von seinem privaten Konto! Ihr solltet Euch überschlagen, um ihm zu danken, nicht versuchen, ihn bei der MP in Schwierigkeiten zu bringen!"


Sie warf einen vernichtenden Blick durch den Raum, auf die Soldaten, die zurückzuckten, ihre Köpfe zwischen ihre Schultern senkten und die Schwänze einzogen. "Dieser Mann ist der feinste Mann in der ganzen verdammten Stadt -- wenn nicht im ganzen verdammten Land!" brüllte sie ihnen entgegen. "Ihr solltet stolz sein -- Ihr solltet DANKBAR sein -- ihn als Euren vorgesetzten Offizier zu haben! Jeder andere hätte Euch ausgeweidet und den Fischen zum Fraß vorgeworfen -- mag Captain Kurajis mit Euch machen, was sie will -- aber was hat er damit zu tun, eh? Er hat seine Reputation riskiert, um Eure armseligen Hintern vor dem Bau zu retten, das hat er getan! Und das nachdem ihr dreckigen Söhne von Schlampen dieses ganze Bohei ausgeheckt habt, nur um ihn öffentlich in Verlegenheit zu bringen!"


An dem Punkt waren die meisten Brigadiers kleine Matschklumpen der Scham, die vor ihren Füßen krochen. Ich muss gestehen, ich war ziemlich zwiegespalten -- auf der einen Seite, war ich geschockt zu erfahren, daß sie absichtlich versucht hatten, mich zu erniedrigen, und zum anderen war ich beschämt, daß eine Streifie Crocutan Brigadiers zusammenfaltete und daß sie vor ihr ganz klein wurden, genauso wie sie es vor einer Crocutan tun würden.



"Ihr solltet seine Füße lecken", fuhr Jade fort und stach mit ihrem Finger nach mir. "ihr solltet seinen Arsch küssen -- ihr solltet ihm einen blasen -- "


Ich konnte nicht umhin zu bemerken, daß sie einige der teureren Angebote von ihrer a la carte Tafel auflistete.


"Und jetzt zieht Euch an und verschwindet aus meinem Haus, Teufel noch mal!" schnauzte sie, "und DENKT nicht mal daran hierher zurückzukommen, ohne eine unterzeichnete Erlaubnis vom guten Lieutenant hier!"


Ich sah zu, wie meine Soldaten sich dabei überschlugen, bei dem Versuch ihrem Befehl nachzukommen. Ich wünschte, ich könnte sie dazu bringen mir so schnell zu gehorchen, aber ich bezweifelte, daß ich je das richtige Format dafür haben würde. Ich füllte zum Beispiel ein Nachthemd nicht so gut aus wie Madame Jade.


"Was ist mit uns?" fragte der Sergeant von Ameraits Eigene, der seine Winkel trug, aber ansonsten nicht viel. Jade sah ihn von oben bis unten an mit einem finsteren abschätzigen Blick. Sie schnaubte. Er zuckte zusammen.


"Ihr Jungs auch. Ich habe Kopfschmerzen und wenn ich Kopfschmerzen bekomme, dann alle meine Mädchen ebenfalls. Verschwindet. Und denkt nicht mal daran, nach Eurer Kaution zu fragen! Es kostet mich doppelt so viel, nur um diese Schweinerei aufzuräumen, die ihr gemacht habt!"




Als ich meinen Männern nach draußen folgte, zupfte mich Madame Jade am Ärmel. Ich drehte mich zu ihr um. Da war eine Offenheit in ihren Augen, die ich zuvor nicht gesehen hatte. "Ich möchte Ihnen danken, für das, was Sie versucht haben zu tun -- mein Haus zu schützen", sagte sie ruhig. "Nicht viele Pünktchen würden ihre kostbare Reputation in die Bresche werfen -- für jemanden wie mich."


Ich zuckte die Schultern. "Es war meine Pflicht, Madame, meine Männern gegenüber und den Zivilisten, die ich geschworen habe zu schützen."


"Ja, aber... Sie mussten nicht einschreiten -- " legte sie nach. "Sie hätten einfach die MP die Angelegenheit regeln lassen können."


"Nun, man sagt hier, SEK (schiess einfach kaputt). Crocutans können schießwütig werden. Deshalb erlauben wir ihnen gewöhnlich nicht, Waffen zu tragen."


*SEK (schieß einfach kaputt) ist mein eigener Einfall. Im englischen steht da SWAT (shoot without a thought - schießen ohne zu denken ~in etwa)


"Und doch haben Sie ihnen den Rücken zugewandt", gab Jade zu bedenken.


Daran hatte ich nicht gedacht. Captain Kurajis hätte eine Salve befehlen können, mich töten, und als "Kollateralschaden" in ihrem Bericht vermerken.


Ich holte tief Luft. "Madame... es wäre eine Schande gewesen, sie etwas so großartiges und schönes zerstören zu lassen.


"Meinen Sie mein Haus -- oder mich?" fragte Madame Jade und hob eine Augenbraue.


"Ich denke, das ist ein und dasselbe", erwiderte ich diplomatisch.


