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Freds Tagebuch #20.2

Eintrag #20 Teil 2 Mein Tagebuch, von Frederick Usiku Krüger





"Ich zuckte innerlich zusammen, als der Lautsprecher knackte "Als Nächstes - Lieutenant Frederick Kruger gegen General Jinjur Maihem, mit Säbeln -!" Und dann ein Gluckser, "Das ist vielversprechend!"


Die Menge aufgeputscht von Alkohol und überfressen, johlte so laut, daß ich es im Boden unter meinen Zehen spüren konnte. Korporal Lance sah mich mitleidig an.


"Falls es Ihnen etwas bedeutet, Sir... es war mir eine Ehre, Sir." bemerkte er.


Ich tätschelte seine Schulter und entschied mich gegen das Äußern von heroischen letzten Worten.


Ich ging hinaus in die Arena. Zu der Tageszeit wurde der Himmel dunkler, da der Abend näherrückte und der Sand war verklebt von gerinnenden Pfützen vergossenen Blutes. Eine Mischung aus Jubel und Spott erhob sich und ich entschied mich alle Geräusche von den Rängen zu ignorieren.


Meine Gegnerin erschien von ihrer Seite. Ich bemerkte, daß sie ihre eigene Regimentsuniform angelegt hatte, salbeigrün und schwarz und dachte mir, daß sie sich ebenfalls dazu entschieden hatte, etwas Körperschutz anzulegen; oder sie machte vielleicht ein Statement, daß dieser Kampf für die Schwarze Wacht von Olnajine gegen Blut-und-Knochen von Rackenroon stehen sollte.


Mit der Fanfare präsentierten wir unsere Schwerter der Fürstin und sie akzeptierte sie mit einem Wink ihrer Hand. Ich war zu weit entfernt, um in ihrem Gesicht lesen zu können.


Wir traten uns gegenüber und ich hob meinen Säbel und salutierte ihrer Uniform, mit ihrem blitzförmigen Rangabzeichen am Kragen -- ein ein-narbiger General gegen einen bloßen Lieutenant. Sie nahm sich Zeit, meinen Salut zu erwidern und ihre Augen hinter ihrem Säbel waren giftig.


Wir fielen in die Grundstellung und schätzten einander ab. Ich wußte, daß ihre Reichweite größer war als meine, also mußte meine Strategie darauf basieren, weit genug Abstand zu halten um ihren Ausfällen ausweichen zu können, aber trotzdem nach Lücken zu suchen, wenn sie weit genug ausholte, um hineinzustoßen und sie zu treffen.


Ich unterschätzte nicht die Nützlichkeit von psychologischer Kriegsführung. Ich hielt meine Ohren aufrecht -- wie eine hochrangige Frau, ohne ein Zeichen von Unterwerfung wie ein niederrangiger Mann, was sie dazu provozieren könnte, dumme Entscheidungen zu treffen, um mich zu erniedrigen. Ich sah, wie sich ihr Schwanz auf dem Rücken aufrollte vor Aggression und meiner fiel nach unten. Sie hielt mich vielleicht für einen Unterling, ein Ärgernis, daß sie leicht erledigen könnte, ein Emporkömmling, der dringend zurechtgewiesen gehörte, aber ich dachte daran, daß ich ein Prinz war in meinem eigenen Land und mich ihr nicht zu unterwerfen brauchte.


Wir umkreisten uns, die Schwerter bereit. Ein Zwinkern reichte, um den Kampf zu beginnen.


"Du kleiner Nager," zischte sie, "du ziehst das doch nicht wirklich durch?"


"Du solltest nichts beginnen, daß Du nicht beenden willst," erwiderte ich ruhig.


"Oh, ich habe vor, dies zu beenden," versicherte sie mir mit einem wilden Grinsen.


Ihre Schläge kamen wie Blitze und ich hätte sie beinahe nicht abwehren können, fünf schnelle Schnitte in schneller Folge, dann wich sie zurück. Ihr Mund in eine harte Linie gepresst.


