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Freds Tagebuch #13

Eintrag #13 Mein Tagebuch, von Frederick Usiku Krüger





"Die Maramasai wird nicht nur von Hyänen bewohnt. Es ist ein reiches und vielfältiges Ökosystem, Heimat von dutzenden von Spezies, die alle den Hyänen als den Spitzenbeutegreifern zur Loyalität verpflichtet sind.


Vor jetzt über einem halben Jahrhundert besiegte unsere eigene spezielle Fürstin Iarbas, den König der Löwen in einem Zweikampf. Seitdem sind die Löwen aus Rackenroon verbannt, obwohl sie noch Brückenköpfe in anderen Teilen der Maramasai unterhalten. So lange sie sich ruhig verhalten, tolerieren die anderen Fürstinnen ihre Gegenwart, aber in Rackenroon sind Löwen nicht willkommen.


Ein Großteil des Landes besteht aus Savanne, bevölkert von Pflanzenfressern, die eine Leibeigenenklasse bilden. Einige arbeiten für die Fürstin, handeln mit ihrer Arbeitskraft im Tausch gegen Schutz vor anderen Beutegreifern, denen erlaubt ist im Land zu leben, indem sie eine Steuer an die Krone zahlen und sich den Gesetzen unterwerfen. Diese Gesetze sind zum größten Teil ein System aus Genehmigungen, die ihnen erlauben zu jagen.


Im größten Teil der Welt werden Pflanzenfresser als Bürger mit den gleichen Rechten wie Beutegreifer angesehen, aber in Afrika ist das nicht der Fall. Sie werden bestenfalls als zweite-Klasse Bürger behandelt und schlimmstenfalls als Eigentum.


Jedoch sind auch sie nicht ohne Champions. Einer der bemerkenswerteren von ihnen ist Aloysius Horn, bekannt als "Händler" Horn, der sich als Jagdführer der Fürstin betätigt, oder als Parkaufseher, schon bevor ich zu ihrem Stab stieß.


Ich bin nicht sicher, wie er zu seinem Spitznamen kam oder ob "Händler" das richtige Wort ist. Wenn man seine Beteiligung bei Jagdgesellschaften betrachtet, könnte man denken "Verräter" würde besser passen.


Seine Aufgabe ist es, als Kontaktperson zwischen der Fürstin und den Herden, die auf ihrem Land grasen, zu dienen, eine Position für die er auf einzigartige Weise geeignet ist, da er ein Einhorn ist. Er stammt ursprünglich aus Australien, dem Land der merkwürdigen Wunder und ich habe Gerüchte gehört, er wäre ein Prinz im Exil, aber meiner Meinung nach ist er viel zu "bodenständig" um ein Prinz zu sein. Seine direkt ausgesprochene Offenheit geht mehr als nur einigen der Höflinge der Fürstin auf die Nerven, mich selbst eingeschlossen. Allerdings ist die Fürstin in ihn vernarrt, und deshalb ist er unantastbar.


Ich habe es nie geschafft, Horns genaues Verhältnis zu der Fürstin zu ergründen. Er gibt sich selbst als gewöhnlichen Diener, kleidet sich wie ein Buschführer, aber er genießt einen beispiellosen Zugang zu Ihrer Hoheit, geht in ihren Privatgemächern ein und aus wie er will und ohne Wache. Vielleicht stimmt es, daß er mehr Botschafter als Beschäftigter ist. Oder vielleicht ist er auch ihr Oberspion. Auf jeden Fall unterliegt er nicht ihrem Zeremoniell. Er scheint ein Mitglied ihres innersten Zirkels zu sein. Sogar ich habe nicht so ein enges Verhältnis zu ihr und ich bin praktisch ihr Majordomus. Ich muß klopfen und werde angemeldet, bevor mir erlaubt ist ihr Appartement zu betreten.


Horn ist eine respektlose Person, selbstsicher in dem Wissen seiner eigenen Stärke und Macht. Ich bezweifle daß er irgenwelche echte "Magie" an sich hat, aber da ist etwas unheimliches an ihm, wie er immer erscheint, genau wann und wo er benötigt wird. Zu anderen Zeiten verschwindet er im Busch, tage- oder wochenlang.


Die Fürstin scheint seine ungezwungene Gesellschaft zu genießen. Wie beinahe niemand sonst im Haushalt, hat er keine Angst vor ihr und so ist er das einzige Mitglied ihres Stabes, der sie wie eine normale Person behandelt. Ich habe ihn von ihr einige Male als "die olle Frau" sprechen hören und ich frage mich, ob einige der geschmackloseren Gerüchte, die ich über sie gehört habe, wahr sein könnten -- daß er ihr Liebhaber ist. Es widerstrebt der Logik, natürlich, aber Hyänen waren noch nie für ihre Logik bekannt. Ich habe ihn sogar geringschätzig als "Hengst der Fürstin" bezeichnet hören.


Es ist möglich, daß ihre Freundschaft von ihren ähnlichen Persönlichkeiten herrührt. Die Fürstin liebt es Streiche zu spielen und Horn hilft und unterstützt sie. Ich finde mich mehr und mehr als Ziel dieser Streiche, da sie fehlgeleitete Versuche verfolgen mich "aufzuheitern". Je mehr ich sie ignoriere, desto raffinierter werden ihre Streiche.


Sein Mangel an Respekt und Formalität ärgert mich, weil es ein schlechtes Beispiel für die Männer der Leibwache abgibt, die ihn natürlich als ihren Schutzheiligen verehren. Sie scheinen ihn nicht als "Beute Spezies" zu sehen oder daraus eine Verbindung zwischen ihrem schlechten Jagdglück und Horn als Saufkumpan abzuleiten. Wenn Horn ein Spion ist, dann arbeitet er für die Herden.


Er scheint eine Menge über jeden zu wissen, ist aber ziemlich zurückhaltend, was sein eigenes Privatleben angeht. Ich weiß, daß er eine Parzelle Land zugesprochen bekommen hat -- irgendwo -- aber das ist alles, was ich über ihn herausfinden konnte. Ich bin mir noch nicht mal sicher, was sein Alter angeht. Er ist älter als ich, sicherlich, könnte aber jedes Alter zwischen dreißig und sechzig haben. Vielleicht sogar älter als das; da ist etwas zeitloses an seiner Vitalität.


Vielleicht ist es wahr, daß Einhornblut Unsterblichkeit überträgt und daß er dafür verantwortlich ist, daß Ihre Hoheit noch am Leben ist. Das würde eine Menge erklären.


Auf jeden Fall sollte er unter meinem Kommando stehen, aber das tut er nicht. Er ist nur der Fürstin verantwortlich und er scheut sich nicht, das jedermann wissen zu lassen.


Ich bin nur froh, daß ich nicht regelmäßig mit ihm zusammenarbeiten muß. Er würde mich in den Irrsinn treiben."





Copyright by Kathryn Kellogg, geb Garrison

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