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Freds Tagebuch #1

Eintrag #1 Mein Tagebuch, von Frederick Usiku Krüger




"Während ich meine Tage damit verbringen muss, meine Gefühle mit Füssen zu treten, denke ich, daß ich einen Platz benötige, an dem ich mein ganzes Herz ausschütten kann... und deshalb beginne ich dieses Tagebuch, um mir selbst ein Ventil zu geben, einen Notauslass wenn man so will, sonst werde ich noch verrückt über all der Anstrengung mit der ich meine wahren Gefühle unterdrücke..."



"Mein Name ist Frederick Krüger. Ich bin eine Tüpfelhyäne. Nach dem Brauch meiner Art, wurde mir ein afrikanischer Name gegeben, Yeye Ambaye Mpasuo Kooni Katika Usiku, was bedeutet "Er, der Kehlen in der Nacht aufschlitzt." Ich ziehe bei weitem meinen westlichen Namen vor, da er "friedlicher Herrscher" bedeutet und nach einem bewunderten König ferner Vergangenheit gegeben wurde, Friedrich der Große von Preußen. Aber meine Mutter besteht darauf, mich "Usiku" zu nennen. Mein Vater bleibt bei meinem Kindheitsspitznamen "Frittie.""


Ich wurde zu früh geboren, als meine Zwillingsschwester in der Gebärmutter starb und meine Mutter zu einem Kaiserschnitt gezwungen war, um unser beider Leben zu retten. Die Ärzte in diesem Teil der Welt sind nicht sehr gut und meine Mutter wurde unfruchtbar, weil die Ärzte wegen starker Blutung gezwungen waren, ihre Gebärmutter zu entfernen. Meine Schwester war ungewöhnlich groß, so sagte man mir, und hat mir die Nährstoffe geraubt, was in meiner kleinen Größe resultierte. Tatsächlich dachten die Ärzte, dass beide Welpen tot wären, bis eine der Schwestern mich niesen hörte und dann machten sie jede mögliche Anstrengung, mich zu retten. Hätten sie gewusst, dass ich männlich war, hätten sie vielleicht nicht so viel Aufwand betrieben mein Leben zu retten... mein Glück war, dass es beinahe unmöglich ist, das bei neugeborenen Tüpfelhyänen zu erkennen.


Ich war ein kränkliches Kind, aber irgendwie, gegen alle Erwartungen, überlebte ich. Meine Mutter, untröstlich wegen dem, was ihr angetan worden war, musste sich damit abfinden einen männlichen Erben zu haben. Sie selbst ist Herrscherin eines reichen Clans und in unserer Kultur wird Eigentum an die jüngste Tochter weitergegeben, während die Söhne vollständig übergangen werden -- es sei denn, es gibt nur Söhne; und wenn eine männliche Hyäne heiratet, wird sein Eigentum zum Besitz seiner Ehefrau. Meine Mutter wünschte nicht, dass das geschehen sollte und so konstruierte sie einen Weg, der garantieren sollte, dass unser Stammsitz, Kruger Park, unter Kruger Kontrolle verbleiben würde. Sie machte einen Vertrag mit einer der Fürstinnen von Maramasai, mich mit der Erbin der Fürstin zu verheiraten, unter der Bedingung, daß Kruger Park das Erbe einer meiner Töchter würde, während die jüngste Tochter selbst Fürstin werden würde.


Meine Mutter wurde zu einer nüchternen Geschäftsfrau erzogen und sie sah mich als Investition in die Zukunft. Ohne eine Tochter, arrangierte sie für mich ein Training um die perfekte Partie für eine königliche Fürstin zu sein -- eine Mischung aus Butler, politischem Ratgeber, Vertrautem, Leibwächter, Hausmeister und... nun, ich komme nicht drum herum, oder? -- Zuchthengst. Von mir wird erwartet, mindestens zwei Töchter zu zeugen, drei um sicher zu gehen. Und von mir wird erwartet, zufrieden im Schatten zu stehen und jeder Laune meiner eventuellen Ehefrau zu gehorchen.


Ich fürchte, ich bin nicht in der Lage, das zu tun. Dadurch, dass ich westlichen Gedanken und Ideen ausgesetzt war, während meiner Erziehung in England, finde ich es schwierig, wenn nicht unmöglich, viele der "Traditionen" meiner Art hier in Afrika zu tolerieren. Meine eigene Familie, die Krügers, sind sehr fortschrittlich und progressiv, da sie Nachkommen von eher beherrschten, wissenschaftszugewandten Hyänen sind, die aus der Maramasai auswanderten und eine Kolonie über einem Goldlager gründeten, von woher ihr Vermögen kam -- aber selbst die Krugers können sehr engstirnig sein. Meine Mutter wünscht, dass ich in die Königsfamilie heirate, so daß ihre Nachfolgerin königliches Blut in ihren Adern hat und auf die Krügers nicht länger herabgesehen wird als Gemeine und Exzentriker.