Wir umkreisten uns wieder. Dieses Mal sah ich ihre Handlung voraus. Als sie angriff, entgegnete ich ihr mit kontrollierten Schlägen und versuchte dann ihren Bauch aufzuschlitzen; sie wich zurück und sah mich erschreckt und mit verzerrtem Gesicht an. Dann verengten sich ihre Augen und sie wirbelte ihre Klinge herum, um meinen Schwertarm zu treffen; Ich fing sie ab, schob sie fort und konterte. Sie brachte ihre Klinge herum und blockte mich, warf Sand hoch, als unser Klingen in den Sand stießen. Ich befreite meine und wirbelte herum und zurück, um aus dieser Position ihren linken Arm von hinten zu treffen, aber sie war genauso schnell und stand mir gegenüber in Verteidigungshaltung.


"Verdammt," sagte sie, schnell atmend, "vielleicht WÜRDEST Du einen interessanten Ehemann abgeben..."


"Du wirst es nie herausfinden," entgegnete ich, ebenfalls etwas ausser Atem.


"Wahrscheinlich nicht," stimmte sie zu und schwang nach meinem Kopf.


"Die Klingen trafen funkensprühend aufeinander, als ich parierte. Sie wich zurück und machte dann einen weiteren Hieb gegen meine Brust, dem ich auswich und fast meinen Stand verlor. Sie nutzte den winzigen Vorteil, um nachzusetzen, schlug nach meinem Handgelenk und ich musste mich anstrengen, um mich zu behaupten. Ich konnte den Schweiß unter meinem verstärkten Hemd nach unten rinnen fühlen.


Sie lächelte jetzt, wo sie mich zurückdrängte, ihre linke Hand auf der Hüfte, und eine Serie von abgehackten Halbschritten gegen mich führte. Es kostete mich alle meine Fähigkeiten, sie davon abzuhalten, mich zu treffen. Den Kampf zu verlieren könnte nicht so schwierig sein, wie ich mir das vorgestellt hatte. Nicht zu sterben könnte sehr viel schwerer sein.


Schwach bemerkte ich, daß die Menge still geworden war.


An den Grenzen der Arena begannen Brigadiers zu erscheinen, viel mehr rote Uniformen als Schwarz und Grün. Und nicht nur die Leibwache -- Hyänen Brigadiers ebenfalls, angezogen von der morbiden Faszination dieser ungewöhnlichen Szene. "Mann," hörte ich jemanden murmeln, "der kleine Kerl kann kämpfen!"


Darauf kannst Du deinen Arsch verwetten, daß ich kämpfen kann, dachte ich hitzig.


Meine Strategie war jetzt, Jinjur dazu zu verleiten, sich bei der Jagd auf mich zu erschöpfen. Falls sie müde würde, oder genügend verärgert würde, dann könnte sie mir vielleicht die Öffnung geben, die ich für einen entscheidenden Treffer benötigte. Es gab keinen Richter in diesem Kampf, der Punkte vergab -- wir würden kämpfen, bis einer von uns aufgab.


Das klack-klack-klacken unserer Klingen hallten von den Steinwänden der Arena zurück. Ich fühlte ihre Klinge an meinem Ohr vorbeizucken und wußte nicht, wie sie mich verfehlt hatte. Vielleicht spielte sie nur mit mir, oder vielleicht war sie gewohnt viel größere Gegner zu bekämpfen und mußte ihre Bewegungen anpassen.


Während wir uns duellierten, erkannte ich, daß sie jetzt wissen würde, ich sei potentiell gefährlich, falls ich mit meinen wahren Fähigkeiten kämpfte; meine Absicht war, mich zurückzuhalten, wie bisher und mich unter ihrem heftigen Ansturm aufzulösen. Sie war mindestens so gut, wie ich gehört hatte, und ich hatte große Mühe, mich gegen sie zu behaupten.


Auch nutzte ich meine rechte Hand, meine linke zurückhaltend für den Fall, daß ihre Energie nachließ und ich die Überhand gewinnen konnte. Aber sie musste Red Bulls getankt haben, weil ihre Energie nicht nachließ, wenn überhaupt nahm sie zu, als ihre Irritation darüber wuchs, daß ich mich weigerte, vor ihr auf den Rücken zu fallen.