"Sie sind ein sehr seltsamer Mann, Lieutenant Krüger", entschied Madame Jade, ihr Kinn auf ihre Fingerspitzen stützend.


"Sie wären nicht die erste Person, die das zu mir sagt", versicherte ich ihr. Sie lächelte.


"Mein Angebot steht noch immer", informierte sie mich.


"Und meine Entgegnung hat sich nicht geändert", versicherte ich. Ich machte eine Pause. "Aber... falls ich jemals Ihre Hilfe benötigen sollte..."


"Sie wissen, wo Sie mich finden können", nickte sie, mit einem Zwinkern.




Ich stieß zu meiner Truppe, die mich alle mit einem Ausdruck begutachteten der gefangen war zwischen Bewunderung und Abscheu. Vielleicht war es auch nur Neid, es war ziemlich dunkel, schwer zu sagen. "Formiert Euch und Vorwärts", befahl ich mit einem schroffen Ton und sie begannen zurück zur Kaserne zu trotten. Die Stille war zum greifen.


In einer Stille wie dieser beginnst Du an Dinge zu denken, und die Dinge, die ich dachte, mussten aus meinem Kopf heraus. "Sag mir eins, Hyp", sagte ich schließlich mit laut klingender Stimme in der Dunkelheit, "was ist da so wichtig mit Euch Jungs und dem... dem..."


"Hurenhaus", half Hyp. Ich nickte. "Ja, äh, DAMIT."


Er hob seine Schnauze um den schweren, wolkenverhangenen Himmel zu begutachten. "Nun Sir, nicht was Sie denken. Es geht nicht um Sex. Die meisten von uns kommen sehr gut selbst damit klar." Er wackelte mit seinen Fingern. "Kostet auch viel weniger. Nein. Es geht nicht um Sex. Es ist die Kameradschaft."


Ich zwinkerte. "Kameradschaft?"


"Sicher. Es geht nur darum, daß Frauen... sich um Dich kümmern. Dich streicheln. Dir sagen, Du wärst ein GUTER JUNGE. Hyänenmänner verzehren sich nach dieser Art Dinge. Sie können zu Jade gehen, ihre Ausrüstung ablegen und entspannen und sich keine Sorgen darum machen, angeschrien zu werden dafür, daß sie atmen."


Er winkte mir mit einer Pfote zu.


Ein Typ wie Sie, Sie haben alles -- reich, gutaussehend, hochgeboren, ein Offizier -- wahrscheinlich treten Frauen Ihnen die Tür ein. Aber Sie sagten es dort hinten -- die meisten dieser Jungs haben keine Chance jemals eine Ehefrau abzubekommen -- sie kommen entweder aus zu niedriger Kaste, oder sie sterben im Kampf. Die Mädchen in Jades Haus sind so nahe dran, wie es ihnen möglich ist."


Ich beobachtete wie sich das Pflaster unter meinen Füßen fortbewegte. "Das ist... das ist so traurig", murmelte ich nach einer Weile.


"Yep. Und das nehmen Sie ihnen", seufzte Hyp mit mehr als einer Spur Sarkasmus.


Wir gingen den Rest des Weges in Schweigen, außer dem stöhnen einiger der Männer, die ein bisschen zu viel Spaß abbekommen hatten an dem Abend und begannen, es zu spüren. Als wir die Barracken erreichten, sagte ich zu Hyp (da Sgt. Schlachtmaschine getragen werden musste, bewußtlos) "Lassen Sie die Männer um 8Uhr morgens zur Inspektion antreten, wie gewohnt -- "


Es gab einen Aufschrei der Entrüstung, der sofort zu mürrischen Blicken der Truppe verstummte. Wenigstens begannen sie meinen Status zu respektieren.


"-- Das ist alles. Gute Nacht, Männer."


Ich grübelte über das nach, was Hyp mir gesagt hatte, als ich zu meinem Quartier zurückkehrte. Kameradschaft. So ein einfaches Konzept. Eines mit dem ich gänzlich unvertraut war, natürlich -- aber Hyp konnte das nicht wissen, nicht wissen, wie ich aufgewachsen war, alleine, nicht wissen, daß mein Leben vom Schicksal bestimmt war, so daß mir jede Art von natürlichem Glück in dieser Welt versagt bleiben würde; ja, die Männer taten mir leid, auf der untersten Sprosse der Leiter zu sein, aber wenigstens konnten sie sich ihr Vergnügen suchen, wie sie es wünschten.


War ich wirklich so verschieden von ihnen? Wie viele von ihnen hatten Mütter, die sie liebten? Und wenn sie sie hatten, warum würden sie sich dann zur Brigade melden?


Am nächsten Morgen, die Männer waren angetreten und standen in Habacht, trotz ihrer Schrammen und des Katers. Ich ging die Reihe entlang, inspizierte sie und hatte entschieden, ihnen alle Regelwidrigkeiten durchgehen zu lassen -- aber ich fand keine. Selbst Schlachtmaschine stand im Habacht, obwohl er mit seinem Schädel eine Stuhl eingefangen hatte in der vergangenen Nacht.


