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Freds Tagebuch #26.3

Eintrag #26 Teil 3 Mein Tagebuch, von Frederick Usiku Krüger






Mein Essen versuchte mir zu helfen, indem es mir anbot meinen Magen zu verlassen, aber ich schluckte es hinunter. Indem ich das Schwert auf meinen Fingerspitzen balancierte, konnte ich etwas Zeit schinden, ich sah es der Länge nach an und testete den Griff in meiner Hand. Ja, ich würde mit der rechten Hand beginnen. Das war ein Trick, der mir schon früher geholfen hatte.


Madame Fisi wartete geduldig, ihre eigene Waffe ruhte leicht an ihrer Schulter. Der General platzierte sich in einen Gartenstuhl um zu beobachten. Professor Brown zuckte unbehaglich.


"Fisi, bitte -- leg wenigstens etwas Schutzkleidung an! Für mich!" flehte der Professor und die Gräfin stimmte zu. Er warf ihr eine Kusshand zu und trabte zu einigen Hütten am Ende des Gartens.


Er kam bald aus einer Hütte mit einem Armvoll Schutzausrüstung, ließ sie auf einen Haufen fallen und ging sie hastig durch. "Hier, ich denke, das wird Dir passen -- meine eigene Entwicklung, Karbonfaser, sehr stark und leicht, als würde man überhaupt nichts tragen --" Ich bemerkte, wie seine Hand zitterte, als er mir half sie anzulegen. Er konnte mir nicht in die Augen sehen. Er schämte sich, mich da reingeritten zu haben.


"Ist schon in Ordnung, Sir," sagte ich leise, so daß nur er es hören konnte. "Wenn dies der einzige Weg ist, zum Ziel zu gelangen..."


"Falls sie Dich umbringt, dann wird Deine Mutter mir das nie verzeihen," murmelte er zurück.


"Ich kann mir keine größere Ehre vorstellen, als von ihrer Hand getötet zu werden," versicherte ich ihm.


"Ich schon," sagte Professor Brown ironisch. "Ich kann mir vieles vorstellen. Komisch. Ich hasse Gewalt und doch bin ich verheiratet mit..." Er schüttelte seinen Kopf als er die unbenutzte Ausrüstung einsammelte und seine Frau damit einkleidete. Ich begann zu glauben, er wäre der glücklichste Mann der Welt, mit ihr verheiratet zu sein und in der Lage zu sein... wow, ich brauchte wirklich dringend eine Ehefrau, und das bald, nicht wahr?"


Ich nahm meinen Platz ihr gegenüber ein. Sie nahm so viel Rücksicht sicherzustellen, daß keinem von uns die Sonne direkt in die Augen schien. Sie warf ihre Mähne zurück, rollte mit den Schultern, beugte ihre Knie. Ich streckte meine Arme und versuchte ein paar Ausfälle um meine Beine zu lockern. Und hoffte weiterhin, daß mein Essen da blieb, wo es war.


Wir hatten beinahe die gleiche Größe. Ich war kaum halb so alt wie sie, sie hatte zehn mal mehr Erfahrung. Tausendmal mehr Erfahrung. Sie hatte den Vorteil von praktischer Erfahrung, sie hatte aber auch gerade ein ziemliches Workout hinter sich, während ich steif aber ausgeruht war. Ich machte mir nicht vor, daß irgendetwas davon auch nur ein bisschen Einfluß auf das Ergebnis haben würde.


"Wenn ihr beiden Ballerinas fertig seid," sagte Der General gedehnt, "dann solltet ihr jetzt anfangen."


Madame Fisi warf ihr einen mürrischen Blick zu.


Das war es jetzt. Alles lief auf dies hinaus -- ich würde ein Duell mit Madame Fisi haben. Und ich würde verlieren. Ich nahm einen tiefen Atemzug.


"Ich bin Lieutenant Frederick Usiku Krüger, Sohn und Erbe von Lucretia Krüger, Chefin von Clan Krüger," verkündete ich mit so ruhiger Stimme, wie ich konnte, "und ich fordere Madame Fisi Grrsn, Gräfin von Grrsen, Chefin des Clans Grrsn, um das Recht ihre Enkeltochter Kathryn zu heiraten."


"Ich, Fürstin Fisi Grrsn, akzeptiere die Herausforderung," erwiderte Madame Fisi. "Aber falls Sie das Recht von mir heute gewinnen sollten, garantiert das nicht, daß sie ihren Antrag annehmen wird. Die letzte Entscheidung liegt bei ihr."


