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Freds Tagebuch #27.3

Eintrag #27 Teil 3 Mein Tagebuch, von Frederick Usiku Krüger





Ich beobachtete Kathryns Gesicht eingehend über den Dessert Gang. Sie war eine Millionen Meilen entfernt und ich hatte sie dorthin getrieben. Die Party begann sich zu zerstreuen, so

bald die Teilchen aufgegessen waren und ich hielt mich bedeckt, während sie sich von ihren Freunden und Großeltern verabschiedete, bevor ich versuchte, mich ihr zu nähern. Ich wollte mit ihr sprechen, privat, ein Versuch die Sache gerade zu rücken.


Sie ging in die jetzt verlassene Höhle, und ließ sich auf eines der Sofas fallen, um versonnen in die sterbende Glut des Feuers zu starren. Ich zögerte in der Tür. Der Raum war abgedunkelt, beleuchtet lediglich von dem orangenen glühen des Kamins. Ich schaute das Profil ihres Gesichts an, umrahmt von Gold, das Licht des Feuers spielte mit ihrer Mähne. Es war kein unattraktives Gesicht, wenn es nur nicht so grimmig und niedergeschlagen aussähe...


Ich versuchte herauszufinden, wie ich am Besten die Karten ausspielte, die ich bekommen hatte. War sie ein Joker oder eine Königin? Oder ein wenig von beidem? Nur die Zeit würde es zeigen -- und Zeit hatten wir nicht...


"Kommst Du jetzt rein, oder was?" hörte ich ihre Stimme aus der Dunkelheit murmeln. "Hör auf dort herumzuschweben, Du machst mir Angst."


Ich trat voll in den Raum und stellte mich dahin, wo sie mich sehen konnte. "Entschuldigung, Ma'am."


Sie sah mich säuerlich von oben nach unten an. "Darf ich Sie etwas fragen, Lieutenant?"


"Ja, Ma'am."


"Wie werde ich Sie los?"


"Die kurze oder die lange Version, Ma'am?"


"Beide."


Ich verschränkte und entschränkte meine Hände hinter meinem Rücken. "Nun, das ist kompliziert, Madam. Da Sie Zivilistin sind und kein Mitglied meines eigenen Clans, haben Sie keine Autorität über mich. Allerdings, falls Sie die Bedingungen des Ediktes der Fürstin akzeptieren, dann wären Sie automatisch die zweithöchste Hyäne in meiner Befehlskette."


"Dann könnte ich Ihnen befehlen zu verschwinden?"


"Er, technisch gesehen... aber meine Befehle von der höchstrangigen Hyäne in meiner Befehlskette, würden mich immer noch zu Ihrem Leibwächter machen." Und die von der dritten und der vierten...


"Also -- hab ich Sie am Hals?"


"Für die absehbare Zukunft, Ma'am. Ja."


Sie verzog ihren Mund und zupfte an ihrem Sofakissen. Sie versuchte, mich anzusehen, konnte aber nicht.


"Es... tut mir leid, daß ich mich wie ein Idiot aufgeführt habe," murmelte sie.


"Sie hatten jedes Recht dazu, Ma'am." versicherte ich ihr monoton.


"Nein, hatte ich nicht." Sie sah mich mit einem betrübten Seufzer an.


"Was ist mit Ihnen?" fragte sie, "was denken Sie über diese ganze... arrangierte Ehe Geschichte?"


Ich holte Luft. "Es ist etwas, von dem unsere Familien denken, daß es ein großer Vorteil ist," sagte ich taktvoll. "Ich möchte unsere ehrenwerten Vorfahren nicht vor den Kopf stoßen. Ich habe seit fünfundzwanzig Jahren mit diesem Wissen gelebt. Es hat mein gesamtes Leben bestimmt. Ich hatte die Gelegenheit meinen Frieden damit zu machen. Es tut mir leid, daß es Ihnen so unerwartet und auf so garstige Weise mitgeteilt worden ist. Wäre es nach mir gegangen, ich hätte es ganz anders angefangen..."


Sie hob eine Augenbraue. "Oh? Wie hätten Sie es denn gemacht?"


Ich blies meine Backen auf und zuckte die Schultern. "Anders," versicherte ich ihr fest.


Eine lange, unangenehme Stille folgte. Das Feuer zischte und poppte. Die Uhr in der Halle begann die Stunde zu läuten.


Sie sah mich wieder düster an. "Müssen Sie mich so anstarren?" fragte sie.


"Es tut mir leid, Ma'am. Das ist die Brille."


"Es macht mir Angst. Könnten Sie sie absetzen?"


"Nicht, wenn ich noch etwas sehen möchte, Ma'am."


"Schon gut."


Sie rutschte in eine etwas schicklichere Position und klopfte auf den Sitz neben ihr. "Kommen Sie, Lieutenant -- entspannen Sie sich. Lassen Sie uns darüber sprechen."


Ich verspannte mich. "Ich bleibe lieber stehen, Ma'am."


Sie schürzte ihre Lippen. "Och, Sie sind ja ein richtiger Spaßvogel, oder? grummelte sie, warf dann ihren Kopf zurück und drückte die Ballen ihrer Hände in ihre Augen. "Das war der schlechteste Geburtstag überhaupt --! Zwischen Ihnen, dem kleinem Zinnsoldaten und Mama Fisi, die morgen mit meinem Krieger Training beginnen will und all dem anderen Mist, geht mein Leben gerade den Bach runter."


"Nun -- mein Leben hat sich gerade bedeutend verbessert, als Sie sich entschieden, Ihre Erbe anzunehmen," informierte ich sie. Sie schätzte mich scharf ab.