Und pragmatischer, als männliche Hyäne muss ich meiner Mutter gehorchen. Anders zu handeln würde in meinem sozialen, wenn nicht meinem tatsächlichen Tod enden. Unser Familienvermögen ist immens und der einzige Weg, darauf Zugriff zu bekommen ist, den Anordnungen meiner Mutter zu gehorchen. Denn sie IST die Herrscherin unseres Clans.


Ausser damit, die Richtung meiner Erziehung zu bestimmen, hatten meine Eltern wenig mit mir zu tun. Mein Vater hat mehrere Firmen, die er leitet und war selten zu Hause -- ich denke, daß er Afrika verabscheut und es vorzieht, in Europa oder Amerika zu sein. Meine Mutter nimmt es mir übel, denke ich, dass ich lebte und meine Schwester starb. Sie hat mich mit der besten Qualität von allem versorgt, aber ich kann mich nicht daran erinnern, dass sie mir jemals auf die Schulter geklopft hätte, geschweige denn, mich zu umarmen. Tüpfelhyänen sind nicht dafür bekannt, sehr warmherzig zu sein aber meine Mutter ist es nur zum Schein.


Während ich aufwuchs, haben meine Eltern jedoch mehrere Firmen auf meinem Namen laufen lassen oder machten Investitionen in meinem Namen, so daß ich, wenn ich erwachsen wäre, ein ansehnliches Vermögen mein Eigen nennen könnte. Ich benötigte natürlich immer noch das OK meiner Mutter, bevor ich etwas von dem Geld nutzen konnte, aber da sie selbst bekannt war für Großeinkäufe von dem, was man "Spielzeug" nennen könnte -- DU SOLLTEST UNSER HAUS SEHEN -- musste ich mich nicht der Erniedrigung des bettelns unterwerfen. Obgleich, wenn ich einen guten Grund nennen konnte, wenn ich etwas wollte, war es wahrscheinlicher, daß sie mein Gesuch bewilligte, zum Beispiel, als ich wünschte ein seltenes Oldtimer Designer Challenge Lotus Elise Superauto zu kaufen, während ich auf der Universität war. Die Straßen in Afrika sind kaum geeignet für so ein Gefährt, aber in Britannien gibt es viele Rennstrecken auf denen man es ausfahren kann und ich sagte ihr, daß ein solches Fahrzeug erfolgreich zu bedienen, ein hervorragendes Training für meinen Geist, Körper und Nerven wäre. Ich wollte jede Nuance im Handling des Autos lernen, so sagte ich ihr, und es meistern.


Ich bekam das Auto."


Mit dem Abschluss von der Universität, einem Diplom in Buchführung, wurde ich zum Dienst an den Hof der Fürstin von Rackenroon geschickt, dessen Erbin ich versprochen wurde, seit ich fünf Jahre alt war. Ich sah meiner Entsendung nach Rackenroon mit Widerstreben und Beklemmung entgegen, weil die Geschichten, die mir über den Ort und seine Herrscher zu Ohren gekommen waren, das Blut in den Adern gefrieren liessen. Die Fürstin ist sehr alt, in ihren 80gern mindestens und es heißt, daß sie nach der Geburt ihres dritten Sohnes so außer sich geriet, daß sie ihren Ehemann tötete indem sie ihn ausweidete, weil er dabei versagt hatte, ihr die Tochter zu geben, die sie unbedingt benötigte. Die Situation wurde später noch schlimmer, weil zwei der drei Söhne ohne Nachkommen starben und der dritte Sohn, Regulus, von zu Hause fortlief und, so wurde berichtet, von einem Gangster namens Pockets McLaren getötet worden war. Das liess die Fürstin ohne Erben zurück und so würden die Kinder ihrer Schwestern -- die sie hasst -- die Gelegenheit bekommen, ihre Länder zu erben. Und nachdem die Fürstin die Töchter ihrer Schwestern überlebte, kamen ihre Enkelinnen... und dann ihre Urenkelinnen... in Betracht."