"Ich akzeptiere Ihre Bedingungen," erwiderte ich.


"Dann lassen Sie uns beginnen."


Wir präsentierten unsere Schwerter. Ich leckte meine papiertrockenen Lippen und kämpfte darum, meine Atmung zu beruhigen. Dies ist nur ein weiteres Duell, sagte ich zu mir selbst, nur ein Duell --


-- nein, war es nicht. Das war Madame Fisi --


Ich sah nichtmal ihre Bewegung und sie hatte mich schon entwaffnet, pflückte mein Schwert aus meinem Griff und beförderte es in die Hortensien. Sie trat zurück und sagte, "Sollen wir zwei von dreien daraus machen?"


Ich bedeckte mein Gesicht mit den Pfoten aus Scham und Verlegenheit. "Es tut mir leid," wimmerte ich, es ist nur... ich bin... ich habe Sie immer bewundert, Ma'am, und dies hier... dies ist überwältigend.. als ob ich versuchen würde, gegen Gott anzutreten..."


"Gott würde Dir keine zweite Chance geben," sagte Madame Fisi und deutete mit einem Finger auf die Hortensien. Ich kramte unterwürfig nach meinem Schwert, wischte den Dreck mit meinem Ärmel ab. Ich kehrte zurück in meine Position im Hof.


"Schreien und zuschlagen, Lieutenant -- das funktioniert bei mir immer," ermunterte mich Der General. "Seien Sie tapfer! Wenn Sie irgendwelche Körperteile verlieren, hat der Professor bestimmt ein paar Ersatzteile herumliegen, er flickt Sie wieder zusammen --!"


"Tu uns einen Gefallen, Penny und halt bitte die Klappe," sagte Fisi Dem General. "Der Junge braucht nicht noch mehr Säbelrasseln."


"Ich versuche nur zu helfen!" schniefte Der General zimperlich.


Dieses mal machte ich den ersten Schlag, den sie mit Leichtigkeit abblockte und tippte dann schnell mit der flachen Seite ihrer Klinge auf meine Schulter und beide Schenkel.


"Kommen Sie, Lieutenant -- Sie versuchen es ja nicht einmal!" schalt sie mich. "Wollen Sie meine Enkelin heiraten, oder nicht?"


"Weißt Du -- vielleicht sollten wir ihn Kathy erstmal treffen lassen?" schlug der Professor von der Seitenlinie vor. "Er könnte seine Meinung ändern, sobald er sie kennengelernt hat..."


"Ich versichere Ihnen, Sir -- sie könnte Schlangen als Haare haben und würde immer noch Vyschuss und Jinjur schlagen," informierte ich ihn.


"Oh -- dann hast Du sie gesehen?" entgegnete der Professor jovial.


Fisi zog meine Aufmerksamkeit mit einem Wink ihrer Finger auf sich. "Fokus," befahl sie. Dann hob sie ihr Schwert. "Jetzt geht es ums Ganze,."


Sehr langsam streckte sie ihr Schwert aus und ich blockierte sie. Wieder. Wieder. Der kalte Stahl zischte, als die Klingen sich streichelten. Es war wie ein Tanz, Stoß, Parade, Finte, Drehung und das Tempo ständig beschleunigt, bis ich, ohne es wirklich zu bemerken, sie in voller Geschwindigkeit duellierte.


Die Welt um uns herum verschwand. Ich erinnerte mich daran, was sie getan hatte, als sie gegen den Roboter gekämpft hatte. Ich nutzte die Erinnerung, um ihre Strategie vorherzusehen, während ich mich gegen ihre Angriffe behauptete.


Sie fühlte mir auf den Zahn, teteste meine Fähigkeiten, setzte mich unter Druck, aber nicht zu sehr. Ab und zu führte sie einen Stich gegen mich und schien erfreut, wenn ich ihn erfolgreich blockte.


Sie war Quecksilber und ich war Blei. Ich tat alles was ich konnte, um mit ihr mitzuhalten. Wäre dies ein echter Kampf gewesen, dann wußte ich, hätte sie kleine Streifen Fleisch aus mir herausgeschnitten, während sie um mich herumtanzte und wirbelte, mich dabei in die Verteidigung drängte, bis ich vom Blutverlust in Ohnmacht fiel.