"Hey, ich habe noch gar nichts angenommen! Ich sagte nur, ich bespreche es mit der Fürstin!" Sie schmollte einen Augenblick, verschränkte dann ihre Arme und zuckte die Schultern. "Eine Woche in Afrika -- ich könnte den Urlaub brauchen. Könnte vielleicht ein interessanter Artikel in der Zeitung draus werden. Ich könnte ihn 'Der Weg nach Rackenroon' nennen."


Dann schwieg sie und sah mich neugierig an. "Was meinen Sie mit, Ihr Leben hat sich verbessert --?"


Ich zuckte die Schultern, fühlte mich seltsam eklig innen drin. "Sie geben mir eine Chance, Ma'am. Eine Chance... die ich vor heute Nacht nicht hatte."


"Ja, nun -- jeder, der verrückt genug ist, mit meiner Großmutter zu kämpfen, hat das verdient," entschied sie. "Und jeder Mann, der von beiden meiner Großmütter das persönliche Siegel der Zustimmung bekommen kann, muß..."


Sie hielt inne ohne ihren Gedanken zu beenden. Ich fühlte meine Brust glühen.


Sie stand auf und seufzte, streckte sich dann, was unbeabsichtigterweise ein wenig von ihrem cremeweißen Bauch entblößte. Ich fragte mich, wie sie in jenem mysteriösen Kettenhemd-Bikini aussehen würde. "Nun, ich gehe jetzt besser ins Bett. Bis Morgen, Lieutenant. Ich muß früh raus. Mama Fisi will mich um äh - dunkel-dreißig sehen, um mit meinem 'lange überfälligen' Kriegertraining zu beginnen."


"Dann wünsche ich Ihnen eine Gute Nacht, Ma'am," sagte ich, nickend. "Ich hoffe, Sie schlafen gut."


"Ich hoffe, ich kann überhaupt schlafen."


Sie begann, an mir vorbeizugehen, hielt an und betrachtete mein Gesicht aus der Nähe, als wollte sie mir mit ihren Augen die Brille von der Nase pflücken. Sie würde nur ihr eigenes Spiegelbild in den Gläsern sehen. Ich fühlte mich sehr unwohl in ihrer Nähe, aber ich wagte nicht, mich zu rühren.


"Haben Sie wirklich mit meiner Großmutter um das Recht gekämpft, mir einen Antrag machen zu dürfen?" fragte sie ruhig.


"Ja, Ma'am," antwortete ich genauso ruhig.


Ein Ausdruck von Mitgefühl ließ ihren Ausdruck weicher erscheinen. "Sie... sagte mir, daß sie Sie verwundet habe. Und Sie haben weitergekämpft. Stimmt... das?"


Ich schluckte langsam und nickte dann. "Ja, Ma'am." murmelte ich.


Die Vorstellung platzte ungefragt in meinen Kopf, wo sie sagte, "Lass mal sehen," und wie ich scheu meine Jacke aufknöpfte, um meine verletzte Schulter zu entblößen; sie würde sanft mit ihren Fingerspitzen um die heilende Wunde herumfahren, sich versichernd, daß ich gewillt war mein Leben zu riskieren, um sie zu gewinnen. Ich würde ihren beschleunigten Atem in meinen Schnurrhaaren spüren; sie würde mich küssen, sanft, dort im Licht des sterbenden Kaminfeuers und in mein Ohr flüstern...


"Wow," hörte ich sie grunzen, "Sie sind tapferer, als Sie aussehen."


Damit verließ sie den Raum. Ich sah sie gehen, lauschte dann, wie ihre Schritte fort und dann die Treppe hinauftappten.


"Ja, Ma'am," stimmte ich ruhig zu.


*


Dieser kleine Funke von Anziehung wurde in den nächsten Tagen ausgelöscht von ihrer fast unerträglichen Grobheit mir gegenüber. Sie hatte überhaupt keine Ahnung von Protokoll oder Sozialordnung. Es war völlig klar, daß sie von Hippies aufgezogen worden war. Sie wehrte mich generell ab. Sie behandelte mich mit offenem Missfallen und Verachtung und nur mein Brigadetraining hielt mich davon ab, ihr die Meinung zu sagen.


Und doch war sie freundlich und höflich, verglichen mit ihrer Schwester. Fräulein Sandy hatte eine sadistische Ader, um die sie ihre Kusinen beneidet hätten und hatte Gefallen daran mich zu verspotten im Versuch mich die Fassung verlieren zu lassen. Ich war sehr froh, daß nicht sie die Erbin war.


Eigentlich stellte sich keine von ihnen als das heraus, was ich mir von ihnen erhofft hatte -- obwohl sie den Alternativen immer noch vorzuziehen waren, kam ich zu dem Schluß, daß ich mein bitteres Schicksal zu tragen hatte. Ich würde höflich sein, ich wäre würdevoll, ich würde ihre Beleidigungen tolerieren, ich würde meine Pflicht für das Land nach bestem Wissen und Gewissen erfüllen, ich würde mich hinter einer Maske aus Unergründlichkeit verbergen und ich würde alles in meiner Macht stehende tun, um ihr aus dem Weg zu gehen. Sie dazu zu ermutigen, nach meiner Ernennung zum Regenten nach Amerika zurückzukehren, schien ein immer besserer Plan zu werden, mit jedem Tag der verging.


Aber hauptsächlich würde ich mich mit dem Gedanken trösten, daß die Dinge wesentlich schlimmer sein könnten."





Copyright by, Kathryn Garrison Kellogg



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