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Freds Tagebuch #11.6

Eintrag #11 Teil 6 Mein Tagebuch, von Frederick Usiku Krüger





"Es war Heiligabend, was in jenem Teil der Welt auf den Mittsommer fällt. Die Nacht war schwül. Viele von der Mannschaft waren auf Landurlaub, um die Feiertage mit ihren Familien zu verbringen. Ich war zum Abendessen mit der Fürstin eingeladen, die mich wie ihren zukünftigen Schwiegersohn behandelte. Sie war wirklich sehr freundlich, gab mir zahlreiche kleine Geschenke und ich fühlte mich schlecht, weil ich kein Geschenk für sie hatte. Sie lud mich ein, über Nacht zu bleiben, aber ich wollte auf mein Schiff zurück. Ich schätze, ich war etwas enttäuscht, weil diese praktisch Fremde viel netter zu mir war, als meine eigenen Eltern je gewesen waren und fühlte mich deshalb etwas seltsam. Und überhaupt, so lange noch Mannschaften der LOWEZA an Bord waren, zog ich Ihre Kameradschaft vor.

Also wünschte ich der Fürstin unter vielen Verbeugungen eine gute Nacht und erwischte die letzte Überfahrt zum Schiff. Sobald ich an Bord war, wurde ich zur Weihnachtsparty eingeladen, die in der Messe gefeiert wurde und es wäre schlechtes Benehmen gewesen, abzulehnen. Es war weit nach Mitternacht, bevor ich in meine Koje gehen konnte.


Die Nacht war dunkel, mit einem aufziehenden Sturm im Südosten. Der böige Wind erzeugte Wellen auf dem Wasser, nicht genug für Schaumkappen, aber genug um die Oberfläche in Kämme und Täler aufzuteilen. Ich hatte so viel gegessen, daß ich nicht schlafen konnte und war auf dem Deck spazieren. Es war stickig unter Deck. Ich fühlte mich nicht gut und hoffte, die auffrischende Brise würde meine Übelkeit beheben.


Als ich durch die Dunkelheit schritt, wurde meine Aufmerksamkeit von einem eigenartigen, metallisch kratzenden Geräusch erregt, und als ich über die Seite schaute, erschreckte es mich, eine dunkle Form dicht neben unserem Schiff liegen zu sehen.


Es war ein kleines Gefährt das sich, vorangetrieben von Riemen, an der Wasserlinie der LOWEZA entlangschob. Daß auf dem Gefährt kein Licht brannte und sie die Riemengeräusche dämpften, zeigte, daß sie nichts Gutes vorhatten. Irgendwie hatte es sich angeschlichen, ohne den Ausguck zu alarmieren. Unmöglich zu sagen, wie lange das Gefährt schon neben dem Schlachtschiff lag und durchführte, welch schändlichen Plan es auch immer vor hatte, noch ob es uns in die Luft jagen würde, sobald Alarm gegeben würde.


Diesen Eindringling zu sehen ängstigte mich -- aber es machte mich auch zornig. Sehr zornig. Das war MEIN SCHIFF, mit dem sie sich anlegten!


Schnell denkend, mit dem angeborenen Heldentum eines Kindes, griff ich mir die nächste Waffe, die ich finden konnte -- eine von den Donnerkind Bazookas von einer der Halterungen an Deck, die, mit denen man Entergruppen abwehrt, die, die von Professor Brown entwickelt worden waren. Sie war fast so lang wie ich groß war und ich taumelte, als ich sie hochhievte, sie so leise entsicherte, wie ich konnte und sie zur Reling schleppte.


Sie hart umklammernd, damit sie nicht über Bord fiel, kämpfte ich, um die Donnerkind auf meiner schmalen Schulter zu balancieren, zog eine schwankende Linie über das Ziel, dann hielt ich meinen Atem an, als ich den Abzug betätigte. Sie machte ein interessantes Geräusch, als sie feuerte, eine Art von SHAZAM! und ich wurde vom Rückstoß nach hinten geworfen. Eine halbe Sekunde später erleuchtete eine Explosion aus wässrigem Feuer mit sonorem KABUUMM die Nacht, die alle Mannschaften aufs Deck kommen ließ.


