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Freds Tagebuch #29

Eintrag #29 Mein Tagebuch, von Frederick Usiku Krüger





Welches Einverständnis wir auch immer erreicht hatten in jener Nacht, es verschwand schnell, als der Ernst der Lage bei ihr einzusinken begann. Was ich erreicht hatte, indem es mir gelungen war, einen Haufen belgische Waffeln mit echter Schlagsahne, Erdbeeren und gebratenem Speck zu saubern, verdampfte schnell unter dem Trainingsregiment von Madame Fisi. Mir wurde zu verstehen gegeben, daß Fräulein Grrsn keine Morgenperson war und daß oh-dunkeldreißig aufzustehen, um im Morgentau zu joggen, genaugenommen eine höllische Strafe für sie ist. Und da ich derjenige war, deswegen diese Strafe erst möglich wurde, ließ sie natürlich ihre Unzufriedenheit an mir aus. Ich wagte nicht, ihr zu sagen, daß in Afrika die meiste Arbeit zwischen vier und sieben Uhr morgens geleistet wurde, weil danach die Sonne am Himmel steht und es zu heiß ist, sich um irgendetwas zu kümmern.


Während des Wochenendes arbeitete Madame Fisi mit ihr, bis ihre Schwester Sandy sich um sie kümmern musste und am folgenden Montag meldete sie sich krank, weil sie viel zu viel Muskelkater hatte, um zur Arbeit zu gehen.


Madame Fisi ist eine sehr fähige Trainerin und ich habe überhaupt keine Zweifel, daß sie in den kommenden Wochen dazu in der Lage sein wird, ihre Enkelin in eine passable Kriegerin zu verwandeln. Ich bin nur froh, daß diese Arbeit nicht an mir hängen blieb. Es fällt mir schon schwer, den Job auszufüllen, den ich habe.



Während ihre Großmutter sie mit einem Stock um den Hinterhof jagte, machte ich mich in der Küche nützlich, wobei ich die Zustimmung meiner zukünftigen Verwandten gewann. Ma Grrsn (wie sie mir sagte, daß ich sie nennen sollte) bot mir an, in einem ihrer Gästezimmer zu übernachten und rang mir einige meiner meist geschätzten Rezepte ab. Der Kontrast zwischen ihr und ihrer Mutter war in der Tat groß, aber obwohl sie mehr nach ihrem umgänglichen Vater kam, konnte ich einen Anflug von Madame Fisis Stahl in ihr erkennen. Falls sie gewollt hätte, dann wäre Tina Grrsn selbst ein großer General geworden. Der Verlust der Brigade war vielleicht ein Gewinn für den Weltfrieden.


Was Kathryns Vater angeht, Arfur Senior, ähnelt er seinen Eltern überhaupt nicht, um genau zu sein, ich hätte angenommen, sie hätten ihn verlassen auf einem Berggipfel gefunden und adoptiert, was natürlich in höchstem Masse unangenehm für mich gewesen wäre, wenn es so gewesen wäre. Aber es war klar, daß Penthesilia einen überzeugenden Grund gebraucht hatte, um zu heiraten -- und bei -- Reggie zu bleiben, deshalb glaube ich, daß Arf tatsächlich ihr Sohn ist.


Er ist freundlich, er ist intelligent, er hat einen guten Sinn für Humor und liebt seine Familie von ganzem Herzen. Seine Spitznamen für seine Kinder sind Prinzessin, Kätzchen und Buddy. Er ist ein Mann mit großer persönlicher Seriosität, selbst wenn er Witze macht über "Streiche spielen" mit anderen Leuten und er liebt seine Arbeit. Ein wenig ist von seiner Großmutter, der Fürstin in ihm, mit seinem unbekümmerten Auftreten, besonders wenn es um ernste Angelegenheiten geht. Er sagt, er mag es etwas morbide. In der kurzen Zeit, in der ich ihr Gast war, hatte er keine Bestattungen durchzuführen, aber er gab mir eine Führung durch seine Leichenhalle, die im Keller des Baus liegt.


Die Entscheidung, ein Bestattungsunternehmer zu werden, hatte einen soliden ökonomischen Grund. Arfurs Familie würde nie Hunger leiden. Wie die Fleischversorgung in Amerika gehandhabt wird ist interessant. Während es im Bottich erzeugtes Fleisch gibt, ein Abfallprodukt der Krebsforschung, wird "frisches" Fleisch von kürzlich Verstorbenen geliefert. Die Toten werden zerlegt und ihre Häute konserviert und präpariert und dann bei der Beerdigung ausgestellt, während das Fleisch an die Supermärkte geliefert wird. Das System verschwendet nichts und es gibt wesentlich weniger Druck zu jagen, so daß Fleisch- und Pflanzenfresser recht friedlich miteinander verkehren können. Jagen ist noch immer erlaubt, aber sehr stark reguliert und benötigt einen Haufen an Genehmigungen -- überhaupt nicht wie in Afrika, wo jemand sich im Grunde nackt auszieht und jemanden anderen umbringt.