Ich war in echten Schwierigkeiten und ich wußte es, aber ich konnte nicht zulassen, daß sie es ebenfalls wußte. Eine gute Sache, daß meine Brille meine Augen verdeckte, weil sie riesig und rund vor Furcht seien mußten, obwohl der Rest meines Gesichts eine ausdruckslose Maske war.


Wir lösten uns voneinander, heftig atmend, und umkreisten uns wieder. Sie schlug eine Acht und rieb ihren Oberarm. Ich krümmte mich ein wenig, um sie glauben zu machen, ich wäre mit meiner Ausdauer fast am Ende -- und das stimmte auch; aber ich wollte übertreiben in der Hoffnung, sie damit zu einem arroganten Fehler zu verleiten, bei dem Versuch mich rasch zu erledigen.


Bisher hatte keiner von uns beiden einen Treffer bei dem anderen gelandet. Mein Körper schmerzte von diesem furiosen Workout. Ich fühlte auch meinen Zorn wachsen -- ich wollte sie besiegen, ich wollte sie Sand und Blut essen sehen und meinen Fuß auf ihrem Nacken setzen. Aber Zorn würde mich verletzbar machen. Ich zwang mich zur Selbstbeherrschung.


Ähnliche Gedanken mussten mittlerweile auch durch ihren Kopf kreisen. Sie sah aus, als hätte sie die feste Absicht, mich zu töten, wenn sie die Chance bekäme. Und sie wurde immer ungeduldiger.


Plötzlich wich sie zurück, schwenkte ihre Schwert zur Seite und breitete ihre Arme aus, als wollte sie mich herausfordern, sie anzugreifen. Ich wischte mit dem Ärmel über meine Nase und machte einen Ausfall, aber es war nur eine Finte; als sie ihren Arm nach vorne brachte, um den Schlag abzufangen, ließ sie ihre Seite offen. Ich wechselte flink meinen Säbel in meine linke Hand und landete einen Schnitt über ihre Rippen, die Uniform klaffte auf und offenbarte die metallverstärkte Weste, die sie tatsächlich angelegt hatte.


Die Menge brüllte auf, als Jinjur zurückstolperte, wobei Schock und Hass ihr Gesicht verzerrte. Da musste auch etwas Schmerz darin sein. Sie starrte mich an, als ich um Atem rang. Wir wussten beide, daß, wenn sie keine Weste getragen hätte, ich meine Klinge zwischen ihren Rippen hervorgezogen hätte, mit schaumigem roten Blut verschmiert.


Ich dachte, dies würde den Kampf beenden, und ging in die traditionelle Haltung zum Salut, mit meiner Klinge vor die Schnauze gehalten. Ich hatte falsch gedacht. Mit einem wilden Bellen puren Hasses, wirbelte sie ihren Säbel über ihrem Kopf und griff mich mit einem Sturm von Schlägen an, die ich nur mit Mühe abwehren konnte. Sie zwang mich, zurückzuweichen. Vielleicht war es doch eine nützliche Strategie, seinem Hass nachzugeben...?


Sie hielt ihr Schwert jetzt mit beiden Händen, während sie wild auf mich einschlug, als wäre ich ein Insekt das sie versuchte, mit einem Baseballschläger zu zerquetschen.


Ihr doppelhändiger Griff beschränkte ihre Reichweite und die Verletzung ihrer Rippen behinderte sie. Ich suchte meine Gelegenheit. Falls sie mich töten wollte, dann würde ich sie teuer dafür bezahlen lassen.


Es fühlte sich an, als würden wir seit Stunden kämpfen, aber ich wußte, daß es nur Minuten waren. Über das schlagen meines Pulses, der durch meine Ohren rauschte, bemerkte ich schwach, daß die Menge begonnen hatte, rhythmisch zu skandieren. Es hörte sich an wie "Krü-ger...Krü-ger...Krü-ger...!"