Hyänen sind eine kriegerische Rasse, also war es nicht nur so, daß die Fürstin ihre potentiellen Erben überlebte, sondern viele von ihnen wurden getötet, während sie in den zahlreichen Kriegen kämpften, an denen die Hyänen teilnahmen. Die gegenwärtigen zwei Sprösslinge der Häuser von Olnajine und Olgalili sind etwas jünger als ich selbst und dienen in der Hyänen Brigade als Captains. Ich habe noch keine von ihnen getroffen aber ich habe gehört, daß sie sehr gute Brigadiers sind. Mit anderen Worten, begeisterte, blutrünstige Krieger. Die Fürstin wird sie in ihre Hauptstadt Kiyanti einladen, um sie kennen zu lernen, da sie eine von ihnen als ihre Erbin aussuchen muss. Falls sie keine Erbin auswählt, gibt es eine reale Möglichkeit, daß die Maramasai in einen Bürgerkrieg stürzt, wenn die gegnerischen Parteien (von denen es viele gibt) versuchen, die Macht über Rackenroon an sich zu reißen. "


Rackenroon selbst ist ein bizarrer Ort. Es ist die ökologisch vielfältigste der vier Fürstentümer, die die Maramasai bilden (Ngorongoro, Serengeti und Amboseli sind die anderen), aber die Fürstin hat ihre Resourcen schlecht verwaltet, um es unverblümt zu sagen, und um flüssig zu bleiben, hat sie einige sehr grosse Kredite bei meiner Familie aufgenommen, ohne in der Lage zu sein, sie jemals zurückzahlen zu können. Das ist offenkundig der Grund, warum meine Mutter in der Lage war, diesen Vertrag mit der Fürstin zu schliessen, der mich als vesprochenen Ehemann installiert. Bis dahin habe ich die Funktion des Rechnungsprüfers der Fürstin, um ihr finanzielles Haus in Ordnung zu bringen und falls möglich, aus Rackenroon ein profitables investment zu machen. Das ist eine große Verantwortung in den Händen eines zwanzigjährigen mit frischem Collegeabschluß, aber ich werde mit der Herausforderung wachsen. Schließlich habe ich die große Verantwortung die Pläne meiner Mutter zu erfüllen.


Das zu tun jedoch wird so schwierig sein, wie einer Henne ihre Zähne zu ziehen und ihr dann ein Gebiß zu verkaufen. Die Bücher sind eine Katastrophe, falls sie überhaupt existieren und niemand hier scheint auch nur das kleinste bisschen daran interessiert zu sein, das in Ordnung zu bringen, weil, wenn sie das tun, würde sie das wahrscheinlich bloßstellen wegen Missmanagement, Fehlverhalten, Unterschlagung, Bestechung und allgemeiner Korruption. Inkompetenz ist eine gute Pauschalisierung -- dieser Ort ist ein pestverseuchtes Höllenloch betrieben von inkompetenten Idioten."


"Dieser Ort ist in grösseren Schwierigkeiten, als Mutti sich je vorstellen konnte..."


"Viele Leute haben eine Schachtel, in der sie ihre Rechnungen aufbewahren. Die Fürstin hat ein ZIMMER."


"Die Fürstin denkt, ein hedge fund ist Geld, das beiseite gelegt wurde, um den Buchsbaum zu trimmen."


"Ich habe geübt, ein ernstes Gesicht zu bewahren. Die neue Brille hilft enorm, da die Linsen meine Augen verbergen. Ich darf nicht vergessen, mich bei Vater dafür zu bedanken und für den Vorteil, den sie mir geben. Ich darf mir selbst nicht erlauben den leisesten Hauch von Emotionen zu zeigen, sonst werden meine Feinde sich das zunutze machen und in ihren Vorteil verwandeln. Zu diesem Zweck bin ich regelmässig zu den Kasernen runtergegangen, um Poker mit einigen von den Unteroffizieren zu spielen."


Ich fühle oft, daß es nicht viel brauchen würde, um mich durchdrehen zu lassen und in einen blinden Blutrausch zu versetzen -- so nervtötend ist meine Arbeit hier. Ich bin umgeben von fröhlichen Schwachköpfen, die anscheinend ernsthaft glauben, dass Heinzelmännchen sich um Sachen kümmern, wie Rechnungen zahlen und Verträge und so weiter. Nun, ich schätze, sie haben recht -- und der Name des überarbeiteten Heinzelmännchens ist Usiku Krüger..."