Captain Wylde selbst zog mich grob auf die Füße. "Hab ich sie erwischt?" fragte ich undeutlich, weil ich mit dem Kopf auf das Deck geprallt war, als ich fiel. Alles war verschwommen. Einen Moment lang dachte ich, ich wäre blind geworden, bis ich merkte, daß ich meine Brille verloren hatte.


"Wen erwischt?" verlangte der Captain zu wissen, mit einem sehr gefährlichen zornigen Ausdruck auf ihrem Gesicht.


"Saboteure," stieß ich hervor. "Sie haben versucht eine Ladung am Schiff anzubringen --"


Im gleichen Moment lehnte sich einer der Offiziere über die Reling und zeigte auf den See. "Captain, schaut!"


Das Gefährt war fort, aber dunkles Öl verbreitete sich auf dem Wasser aus, mit Teilen eines zerschmetterten Wracks, die darin schwammen.


Der Captain sah mich an. "Es wäre besser, wenn Sie keinen Fischer erschossen haben," grollte sie.


*


Fischer haben normalerweise keine Sprengstoffe in Militärqualität bei sich. Mein Schuß hatte die ungenutzten Minen getroffen und alle gleichzeitig zur Detonation gebracht. Es war ein Wunder, daß die Explosion nicht die Schiffshülle durchbrochen hatte. Taucher fanden später einige größere Vorrichtungen, die bereits an der Hülle angebracht gewesen waren und entschärften sie. Ob sie ihre Aufgabe tatsächlich hätten erfolgreich ausführen können, war Gegenstand heftiger Diskussionen in der Messe.


Die Brigade hat den Grundsatz, keine Gefangenen zu machen, aber in diesem Fall wurde eine Ausnahme gemacht, um Informationen von ihnen zu bekommen. Wir fischten einen Löwen, ein Warzenschwein und eine Meerkatze aus dem Wasser und, nachdem wir sie überzeugt hatten, daß ehrlich zu sein in ihrem eigenen Interesse wäre, erzählten sie uns, daß ihr Plan war, Ladungen unter der Wasserlinie anzubringen und die LOWEZA als Geisel zu nehmen, zu drohen, sie zu versenken mit allen Mannschaften an Bord, wenn die Fürstin keine anständige Summe Geldes zahlte. Ihr Plan schien mich überhaupt nicht zum Ziel zu haben; es war das Schlachtschiff selbst, daß sie als Geisel nehmen wollten.


Da sie technisch gesehen meine Gefangenen waren, nach Brigadeprotokoll, war es mir erlaubt, an der Befragung teilzunehmen. Die Meerkatze und das Warzenschwein sahen verängstigt aus aber der ungepflegte Löwe, seine Mähne war abgesengt, schien stocksauer zu sein, von einem blossen Kind erwischt worden zu sein. Sich weigernd auszupacken, war die einzige Entgegnung auf unsere Fragen "Alles oder nichts. Alles oder nichts." Als meine Gefangenen konnte ich auch über sie entscheiden und falls ich gewollt hätte, hätte ich sie zum Frühstück zubereiten lassen können. Stattdessen empfahl ich sie dem Bootsmann, der sie für weitere Befragungen gefangenhalten sollte.


Nachdem die Gefangenen in den Knast gesteckt worden waren, wurde ich überrascht, als der Captain sich zu mir umdrehte und fragte, "Also, was denken Sie über all das, Herr Kruger?"


Ich zuckte die Achseln. "Ich denke, ihr Plan war ziemlich kurzsichtig," sagte ich. "Wenn sie das Schiff versenkt hätten, dann wäre Kiyanti beinahe wehrlos. Jeder könnte es dann einnehmen, wenn sie zahlreich genug wären."


Captain Wyldes Lächeln erweckte den Eindruck, sie würde mit meiner Einschätzung übereinstimmen. "Also ist es möglich, daß sie uns in jedem Fall versenkt hätten, selbst wenn das Lösegeld bezahlt worden wäre?"


Ich hob meine Augenbrauen. "Ich hätte es getan," sagte ich ihr.