Ich schluckte. Während ich ihr Verlangen den heimischen Jungen zu unterstützen begrüßte, drohte es mich von der sehr wichtigen Aufgabe abzulenken, lange genug am Leben zu bleiben, um ihre Gratulationen später entgegenzunehmen. Ich zwang mich, es auszublenden. Aber Jinjur hörte sie eindeutig. Sie war nicht erfreut.


Jinjurs Angriff hatte mich zurückgedrängt, aber als ich ihre Stärke schwinden fühlte, hielt ich Stand. Indem ich wieder zu meiner linken Hand wechselte, brachte ich sie aus der Balance und ging meinerseits zum Angriff über. Sie verteidigte sich bemerkenswert gut, aber zuerst mit einem Fuß, dann mit dem anderen wurde sie zurückgedrängt, zurück, als sie versuchte gegen den Spiegel zu kämpfen. Dann, als es schien, als würde sie ein Mittel finden können, mir zu begegnen, wechselte ich meinen Säbel zurück in die rechte Hand, schickte die Spitze um ihr Schwert herum und stach sie in die Schulter, was ihr den Kampfgeist zu nehmen schien.


Sie stolperte zurück, mit hängendem Kiefer, spuckte dann in den Sand und wischte mit dem Ärmel über ihren Mund. Ihre Brust pumpte und ihr Haar hing in schlaffen, feuchten Locken herab.


"Du unverschämter kleiner Bastard," höhnte sie.


"Du bist nicht die erste, die mich das nennt," versichert ich ihr, schnippte meine eigene feuchte Frontsträhne mit einer Klauenspitze aus meinen Augen. Meine Brille war so beschlagen vom Schweiß, daß ich kaum etwas sah.


"Ich werde die letzte sein," knurrte sie, und nahm den Angriff wieder auf.


Ich hatte keine Ahnung, woher sie die Energie nahm. Sie hatte eine tiefe, tiefe Quelle gegraben in Jahren, in denen sie Truppen in den Kampf führte, befeuert durch frustierten Hass und beleidigter Ehre, kein Zweifel. Und ich hatte bereits mein bestes Ass ausgespielt.


In einem Wettbewerb hätte sie ihre Waffen strecken müssen, nachdem ich sie zum zweiten Mal getroffen hatte, aber dies war kein Wettbewerb und war es nie gewesen. Jetzt hatte ich zwei Möglichkeiten -- die Waffen zu strecken oder sie mich töten lassen. Das heißt nicht, daß sie mich nicht töten würde, wenn ich aufgäbe, aber die andere Möglichkeit versprach spektakulär dreckig zu werden.


Plötzlich stoppte sie den Kampf und trat zwei Schritt zurück, ausser Reichweite, hielt aber die schwankende Spitze ihres Schwertes auf meine Nase gerichtet. "Du bist... bemerkenswert gut..." würgte sie hervor mit gekrausten Brauen. "Es wäre... eine Schande... Dich zu zerstören..."


Sie spuckte wieder. "Gib auf... und ich werde Dich leben... lassen..."


"Ich gebe Dir die gleiche Chance," stieß ich zwischen meinen eigenen Atemzügen hervor.


Sie beäugte mich mit Abscheu, "Als ob Du mich töten könntest," grollte sie.


Plötzlich machte sie einen Ausfall und wenn ich eine Millisekunde langsamer reagiert hätte, dann hätte ich ihren Säbel nicht von seinem Ziel ablenken können -- meine Leiste. Die Menge keuchte vor Schreck. Es glang mir, mich zu schützen, aber ihre Klinge schnitt über die Außenseite meines linken Oberschenkels und ich fühlte die Stärke durch meine verstärkten Hosen.


Da war meine Chance, den Kampf zu beenden. Ich stolperte und fiel auf die Knie, hielt das Schwert hoch um mich zu verteidigen und zu zeigen, daß ich nicht aufgeben würde, obwohl ich verwundet war. Danke sehr, Schauspielklasse. Jinjur kaufte es mir ab, glaubte mich verkrüppelt zu haben und hob ihre Klinge über ihren Kopf für den tödlichen Schlag.