"Ich wurde zum Lieutenant der Hyänen Brigade ernannt. Das ist eine große Ehre, weil Männer traditionell von den Offiziersrängen ausgeschlossen sind. Aber wegen meines sozialen Standes ist es notwendig, daß ich Offizier bin, um mich gegenüber dem Personal der Fürstin behaupten zu können. Zugegeben, das ist der niedrigste Offiziersrang, aber die Tatsache, daß ich als Hyänenmann ihn halte -- nun, könnte man es als ziemliche Leistung betrachten, wenn nicht die Brigadiers hinter ihren Pfoten tuscheln würden, daß das Geld meiner Mutter mir die Ernennung gekauft hätte.


Freiwillig wäre ich der Brigade nicht beigetreten. Sie existiert, um Mittel- und Unterklasse Hyänen einen Weg zu geben in den Rängen unserer Gesellschaft aufzusteigen. Als Sohn und Erbe einer Clanchefin hatte ich bereits den sozialen Stand eines Prinzen. Viele Hyänenmänner träumen davon, der Brigade beizutreten; ich träumte davon, ein gefeierter Chefkoch zu werden, oder ein Schriftsteller, oder ein Universitätsprofessor.


Ich habe die Offiziers Ausbildungsschule durchgemacht, während ich im College war, die dem Brigadequartier in Marrowbone vor den Toren Londons als "boot camp" untergeordnet war und es erging mir schlecht dort. Ich will heute nicht mehr daran denken. Sie ließen mich dort doppelt so hart arbeiten, wie die anderen Hyänen Kadetten und ich war das Ziel vieler Misshandlungen. Aber das waren wir eigentlich alle, wirklich. Die Bedingungen waren absichtlich so hart, dass die Kadetten oft Essen stehlen mussten, um zu überleben. Wenn sie ertappt wurden, wurden sie bestraft -- nicht für das stehlen, sondern dafür, erwischt worden zu sein. So wurde der Ehrenkodex der Hyänen an eine weitere Generation weitergegeben...


Aber ich habe es geschafft, in Ehren -- woran sie beinahe erstickten, bei der Verkündung -- und ich muss zugeben, daß mir gefällt, wie ich in meinem scharlachroten Rock aussehe. Ich habe Goldknöpfe und Goldränder am Kragen, sowie Goldlitzen auf den Epauletten, die mich als Lieutenant ausweisen. Ich werde meine neue Uniform bei dem Empfang der beiden Ururnichten der Fürstin tragen..."



"ich zweifle daran, dass ich jemals die Liebe kennenlerne. Obwohl ich versprochen bin, nachdem ich die beiden Kanditatinnen getroffen habe, füchte ich, dass mein Leben schon in der Hochzeitsnacht verwirkt ist. Sie sind vulgäre, grobe, bösartige Bestien, tückisch, bösartig, verdorben und herrisch -- mit kurzen Worten, ideale königliche Hyänen. Sie haben nicht einmal persönliche Schönheit, die für sie sprechen könnte. Sie interessiert nichts als Kriegsführung -- das tatsächliche schlagen und kämpfen, wohlgemerkt, nicht der taktische Aspekt, für den ein Mindestmaß an Hirn erforderlich ist.


Vielleicht ist es ein glücklicher Umstand, daß die Fürstin sich aus keiner von beiden etwas macht, obwohl sie ihre Ururnichten sind... sie weigert sich, die Entscheidung zu fällen, welche von diesen Xanthippen sie eines Tages auf dem Thron ersetzen wird. Das ist weise, denn sie würde sich selbst auf dem Fuße ersetzt sehen, denke ich, und sie ist sich dessen sehr bewußt. So lange, wie sie keine Erbin benennt, muss ich mich nicht an die Bedingungen des Vertrages halten und eine von beiden heiraten... ein Schicksal schlimmer als der Tod..."


"Ich halte den Gedanken nicht aus, daß ich verschachert wurde wie ein Möbelstück, aber ich habe die Chance etwas Gutes daraus zu machen... indem ich mein Familienvermögen dazu verwende, das Leben der gewöhnlichen Leute zu verbessern. Wenn ich nur eine verständnisvolle Frau hätte --! Ich muss mein Bestes tun, um mich mit der Fürstin vertraut zu machen, so daß sie meinen Ideen zuhört und vielleicht kann ich wenigstens ein paar Dinge erreichen bevor... nun, ich will nicht über die Zukunft nachdenken.


Sie kommt nur zu bald."



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Sich Tag für Tag als normale Person zu maskieren ist ermüdend.




Copyright by Kathryn Kellogg, geb Garrison

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