Ein flüchtiges, listiges Grinsen huschte über ihr Gesicht. "Ich ebenfalls," stimmte sie zu. "Also, sagen Sie mir, Herr Krüger -- was würden Sie als nächstes tun?"


Für mich war die Angelegenheit klar. "Die Verschwörer dazu bringen, die Position ihrer Basis zu verraten und sie dann bombardieren. Sie daran erinnern, warum sie das Schiff hätten versenken sollen, als sie die Chance dazu hatten."


Jetzt lächelte der Captain tatsächlich. "Sie könnten eine Karriere in der Brigade vor sich haben, Herr Krüger."


*


Der Captain rief die wenigen Offiziere zusammen, die noch im Dienst waren und hielt einen kurzen Kriegsrat. Es war Grundsatz der Brigade jeder Herausforderung ihrer Autorität schnell und hart zu begegnen, also brauchte es nicht lange, sie zu überzeugen, daß ein Gegenschlag nötig sei. Ich war nicht zu dem Rat eingeladen, aber ich konnte der Diskussion vom Korridor aus folgen.


"Sollen wir die Erlaubnis zum Angriff per Funk einholen?"


"Nein -- das würde nicht nur wertvolle Zeit kosten, es könnte auch unsere Absichten an den Feind verraten."


"Dann schlagen Sie vor --"


"Wir spucken in die Hände, hissen die schwarze Flagge und schneiden ein paar Kehlen durch."



Als der Captain den Rest der Mannschaft informierte, stellte sie klar, daß wir auf eigene Faust handelten und daß sie die volle Verantwortung dafür übernahm, schnell zu handeln um eine eindeutig vorhandene Gefahr vom Schiff und der Hauptstadt abzuwenden. Ich erinnere mich nicht an das geringste Murmeln von Widerspruch. Mit einem leisen Chor von "heyhos" eilte jederman, um seine Schlachtstation zu besetzen. Wir waren vielleicht nur darauf aus, einen Haufen von aufständischen Eingeborenen mit ihren Hütten in Stücke zu schiessen, aber wir behandelten es wie eine echte Schlacht mit einem Gegner auf Augenhöhe.


Captain Wylde begleitete mich zur Brücke -- ich bin nicht sicher, ob es eine Belohnung war, weil ich sie auf die Saboteure aufmerksam gemacht hatte, oder um mich aus weiteren Schwierigkeiten herauszuhalten. Der Wachoffizier und der Rudergänger schienen etwas überrascht, mich dort zu sehen aber sie akzeptierten meine Anwesenheit ohne weitere Fragen.


Wir mussten das Schiff nicht wirklich bewegen, da die Saboteure nahe genug gewesen waren, zu uns hinauszurudern. Was wir tun mussten, war, die Position ihrer Basis herauszufinden, was schwierig werden konnte.


Die Nacht war stockdunkel. Nicht nur, daß kein Mond zu sehen war, die Sturmwolken hatten eine finstere Decke über die Welt gezogen und ließen einen Vorhang von Nieselregen herunter. Alles, was wir von der Uferlinie sehen konnten, war eine schwarze Linie auf schwarzem Hintergrund. Wir konnten keine Scheinwerfer einsetzen um das Ufer abzusuchen, weil wir nicht nur zu weit entfernt für sie lagen, sondern auch weil wir uns damit verraten und den Feinden Gelegenheit zur Flucht gegeben hätten. Bis jetzt hatten sie vielleicht noch nicht bemerkt, daß ihr Plan versagt hatte, oder warteten zumindest auf einen Hinweis von ihren Kumpanen. Das Warzenschwein hatte uns verraten, daß etwa zwanzig von ihnen an dem Plan beteiligt seien. Aber er weigerte sich, uns irgendwelche Informationen zu geben, die uns geholfen hätten, ihre Basis auszumachen.


Keines der Schiffssysteme schien in der Lage zu sein, die Dunkelheit zu durchdringen, hauptsächlich, weil sie antiquiert waren und selten genutzt. Als ich den Captain in ihren Bart fluchen hörte, fragte ich um Erlaubnis, meine Koje aufzusuchen und etwas zu holen, daß ihr helfen könnte. Die Erlaubnis erteilt, rannte ich so schnell ich konnte zu meinem Quartier und kehrte nur wenige Minuten später außer Atem zurück.