Es war die eleganteste und schönste Vorführung von Schwertkampf, die ich jemals gesehen hatte -- ich wünschte nur ich hätte es beobachten können anstatt daran teilzunehmen.


Ich wollte gerade auf meine linke Hand wechseln und sie damit lange genug überraschen, um einen Treffer bei ihr zu landen, als ich meine Parade falsch berechnete und ihr Schwert durch meine Verteidigung fuhr. Ich fühlte, wie die Spitze in meine Schulter fuhr, gerade über der Kante der Schutzplatte, die Professor Brown mir gegeben hatte. Ich zuckte, unterdrückte einen Schmerzensschrei und drehte meine verwundete Seite von ihr fort, während ich mein Schwert zwischen uns hielt.


Ich sah etwas in ihren Augen in dem Moment, etwas das auf halben Wege zwischen Sorge und Bewunderung war. Sie tippte gegen meine Klinge und ich schnippte sie fort, schluckte hart, um den Drang vor Schmerzen zu heulen zu unterdrücken. Stattdessen biß ich meine Kiefer zusammen und setzte den Kampf fort.


Madame Fisis Augenbrauen bogen sich aufwärts und sie umkreiste mich vorsichtig. Sie gab mir die Chance, zu Atem zu kommen. Ich denke nicht, daß sie die Absicht gehabt hatte mich wirklich zu treffen. Ich denke, sie fühlte sich schuldig, daß sie ihren Stoß nicht besser kontrolliert hatte.


Ich überraschte sie mit einem Angriff, den sie leicht abwehrte, aber ich konnte sie ein paar Schritte zurückwerfen. Mein linker Arm schmerzte zu sehr, um ihn zu benutzen, also hielt ich ihn an meiner Seite und versuchte, das Gefühl zu ignorieren, wie das Blut durch mein Fell heruntertropfte. Ich war nicht zornig auf sie. Ich fürchtete mich noch nicht einmal mehr. Ich wollte mich nur mit Ehren bewähren und vielleicht ihren Respekt als Gegner verdienen. Ich wollte nicht, daß sie es mir aus Mitleid leicht machte. Ich denke, ich habe vielleicht Den General beeindruckt, weil ich ein leises Murmeln der Zustimmung hörte, als ich Madame Fisi zurückwarf.


Ich wollte einen Treffer bei ihr landen, aber wie sie stand und ihre Waffe hielt, bot sie ein sehr kleines Ziel. Ich wußte, sie konnte wegen der Brille nicht in meinen Augen lesen, aber ihre Jahre im Feld hatten ihr die Fähigkeit der Vorahnung gegeben. Sie entgegnete und wehrte jeden meiner Versuche ab.


Plötzlich schmerzte mein Handgelenk -- sie hatte die Rückseite meiner Hand mit der Fläche ihrer Klinge geschlagen, als wollte sie mich dafür bestrafen, sie zu bedrängen. Das waren zwei Treffer gegen mich -- noch einer und der Kampf wäre vorüber. Und damit auch meine Hoffnung auf Erlösung.


Ich wich zurück und wir umkreisten uns. Ich konnte jetzt nicht mehr zulassen, daß sie mich verwirrte. Ich war müde, ich hatte Schmerzen und ich fühlte mich nicht sehr gut -- es wäre leicht, in diesem Zustand einen Fehler zu machen. Ich brauchte etwas Zeit um mich zu sammeln. Taktischer Rückzug ist erlaubt, wenn Du mit Verstärkung zurückkommst...


Wir wechselten eine weitere Serie von Schlägen und es gelang ihr meine Klinge in ihrem Handschutz zu fangen und meinen Arm gegen meine Brust zu zwingen, drückte mein Schwert dabei gegen meine verwundete Schulter, ihre eigene Klinge kitzelte die Haare auf meinem Ohr. Ihre Schnauze war nur ein paar Inches von meiner entfernt. Wäre dies eine echte Kampfsituation gewesen, dann hätte sie die Gelegenheit genutzt, mir das Gesicht wegzubeißen.


Stattdessen fragte sie mich ruhig, "Falls Sie wüßten, das nichts was Sie tun könnten irgendeinen Unterschied machen würde, würden Sie es trotzdem tun?"


Ich zwinkerte. Was für eine seltsame Frage...


"Ja, das würde ich, Ma'am," antwortete ich ihr. "Zu glauben, daß ich einen Unterschied für die Welt bedeuten könnte, ist das, was mich morgens aufstehen läßt."