"HALT!" bellte die Fürstin. Sie hatte das Recht der obersten Schiedsrichterin und das Megaphon, es zu beweisen. Jinjur stoppte ihren vernichtenden Schlag mitten im Schwung und sah aus, als hätte die Anstrengung ihre Schultern ausgekugelt. Der Schlag, der meinen emporgehaltenen Säbel traf, war trotzdem noch genug, den Stahl zu biegen. Jinjur starrte in wilder Feindseligkeit zu der Loge ihrer Großtante, nahm aber ein Art von Haltung an und hob ihre Klinge an ihre Schnauze. Sie bebte leicht von Seite zu Seite.


Ich blieb am Boden, nach Atem ringend. Meine schwarzen Hosen zeigten einen Blutstreifen -- also hatte sie DOCH das verstärkte Gewebe durchtrennt. Das muss ich unbedingt meinem Vater berichten, dachte ich mechanisch. Er wird die Rückmeldung wollen, für seine Manufaktur.


Dann wankte ich. Ich stellte mir gerade die Reaktion meiner Mutter auf diesen Kampf vor... es würde nicht Stolz sein...


Korporal Lance war plötzlich an meiner Schulter, half mir auf die Füße und legte meinen Arm um seinen Nacken. Ich beschwerte mich nicht wegen der Unterstützung, obwohl er sich durch seine Größe ziemlich merkwürdig anfühlte.


"Sir, was ist passiert?" fragte er, als er mir half vom Feld zu humpeln, unter dem aufrichtigen Beifall der Menge. "Sie haben sich so gut geschlagen --! Sie hätten sie besiegen können! Wir wissen, daß Sie besser sind als sie --"


"Aber sie weiß es nicht," krächzte ich, "und eines Tages könnte mein Leben von ihrem Unwissen abhängen..."


*


Die Männer der Leibwache behandelten mich, als wäre ich ein Gott, der vom Berg herabgestiegen war. Nicht nur, daß ich mich dem Kampf gegen General Maihem gestellt hatte, ich hatte zwei Treffer gelandet von denen jeder tödlich hätte sein können -- ein Meisterstück, das noch Niemand geschafft hatte, ganz bestimmt kein Hyänenmann. Ich unterbrach ihre Lobreden nicht, indem ich auf die verschiedenen Gesichtsnarben hinwies, die Jinjur über die Jahre erworben hatte. Sie waren einfach zu glücklich mich zu bejubeln, hochleben zu lassen und mich zu berühren, als Glückssymbol. Es hätte mich zu Tränen rühren können, wenn ich nicht vor Erschöpfung halb ohnmächtig gewesen wäre.


Sie wurden von dem Erscheinen von einer der Hofdamen Ihrer Hoheit unterbrochen, die den Befehl überbrachten, mich zur medizinischen Versorgung zum Leibarzt der Fürstin zu bringen. Ich wollte sagen, daß es mir gut ginge, aber das stimmte nicht -- mein Oberschenkel fühlte sich an, als stünde er in Flammen und jeder Muskel schmerzte. Ich ließ Korporal Lance mich stützen, als ich hinter Lady Vortigern her hinkte.


Plötzlich wurde unser Weg von einer riesigen Hyäne blockiert. Wenigstens dachten wir alle, sie wäre eine Hyäne. Gefreiter Murphy war laut Gerüchten ein genetisches Experiment, das schrecklich schiefgelaufen war, als einige unbekannte Forscher versuchten, die größte, stärkste und wildeste Hyäne mit dem größten, stärksten und wildesten Hyänenmann zu verheiraten. Was sie erhielten, war eine Art von Atavismus, eine riesige Höhlenhyäne. Murphy sah aus wie ein Gorilla, aber sie hatte den Verstand eines Kindes und war der Leibwache unterstellt worden, weil man sie nicht auf die Aussenwelt loslassen wollte. Man konnte ihr nur eine Uniform anpassen, indem man die Ärmel abriss. Selbst dann lungerte sie gewöhnlich in ziviler Kleidung herum.