Nachdem er hörte, wie sehr ich Spaß daran hatte Schiffskanonier zu sein, schickte mein Vater mir einen Feldstecher -- ein weiterer Prototyp einer seiner Firmen -- als Weihnachtsgeschenk und da ich zehn war, hatte ich das Päckchen sofort geöffnet, als es vor einigen Tagen eingetroffen war. Ich spielte einige Zeit damit herum und machte mich mit den zahlreichen Einstellungen und Kontrollen vertraut. Ich aktivierte jetzt einige der winzigen Anzeigen des Gerätes und die Dunkelheit wich, was mir erlaubte, die Küste abzusuchen, als wäre hellichter Tag. Ich fand die Hitzesignatur des Lagerfeuers der Aufständischen und mit einigen weiteren Knopfdrücken, gab mir der Feldstecher den Abstand bis auf den Zentimeter genau. Ich berichtete dies Captain Wylde und sie sah mich -- oder eher meinen Feldstecher -- mit offener Bewunderung an. Ich ließ sie hindurchsehen und ihre Lippen öffneten sich zu einem furchterregenden Grinsen. "Erinnern Sie mich daran eine Bestellung für eine Kiste davon aufzugeben", sagte sie. Sie gab mir den Feldstecher zurück. "In Ordnung, Herr Krüger -- übermitteln Sie die Koordinaten der Steuerbord Frontbatterie."


Sie gab mir den Kom und ich nahm es mit aufgeregtem zittern entgegen. Obwohl das Ziel eine Meile entfernt war, flüsterte ich in das Mikrophon, damit der Feind unsere Pläne nicht mithören konnte.


"WAS?" rief der Kanonier und ließ mich fast das Kom fallenlassen. Ich wiederholte den Feuerbefehl mit einem mehr normalen, offiziellen Ton. Captain Wylde versuchte ein Kichern zu unterdrücken.


"Ziel im Visier, Ma -- eh, Sir," dröhnte der Kanonier zurück. Captain Wylde sah auf mich herab.


"Ihre Befehle, Herr Krüger?"


"Geben wir ihnen eine Salve," sagte ich heftig.


"Sie wissen, daß wir Salven seit über 150 Jahren nicht mehr verwenden...?" sagte der Captain gedehnt mit der Zunge in der Wange. Ich sank etwas in mich zusammen.


"Ich habe es in einem Buch gelesen. Ich wollte es nur... immer schon sagen."


Sie nickte und verstand anscheinend mein Regung. Sie lehnte sich über meine Schulter und drückte den Kom Knopf.


"Lasst uns ihnen ein Erdbeben schicken, Jungs..."


"Feuer nach Belieben," fügte ich hinzu, und blickt zu ihr auf. Sie nickte und tätschelte meine Schulter.


Die Dunkelheit entlud sich mit einer schmetternden Salve von Geschützfeuer. Innerhalb von Augenblicken kamen die korrespondierenden Knalle der Explosionen aus dem Wald an dem tintenschwarzen Ufer. Es kam kein Antwortfeuer.


Die Bombardierung dauerte nur wenige Sekunden, dann befahl der Captain die Einstellung. Wir konnten die flackernden, orangenen Lichter der brennenden Sachen am Ufer sehen. Eine Drohne wurde zur Erkundung ausgeschickt und sandte Bilder eines zerstörten und rauchenden Lagers zurück, ohne Lebenszeichen.


"Frohe Weihnachten," brummte Captain Wylde wild. Dann hob sie die Gefechtsbereitschaft für das Kanonendeck auf.


*


Am Morgen wurde der Körper eines weiteren Verschwörers aus dem See gezogen. Zum Entsetzen des Captains war es eine Tüpfelhyäne, obwohl die Identität wegen des Zustands der Leiche unmöglich zu eruieren war. Sie mußte direkt neben der Kiste mit dem Sprengstoff gestanden sein, als sie in die Luft ging. Ob es ein Gefangener war, dazu gezwungen, das Schiff zu verraten oder ein freiwilliger Komplize, ihr Körper war gevierteilt und zurück in den See geworfen worden, als Futter für die Fische -- die Strafe, die für Verräter verhängt wurde.


