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Freds Tagebuch #11.3

Eintrag #11 Teil 3 Mein Tagebuch, von Frederick Usiku Krüger






"Ich habe zuvor erwähnt, daß aus unserer Kultur einige hocheffektive Offiziere kommen und das war der Fall bei Captain Felicity Wylde. Sie hatte eine Begabung für das Marine Kommando. Sie war nicht nur gut in ihrer Arbeit, sie nahm sie auch ernst.


Unter ihrem Kommando war eine fast ausschließlich männliche Mannschaft, was merkwürdig schien, aber es gab zwei sehr gute Gründe dafür; erstens, die Mannschaft wurde aus der Leibwache ausgewählt, die aus historischen Gründen männlich ist, und zweitens, falls das Schiff sank, wäre es nicht so ein tragischer Verlust.


Ihre Mannschaft diente ihr nicht aus Furcht, sondern aus Verehrung. Ich habe sagen hören, daß jeder Mann an Bord in Captain Wylde verliebt sei, aber die LOWEZA war kein Hyänenharem. Falls es so gewesen wäre, bin ich sicher, daß meine Mutter sie nie an mich übergeben hätte, einem zehnjährigen Jungen. Nein, ihre Liebe war die Art Liebe, die Männer dazu bringt, sich auf entsicherte Granaten zu werfen.


Die Offiziere waren selbstverständlich alle weiblich, und meine Eltern und ich wurden von Lieutenant Mikayla an Bord begrüßt. Sie führte uns entlang einer Reihe sehr gutgebauter Seemänner, die alle blauweiße Uniformen trugen, die vorne kurz und hinten länger geschnitten waren, anders als der traditionelle Rock der Brigade. Sie trugen auch alle ihre Mähnen sehr kurz geschnitten, ausgenommen der Zöpfchen im Genick, von denen ich annahm, daß es die Seemannsmode war um sich von den langhaarigen "Dreckfressern" der Armee zu unterscheiden.


Wir wurden zur Brücke geleitet, wo der Captain des Schiffes dem Rudergänger Befehle gab. Der Captain trug ihre Mähne ebenfalls sehr kurz, ausgenommen eines langen, dünnen Zopfes und ihre Uniformjacke zeigte Epauletten und Reihen von goldenen Biesen auf den Manschetten. Lieutenant Mikayla bedeutete uns, im Gang zu warten und schritt zu dem Captain hinüber.


"Madame Captain --? Der Schiffseigner ist hier."


Der Captain drehte sich herum und ihre Augen mussten unten suchen, bis sie mein Gesicht fanden. Ich konnte sehen, wie Verwirrung und Enttäuschung um die Vorherrschaft auf ihrem Gesicht kämpften; Sie vereinbarten einen Waffenstillstand und sie ging in Habacht und salutierte. "Mein Lord Krüger, Sir," hustete sie.


"Nein -- nur Krüger," korrigierte ich sie und erwiderte den Gruß. "Ich bin hier, um von Ihnen zu lernen."


Ich glaube nicht, daß irgendetwas anderes sie so schnell für mich hätte gewinnen können. Sie entspannte sich sichtlich und ein leichtes Lächeln spielte über ihre Zähne.


Dann drängte meine Mutter sich dazwischen. "Captain Wylde, ich würde mich glücklich schätzen, wenn Sie uns eine Führung ihres Schiffes geben könnten; mein Sohn ist sehr begierig zu sehen, was wir ihm zu seinem Geburtstag geschenkt haben."


Ich bin nicht sicher, was man Captain Wylde erzählt hatte, aber Teil des Geburtstagsgeschenks für einen verwöhnten, reichen Jungen zu sein, hatte weder ihre Zustimmung noch gefiel es ihr. "Sicherlich, Madame Krüger. Wenn Sie mir bitte folgen würden. Achten Sie auf die Schotten..."


Sie zeigte uns die Kommandozentrale und die verschiedenen Teile des Schiffes, die ganze Zeit über mit wohlwollender Zurückhaltung, die einen großen Eindruck bei mir hinterließ -- es war keine Frage, daß sie mit der gegenwärtigen Situation nicht glücklich war, aber sie versteckte ihre Gefühle perfekt hinter einer Fassade aus Würde und Zurückhaltung. Sie war ein Offizier und Lady, aber es gab nie irgendeinen Zweifel an ihrer Autorität über ihre Mannschaft, oder ihre Fähigkeit zu kommandieren. Sie war angemessen respektvoll gegenüber meiner Mutter, aber nur weil sie wußte, daß wir bald wieder fort wären und die Führung des Schiffes bald wieder ihr allein gehören würde.