Sie schaute grimmig, und stieß mich fort. Ich bereitete mich auf ihren nächsten Angriff vor, aber sie streckte sich und hob ihre Klinge, zuerst im Salut, dann gegen ihre Schulter.


Sie gab den Kampf an mich.


Ich taumelte etwas, als ich erkannte, ich hatte gewonnen, oder zumindest, daß sie sich mir ergeben hatte. Außer Dem General war ich vielleicht die einzige Person, die diese Erfahrung gemacht hatte.


"Versprechen Sie mir, daß Sie meine Enkelin beschützen werden," fragte sie.


"Mit meinem Leben, falls nötig, Ma'am," versicherte ich ihr mit schwacher Stimme.


Sie sah, daß ich etwas schwankte, und legte eine Hand auf meinen Arm. "Lassen Sie uns mal Ihre Schulter ansehen," sagte sie.


"Es geht mir gut," murmelte ich, obwohl ich den Blutfleck sah, der sich auf dem Stoff meiner Jacke ausbreitete. So viel dazu, eine rote Jacke im Kampf zu tragen.


Sie nahm mir das Rapier ab, legte einen Arm um mich und half mir zu dem Gartenstuhl, den Der General gerade freigemacht hatte. Beide hatten mich niedergestreckt und halb ausgezogen, bevor ich mich beschweren konnte. Penthesilia rümpfte die Nase und schickte Professor Brown ins Haus mit einer Liste von Erste Hilfe Sachen, während Madame Fisi eine Flasche Wasser aus einem Kühler unter dem Tisch nahm, eine der Leinen Servietten vom Essen anfeuchtete und sanft die Wunde sauber wischte. Ich zuckte zusammen; Ich fand die Hand des Generals in meiner und ich drückte sie. Sie gab unter meinem Griff nach. Es war ihre lebendige Hand.


Die beiden murmelten ermutigend auf mich ein, zart und weich, zarter und weicher als irgendjemand für möglich gehalten hätte, am wenigsten ich. Professor Brown kam zurück, sagte aber kein Blut sehen zu können. Er übergab den Korb mit antiseptischen Salben und Bandagen und zog sich in sichere Entfernung zurück.


Die Wunde war nicht sehr tief. Sie hatten die Blutung bald gestillt, einen Verband angebracht und bestanden darauf, daß ich mich hinlegte, mit einem Glas Limonade, während ich mich erholte. Professor Brown schlug etwas Leber zum Abendessen vor, weil ich das Eisen brauchen könnte.


"Ich denke, er hat eine Menge Eisen, trotz seines weichen Aussehens," sagte Der General, mit einem fast liebevollen Lächeln zu mir. "Er hat einen Kern aus Stahl."


Madame Fisi schüttelte ihren Kopf.


"Diamant," entschied sie.


*


Später am Nachmittag, als sie sich darauf verständigt hatten, daß ich wieder gehen könnte, begleiteten die Grrsns Den General und mich zu ihrem Dienstwagen als wir gingen. Der aufgeschreckte Chauffeur, von ihrem Nickerchen aufgewacht, sah verwundert meine blutige Jacke und die Armschlinge an, die ich jetzt trug, gab aber keinen Kommentar.


Der Professor versicherte mir zum x-ten Mal, daß er die Armschützer verbessern würde. Madame Fise sah mich aus ihren Eis-grau-blauen Augen an und sagte, "in einer Woche wird meinen Enkeltochter fünfundzwanzig. Wir werden im Familienbau eine Geburtstagsfeier für sie geben. Sei dort."


Dann drehte sie sich auf den Zehen um, und ging zurück in ihr Haus. Die Tür schloß sich. Das war es.


Ich war drin.


Der General lächelte.


"Hmpf! Das lief gut!" verkündete sie erfreut, als sie ins Auto stieg.


Als wir zurück zur Basis fuhren, dachte ich darüber nach, was gerade geschehen war. Es war ein erhellender Nachmittag gewesen.


So. Ein amerikanischer Erbe war von vorneherein die Absicht meiner Mutter gewesen. Es mußte sie maßlos geärgert haben, daß es eine Sache gab, die sie mit ihrem Geld nicht kaufen konnte -- Madame Fisis Zustimmung. Es brauchte dreißig Jahre und einige Tropfen vom Blut ihres Sohnes, bis sie das bekommen konnte.





Copyright by Kathryn Garrison Kellogg

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