Ich denke, daß ich hätte durcheinander sein sollen, weil ich jemanden getötet hatte, aber tatsächlich war es genau das, worum es beim Krieger sein geht. Ich hatte getötet, um meine Einheit zu verteidigen, und mein Leben.


Später an dem Tag gingen wir nach Kiyanti, um der Fürstin Bericht zu erstatten. Sie lauschte ernst, eine Hand stützte das Kinn. Das joviale Auftreten, das ich mit ihr verbunden hatte, war fort, ersetzt durch die kaltäugige Tyrannin, für die jedermann sonst sie hielt. Sie befahl einem Batallion das Lager zu untersuchen, nach Überlegenden zu suchen und die "Bedrohung zu beseitigen". Ich bin sicher, das Versprechen, Aufständische schonungslos zu jagen, war für sie eine gute Entschädigung für das unterbrochene Weihnachtsessen.


Für mich jedenfalls kehrte das Lächeln zurück. Sie tätschelte meinen Kopf. "Es wird Dir zur Gewohnheit mir den Hals zu retten," bemerkte sie. "Ich war etwas beleidigt, weil Du letzte Nacht nicht hier bleiben wolltest; jetzt bin ich froh deswegen." Sie ließ mich -- zwei mal -- meine Geschichte erzählen, wie ich den Anschlag entdeckt hatte und wie ich damit umgegangen war, kichernd vor Freude, als ich zu dem Teil mit dem Gebrauch der Donnerkind kam. "Ich hätte Geld dafür bezahlt, das sehen zu können!" grinste sie.


"Wir hätten einen für eine Demonstration an Land bringen können, Madame," grummelte Captain Wylde, als sie angelegentlich in ihren Cognacschwenker starrte, ein Weihnachtsgeschenk meines Vaters an die Fürstin. Mein Vater hielt sich für einen Weinkenner und wir hatten einen Weinberg zuhause. "Ich bin sicher, Herr Krüger hätte nichts dagegen."


Das hätte ich wirklich nicht aber dann war ich etwas verlegen wegen meines Anteils an dem Abenteuer, hauptsächlich weil diese würdevollen Damen so ein Gewese um mich machten, als wäre ich ein außergewöhnlicher Held. Ich hätte mich darüber freuen sollen, weil es auch ganz anders ausgehen und mich in große Schwierigkeiten hätte bringen können. Aber Hyänen haben Freude an guten Kriegsgeschichten und je außergewähnlicher, desto besser. Ein Kind, daß mit einem Granantwerfer ein Boot voll mit Sprengstoffen versenkt, ist eine für die Annalen.

Als der Tag zuende ging, gab die Fürstin ein weiteres Festmahl, diesmal für die ganze diensthabende Mannschaft der LOWEZA. Ich mußte an ihrer linken Seite sitzen und Captain Wylde zu ihrer Rechten. Sie gab dem Captain ein Armband von ihrem eigenen Handgelenk, was als außergewöhnliche Ehre angesehen wird, und mir gab sie einen Zeremoniendolch von der gleichen Sorte, die ihre eigene private Leibgarde trug. Während des Festmahls gab es Gesang und Tanz aber dann war ich so erschöpft davon, keinen Schlaf gehabt zu haben, daß ich bat, mich zu entschuldigen. Dieses mal akzeptierte ich das Angebot der Fürstin für ein Zimmer, weil ich befürchtete im Stehen einzuschlafen, wenn ich versuchte, zurück zum Schiff zu gehen. Ich hatte keine Ahnung, wie es dem Captain ging; sie war ebenfalls die ganze Nacht aufgewesen aber ich schätze, sie war aus wesentlich härterem Holz geschnitzt.


