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Freds Tagebuch #21

Eintrag #21 Mein Tagebuch, von Frederick Usiku Krüger





"Als sie jünger war, hatte die Fürstin eine Kompanie von handverlesenen Kriegern als ihre Kumpane. Mit der Zeit formten diese würdigen Damen ihren inneren Kreis. Da nicht alle von ihnen von edler Geburt waren, gab sie ihnen Namen, besondere Titel, um sie zu erheben und anzuzeigen, daß sie gleichgestellt seien, wie die Ritter der Tafelrunde. Sie sagte, sie hätte die Idee aus einem Buch, das sie als Kind gelesen hatte. Sie sagte ihnen, dass die Vorsilbe ´Vor-`eine Kurzform von ´Carnivore,`wäre oder ´Vorrior` je nachdem, wann sie die Geschichte erzählte; ich denke, sie erlaubte sich nur einen Spaß mit ihnen. Sie ist und war immer ein Streichespieler.


Sie waren wie ihre Schwestern. Sie war sich sicher ihnen vertrauen zu können, wenn sie sonst niemandem trauen konnte. Sie bildeten einen Verteidigungswall zwischen ihr und dem Rest der Welt. Sie kämpften mit ihr in ihren Schlachten und begleiteten sie dann nach Kiyanti, als sie Fürstin wurde. Sie genossen diese erhabene Stellung während des Großteils ihrer Herrschaft. Irgendwann begannen sie wegzusterben, nicht in der Schlacht, wie sie gehofft hatten, sondern in ihren Betten, aus Altersschwäche. Ihre Hoheit verlor kürzlich drei innerhalb weniger Monate. Mit jeder, die starb, wurde Ihre Hoheit isolierter.


Zu Beginn waren es zwölf: Vorminus, Vorashus, Vortex, Vorginal, Vormanga, Vorpal, Vorbottan, Vorullant, Vormyddibal, Vortitude, Vortigern und Voreva. Jetzt waren nur noch Vortigern, Vormanga, Vorbottan und Vorashus übrig.


Die Vorties waren einzigartig in Rackenroon und sie genossen ihre Position als Vertraute Ihrer Hoheit. Sie unterstanden niemandem, als nur der Fürstin. Aber sie waren keine Diener. Sie waren mehr wie Minister, aber man konnte sie nicht Hofdamen nennen -- das hätte sie beleidigt. Sie waren ihre offiziell gemachte "Clique". Jedermann musste sich vor den Vorties verbeugen.


Obwohl sie ihre Freunde waren, die Vertrautheit über die Jahre hatte diese Verbindungen ausgedünnt, bis zu dem Punkt, daß ihre Hoheit oft versuchte, sie loszuwerden. Sie bildeten sich ein, ihre unersetzlichen Begleiter und Ratgeber zu sein, und wollten ihren Senf zu allem und jeden abgeben, aber nicht die Verantwortung übernehmen, das Land zu regieren. Mittlerweile nahm Ihre Hoheit ihnen ihre Wichtigtuerei übel. Sie fühlte, daß sie sich aufspielten und sich viel mehr herausnahmen als sie jemals für sie vorgesehen hatte. Ihre Hoheit mochte es, Autokrat zu sein.


Dem Hof war ein Autokrat egal, aber ein Autokrat mit selbsternannten Stellvertretern war doch ein ziemlich merkwürdiges Herrschaftssystem. Ihre tatsächlichen Regierungsminister hatten es schwer, sich ihr zu nähern, ohne zuerst an den Vorties vorbeizukommen und die Vorties hielten sich selbst für die Stellvertreter Songweens. Also endeten eine Menge Dinge, die Ihre Hoheit hätte erfahren sollen damit, daß sie von den Vorties abgewürgt wurden. Dieses Bollwerk wurde zu einem tödlichen Riff für die Gesetzgebung und alles andere von dem sie dachten, es würde Songween ärgern oder langweilen.


Vervollständigt wurde das Problem durch Songweens eigenen Widerwillen, das Land tatsächlich zu regieren. Sie war seit vielen Jahren die willige Komplizin ihrer Einmischungen, erlaubte ihnen eine Abwehr zu bilden, so daß sie die guten Seiten der Macht genießen konnte, wie jagen zu gehen oder eine Party zu geben, während sie eigentlich den Haushalt ausbalancieren sollte. Wenn Songween eine schlechte Herrscherin war, dann deshalb, weil sie dabei viel Hilfe hatte.


Mein Aufstieg zu größerer Macht über ihren Haushalt ging einher mit der sich vermindernden Anzahl der Vorties, und damit wie ihr fortschreitendes Alter ihre Fähigkeiten abstumpfte, zu diktieren, wie der Hof zu führen sei. Es war tatsächlich zum Teil reines Glück, daß ich genau zu diesem Zeitpunkt dort eintraf, aber im Rückblick war es ein wirklich erstaunlich großes Glück für die Fürstin, weil die Regierung sicherlich von Jahrzehnten der Vernachlässigung kollabiert wäre, wenn ich nicht genau zu dem Zeitpunkt eingetroffen wäre, um sie zu retten. Ich versuche nicht mich wichtig zu machen -- ich schildere lediglich Tatsachen. Ich kam gerade rechtzeitig um Wasser auf ein Scheunenfeuer zu gießen, das schon seit sehr langer Zeit vor sich hinschwelte.


Es ist auch ein Glücksfall -- oder Voraussicht -- daß die Fürstin den Status der Vorties nicht erblich machte."




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