Als wir durch das Schiff gingen, verlor ich ein wenig die Orientierung in dem Labyrinth von graugestrichenen Durchgängen. Ich bemerkte, daß mein Vater fast so viel Spaß hatte, wie ich. Er hatte auf eine Karriere bei der Marine gehofft, aber seine Gesundheit hatte ihn stattdessen zum Ingenieurwesen gebracht. Er fragte Captain Wylde nach der Bewaffnung des Schiffes, weil er bei dem Design einiger der Waffen der Brigade geholfen hatte. "Ich wollte immer zur See fahren, um sie zu testen," hörte ich ihn ihr erzählen, "aber Sie wissen ja -- zhoop," und er machte eine Geste um seine Neigung zur Seekrankheit anzuzeigen. Dann lachte er nervös. Mein Vater war so ein Geek.


"Wissen Sie, es gibt jetzt Implantate dagegen," sagte Captain Wylde.


"Ich weiß. Eine meiner Firmen hat sie entwickelt," stimmte mein Vater zu, mit mehr als einer Spur Ironie.


"Warum nutzen sie es dann nicht selber?" war die nächste Frage des Captains.


Mein Vater seufzte. "Zu schnell alt, zu spät schlau."


Wir gingen aufs Deck hinaus, wo der helle Sonnenschein meine Augen für einen Augenblick blendete und ich mußte sie bedecken bis sie sich angepasst hatten. Das Wasser glitzerte, das Land glitt in dunstige Ferne und gab dem See den Anschein des offenen Meeres.


"Also," hörte ich Captain Wylde zu mir sagen, "hat die LOWEZA ihre Inspektion bestanden, Sir? Ist alles seetüchtig und in bester Ordnung?"


"In der Tat, Madame. Sie ist ein gutes Schiff."


Captain Wylde lächelte verschmitzt. "Ich bin froh, daß sie das denken."


Meine Mutter drehte sich zu mir um.


"Vielleicht hättest Du gerne eine Karriere in der Marine?" schlug sie vor. "Sie ist viel netter als die Brigade. Du bekommst drei Mahlzeiten am Tag, Du bleibst sauber und Du schläfst jede Nacht in einem Bett."


Ich bemerkte den Ausdruck in Cyptain Wyldes Augen, die mir sagten, daß sie es besser wußte.


Dann sagte meine Mutter etwas, das mich glatt umhaute.


"Usiku, würdest Du gerne den Sommer auf Deinem Schiff verbringen?"


Es war das netteste, was meine Mutter jemals zu mir gesagt hatte. Eine Aufwallung von Gefühlen unterdrückend, erwiderte ich, "Oh, ja, Madame! Ganz bestimmt, Madame! Danke, Madame!"


"Nun gut. Ich werde Dein Gepäck auf das Schiff bringen lassen. Weitermachen. Komm mit, Sterling."


Als sie und mein Vater das Deck hinunter zum Aufgang gingen, hörte ich meinen Vater fragen, "Bist Du sicher, daß es hier sicher für ihn ist?" Worauf meine Mutter antwortete, "Mach Dich nicht lächerlich. Dies ist der sicherste Ort der Welt für ihn."


Natürlich hatte sie recht. Ein bewaffnetes Schlachtschiff, das in der Mitte eines Binnensees schwamm, war der sicherste Ort, an dem sie mich unterbringen konnten, während sie überlegten, was sie als nächstes mit meiner Erziehung tun wollten. Ich wäre sicher, hätte Unterhaltung und bekäme vielleicht etwas Erfahrung im Umgang mit beidem, Untergebenen und Befehlshabenden Offizieren. Es kam ihr nie in den Sinn, daß mir Zugriff auf sehr große Kanonen zu geben vielleicht nicht ihre beste Idee gewesen war.


Meine Mutter hatte eine Gewohnheit mich bei anderen Leuten abzuladen. Aber sie wählte diese anderen Leute gewöhnlich sehr sorgfältig aus. Dieser Fall war keine Ausnahme.


Ich weiß nicht, ob meine Mutter das mit Captain Wylde besprochen hatte, oder nicht, oder ob sie einfach annahm, daß es in Ordnung wäre, mich für eine Weile auf dem Schiff zu parken, während sie die Dinge zu Hause in Ordnung brachte. Ich neige dazu, zu denken, daß sie eigenmächtig entschieden hatte, weil der Captain dastand, mit leicht geöffnetem Mund, während meine Eltern sich verabschiedeten.


Dann schaute der Captain auf mich herab und die Feindseligkeit in ihren Augen schmolz dahin und verwandelte sich in so etwas wie Mitleid.


"Ich bringe Sie zu ihrem Quartier, Herr Krüger", sagte sie.


Fortsetzung folgt...




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