Am folgenden Tag, als der Rest der Mannschaft vom Landurlaub zurückkehrte, waren sie mächtig verärgert, weil sie den ganzen Spaß verpasst hatten. Wir wurden davon unterrichtet, daß die zur Untersuchung des Lagers ausgesandten Krieger sichergestellt hatten, daß von dort keine Bedrohung mehr ausgehen würde. Unsere Gefangenen wurden der zarten Gnade der Brigade übergeben.


Ich fürchte, ich traf sehr spät ein, nachdem ich bis zum Nachmittag in einem Bett geschlafen hatte, das nicht schwankte, oder nach Motoröl oder ranzigem Wasser roch, oder mir den Kopf stieß, wenn ich mich zu schnell aufsetzte. Der Tag brach wunderbar klar an, erfrischt vom Regen der vorhergehenden Nacht und ich genoß es die Gärten der Fürstin zu bewundern, von denen aus ich die LOWEZA direkt am Ufer vor Anker liegen sehen konnte und sie aussah wie... nun, wie ein übergroßes Badewannenspielzeug.


Sie war mein Schiff. Ich liebte sie, und ich hatte sie zweimal gerettet.


Ich wurde in meinem Tagtraum von einem höflichen räuspern überrascht und erhob mich mit einem Gruß, als Captain Wylde selbst den Weg heraufkam, um mich abzuholen. "Ich dachte mir schon, daß Sie hier sein könnten," bemerkte sie. "Der Ausblick ist atemberaubend." Sie sah so frisch und adrett aus, wie immer, während ich mich fühlte, als wäre ich gerade aus einem Eichhörnchennest gerollt. Sie stand neben mir mit gespreizten Beinen und starrte auf ihr Schiff hinunter. IHR Schiff.


"Sie ist schön, nicht wahr?" fragte sie mich. Ich nickte.


"Viele Leute sehen das so. Viele Leute denken, sie wäre eine Verschwendung von Geld und Ressourcen -- Songweens Torheit, nennen sie sie," bemerkte der Captain ruhig.


"Ich weiß," sagte sie. Meine Mutter war eine davon.


Captain Wylde entblößte kurz ihre Zähne mit einem zucken, als ob es sie schmerzte zu sagen, was sie als nächstes sagte. "Es mag sich sonderbar anhören und Sie mögen es noch nicht wirklich schätzen können.. aber ich möchte Ihnen danken, für das, was Sie getan haben... nicht nur die Rettung des Schiffes vor diesen Verrätern, sondern... nun, dafür, der Mannschaft wieder einen Sinn in ihrer Arbeit sehen zu lassen. Es wird... ziemlich langweilig... immer nur Tag für Tag in Kreisen herumzusegeln, mit nichts wirklich Wichtigem zu tun, als grimmig auszusehen. Ihre Begeisterung hat uns daran erinnert, daß wir nicht nur Wachhunde sind... wir sind eigentlich ein lebenswichtiger Wächter unserer Fürstin und des Landes."


Mein Herz schwoll an und ich zwinkerte heftig, damit sie keine Tränen aus meinen Augen kommen sah. "Danke, daß sie mir die Gelegenheit gegeben haben auf ihrem Schiff auszuhelfen, Captain."


"Es ist Ihr Schiff," erinnerte sie mich.


Ich schüttelte den Kopf. "Nein, es gehört Ihnen. Ich gehe bald nach Hause und Sie werden immer noch ihr Herr und Kommandant sein."


Sie schaute mich von oben bis unten an. "Ich hoffe, sie vergessen uns nicht."


"Ich könnte Sie niemals vergessen, Madame."


Sie drehte sich zu mir um und grüßte. Ich erwiderte den Gruß.


Dann lächelte sie warm. "Kommen Sie. Ich würde Sie ungern als Deserteur melden müssen."


Als wir den Weg zum Dock heruntergingen, wo ihr Boot sie erwartete, schaute Captain Wylde mich an. "Es ist eine Schande, daß Sie versprochen sind, Herr Krüger. Ich habe eine Tochter in Ihrem Alter. Ich denke, ihr beide würdet großartig zueinander passen."


Wie hätte sie wissen können, daß ihre Worte mich nicht besser fühlen liessen...?





Copyright by, Kathryn Kellogg, geb Garrison


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