"Lieutenant," murmelte sie, die Augen voll Wut und Schmerz. Sie schob den Gefreiten Lance zur Seite und schätzte mich ab, was einen Alarmruf von Lady Vortigern hervorrief, aber ich hob eine Hand und sagte, "Es ist alles in Ordnung -- Murphy steht unter meinem Kommando."


Sie schloß mich in ihre Arme, als wäre ich ein Kind und trug mich den Rest des Weges zur Krankenstube. Ich hätte schwören können, daß sie schluchzte -- still, aber ihr Körper zitterte und sie schniefte von Zeit zu Zeit.


Murphy war mir zugetan, seit ich entschieden hatte, sie mit Würde und Freundlichkeit zu behandeln, anstatt mit Hohn und Spott. Obwohl sie nicht sehr helle war, war sie doch nicht dumm und wußte, daß ihr erschreckendes Aussehen sie vom Rest der Einheit unterschied. Als Kreatur, geschaffen die ultimate Tötungsmaschine zu sein und dann behandelt zu werden wie ein nutzloses Stück Übergepäck, verletzte ihren Stolz als Hyäne und ihr Selbstwertgefühl. Unter den Hyänen hatte sie den untersten Rang; sie mußte in einer Einheit mit Männern dienen.


Ich hatte den Verdacht, daß Murphy in mich verknallt war, weil sie mir folgte und mit unhinterfragtem Enthusiasmus gehorchte. Ihr Eifer hatte seine Nachteile, weil sie manchmal nicht die Größe ihrer eigenen Stärke verstand aber sie freute sich, meine Befehle auszuführen, was mehr ist, als ich von dem Rest meiner Männer sagen kann. Im Rückblick denke ich daß, wenn Jinjur mich getötet hätte, Murphy versucht hätte, den Gefallen zu erwidern und es hätte mehr als ein Schwert gebraucht, diesen unglaublichen Hulk zu besiegen.

Sie brachte mich zum Arzt der Fürstin und setzte mich mit erstaunlicher Zartheit auf den Untersuchungstisch, ragte dann im Hintergrund auf, während ich untersucht wurde und rang unablässig ihre Hände. Jedes Mal, wenn sie mit ihren Knöcheln knackte, sprang Dr Hellyan auf und ich musste Murphy schließlich befehlen, in die Unterkünfte zurückzukehren. Sie sah mich gekränkt an und schwankte dann fort, während sie vor sich hin murmelte. Der Doktor war dann in der Lage mich zusammenzunähen.


"Das war aber eine Vorstellung, die Sie da gegeben haben," sagte sie, "zu schade, daß Sie verloren haben."


"War Ihre Hoheit sehr ärgerlich?" fragte ich, die Zähne zusammenbeissend und versuchte nicht zu zucken.


Der Doktor öffnete ihren Mund, dachte über ihre Antwort nach und schloß ihren Mund wieder. "Ich denke, ich lasse Sie selbst mit ihr sprechen," entschied sie umsichtig.


Ich seufzte. Ich konnte sie nicht an mir arbeiten sehen, ohne mich etwas krank und benommen zu fühlen. Wenigstens trat die Wirkung der Anästhetika ein. Ich schnaubte. "Meine erste Kampfwunde," grübelte ich, "und ich kann sie niemals jemandem zeigen. Außer vielleicht meiner Ehefrau."


"-- Die diejenige war, die sie Ihnen zugefügt hat," sagte Dr Hellyan.


Ich schüttelte meinen Kopf. Nicht, wenn ich es verhindern kann, dachte ich bitter.


*


Indem sie den Kampf unterbrochen hatte, verlor die Fürstin ihre Wette auf mich nicht. Also war sie glücklich. Sie betonte, daß ich zwei Treffer und Jinjur einen hatte, was mich zum Gewinner machte. Was mich glücklich machte. Jinjur glaubte, sie hätte durch Aufgabe gewonnen. Was sie glücklich machte.


Ich bat Gefreite Murphy, während der Zeit auf mich aufzupassen, in der General Jinjur sich in Kiyanti befand.


Nur für den Fall.


Was sie sehr glücklich machte.





Copyright by Kathryn Garrison Kellogg


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