Als ich die Inspektion beendet hatte, befahl ich ihnen sich zu rühren, in das sie so dankbar reinrutschten obwohl sie alle gemeinsam den Atem anhielten. Einige von ihnen lehnten sich an ihre Nachbarn und ein Typ drehte sich um und übergab sich. Ich rollte mit den Augen.


"Nun gut, Jungs, hört zu." ich verhakte meine Pfoten hinter meinem Rücken und streckte mich zu meiner vollen, wenn auch wenig eindrucksvollen Länge. "Was letzte Nacht vorgefallen ist, wird sich NICHT wiederholen. Ich weiß, was Ihr vorsucht habt zu tun und es hätte beinahe eine Menge Leute in unnötige Schwierigkeiten gebracht. Ich weiß auch, daß dieser Kampf des Willens nicht aufhört, weil ich Euch befehle es sein zu lassen. Ich weiß, daß Ihr viel zu dickschädelig dazu seid. Ich habe darüber nachgedacht und ich schlage Euch ein neues Spiel vor."


Ich zog einen schmalen Streifen Papier aus der Innentasche meines Uniformhemdes und hielt ihn hoch, so daß sie ihn sehen konnten. "Ich habe hier einen Gutschein, in meiner Hand, unterschrieben von mir, der dem Träger erlaubt Madame Jades Etablissement zu besuchen. Es ist mein persönlicher Gutschein für euer Benehmen. Sie wird Euch nicht mehr einlassen, ohne Gutschein, nachdem, was ihr mit ihrem Haus letzte Nacht angestellt habt. Am Ende dieser Woche, werde ich ihn dem Mann geben, von dem ich denke, daß er die größten Fortschritte gemacht hat in Einstellung, Benehmen, Arbeitsmoral und generellem Charakter. Was er dann damit tut -- ist seine Sache."


In dem Augenblick hatte ich den bestimmten Eindruck wie sich ein Gnu fühlen muss, das von einem Rudel hungriger Hyänen umzingelt war, so wie sie mich ansahen -- oder eher das Papier in meiner Hand.


"Denkt daran -- ich bin derjenige, der Euch beurteilt", sagte ich ihnen, als ich das Papier zurück in meine Tasche steckte, "und ich habe ziemlich hohe Ansprüche. Wegtreten."


Sie überschlugen sich dabei und als sie davoneilten, bemerkte ich wie sie ihre Uniformen glattstrichen und darüber stritten, wer die Kaserne putzen würde.


Das könnte besser klappen, als ich dachte...




Ich kehrte zu meinem Büro zurück in dem Gefühl daß vielleicht die Ordnung wiederhergestellt worden war in unserer kleinen Welt und die neue Trophäe dazu dienen würde, sie abzulenken und vielleicht sogar dafür sorgen könnte, ihr Benehmen zu verbessern. Ich begann, die heutigen Arbeitspapiere durchzublättern, als mein Bursche mit einem großen Umschlag erschien, den er auf meinen Tisch fallen ließ, mit einem knappen "Dies kam gerade für Sie, Sir."


Da war keine Briefmarke und die Anschrift war getippt, also öffnete ich ihn voller Neugier, die sich rasch in Verlegenheit verwandelte. Darin war ein Foto -- DAS Foto -- frisch gedruckt und mit der Aufschrift "Für Lieutenant Krüger, Mit Liebem Gruss, Madame Jade."


Hastig schloß ich die Klappe des Umschlags und schob ihn in die unterste Schublade meines Tisches, dabei etwas ungelenk fummelnd. Ich bemerkte, wie der Bursche mit Wissbegier, nein nackter Neugier zuschaute und mir wurde klar, daß ich das Bild an einem viel sichereren Ort verwahren musste.


Und so ist, wie Du siehst, mein Besitz dieses Fotos eine ganz unschuldige Sache und ich bekam auch sonst nichts von dieser Episode außer vielleicht den Respekt meiner Männer, dafür für sie eingestanden zu sein. Nach diesem Vorfall waren sie viel weniger geneigt mir zu grämen oder ihren Dienst zu schwänzen, und tatsächlich wuchs ihre Bewunderung für mich, bis sie mir ziemlich treu ergeben waren -- auf ihre eigenwillige Weise. Sie ziehen mich immer noch gerne auf, würden das aber niemandem sonst durchgehen lassen.


Oh -- da ist noch etwas daraus gekommen. Meine Eltern fanden heraus, was ich getan hatte, als der Scheck bei der Bank eintraf und so erhielt ich eine ernste Predigt und eine Brille, die sich verdunkelt, wenn ich eine nackte Frau sehe und meine Schnauze tasert wenn meine biometrischen Signale ungewöhnlich werden.


Und die Leute fragen sich, warum ich immer so todernst bin.


So, das ist der komplett unschuldige Grund, warum ich -- das ist der irgendwie unschuldige Grund, warum ich -- das ist meine Geschichte und ich bleibe dabei






Copyright durch Kathryn Garrison Kellogg.

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