Kathryns Bruder, Arfur Junior kommt nach seinem Großvater Reggie. Er hätte seinem Vater im Bestattungsgewerbe folgen sollen, aber er hielt es mit der Arbeit nicht aus. Er versuchte sich als Landschaftsgärtner, hauptsächlich Löcher für Lebewesen zu graben, aber hauptsächlich lungert er um den Bau herum und sorgt bei seiner Mutter für Wutanfälle. Er ist kein schlimmer Finger, er hat nur keine Ambitionen, und ich fürchte, daß die kürzlichen Eröffnungen über seine Verbindung zur königlichen Familie einen schädlichen Einfluß auf ihn haben werden.


Seine Verlobte, Stazi, ist angeblich ziemlich hübsch und Ma Grrsn hält sie für eine schamlose Mitgiftjägerin, die es auf ihr Territorium abgesehen hat. Selbst ohne die Rackenroon Verbindung, wenn weder Sandy noch Kathryn legitime Erben haben, dann wird Arfurs Ehefrau Madame Fisis Land und Titel erben und deshalb denkt Ma Grrsn, daß Stazi Arfur Junior dazu verführt hat, ihr einen Antrag zu machen, um genau das zu erreichen. Sie ist gegen diese Verbindung, besonders, weil Stazi eine Ausländerin ist, die kaum englisch spricht.


Was ist bloß los mit russischen Hyänen, daß sie sich an Männer mit Geld heranmachen...?


Um es noch schlimmer zu machen, Stazi ist eine braune Hyäne. Ich zögerte, Ma Grrsn darauf aufmerksam zu machen, daß Welpen aus so einer Verbindung höchst unwahrscheinlich wären, da die Spezies genetisch inkompatibel sind, aber damit begann erst der Streit mit ihrer anderen Tochter, Sandy, diejenige, die mit einem Otter zusammen lebt. Anders als die meisten Hyänen ist Ma Grrsn ziemlich besessen von der Frage nach Nachkommen, oder um genau zu sein, dem Mangel daran von ihren eigenen erwachsenen Kindern. Sie ließ sich lang und breit darüber aus, wie sie fast die Hoffnung auf Erben aufgegeben hatte, an die sie ihr Eigentum weitergeben konnte.


Ich bin ja so froh, daß Sie da sind, Lieutenant Kruger," seufzte Ma Grrsn. "Jetzt, endlich, bekomme ich vielleicht einige Enkelkinder..."


Ich war dankbar, daß zu dem Zeitpunkt Madame Fisi und Kathryn von ihren Übungen zurückkehrten, Fisi kaum außer Atem, Kathryn auf allen vieren kriechend und nach Luft schnappend, als stünden ihre Lungen in Flammen.


"Du bist erbärmlich," sagte Madame Fisi düster. "Du bist das armseligste Exemplar einer Hyäne, die ich je getroffen habe! Du bist fast so weich, wie ein Hyänenmann!"


Sie schaute mich an. "Das soll keine Beleidigung sein, Lieutenant."


"Schon in Ordnung," zuckte ich mit den Schultern.


"Lass mich in Ruhe, Oma," Kathryn seufzte, als sie auf einem Stuhl zusammenbrach, "lass mich in Frieden sterben..."


"Ah, Krieger Training," sann Ma Grrsn, "ich erinnere mich."


"Du hast Dir das Bein gebrochen, am ersten Tag auf dem Hindernisparcour," grinste Madame Fisi. "Du konntest mit dem Training nicht weitermachen --"


"Ich weiß," sagte Ma Grrsn selbstgefällig. "Ich habe es absichtlich gebrochen."


"Warum habe ich bloß nicht daran gedacht?" stöhnte Kathryn. Ihre Großmutter setzte sich auf ein Kissen neben ihr und begann, die Beine des Mädchens zu kneten.


"Weil ich den Bruch mit zwei Stöcken und einem Gurt gerichtet und Dich hätte weitermachen lassen," sagte sie. "Du, mein Kind, musst die Fähigkeiten eines Kriegers lernen."


"Sogar, wenn es mich tötet," riet Kathryn.


"Das wird es, wenn Du nicht lernst," sagte Madame Fisi. Sie schoß einen langen Seitenblick auf mich.


"Mußte Sandy diesen Scheiß auch machen?" fragte Kathryn dann, als ich ihr pflichtgemäß eine Flasche eines Sportgetränks brachte und sie für sie öffnete. Ich fragte mich, ob sie von mir erwartete, es in ihren Mund zu gießen, aber sie nahm sie mir aus der Hand und stürzte es hinunter.


"Vor ein paar Jahren, ja," sagte Madame Fisi.


"Wie hat sie sich gemacht? Hat es sie auch umgehauen?"


Madame Fisi schürzte ihre Lippen. "Nein... sie war in besserer Form als Du. Sie hat zwei Stiefsöhne, um die sie sich kümmert. Die halten sie fit."


Das war die erste nette Sache, die ich eine von ihnen über Sandys Familie sagen hörte.


Das Mädchen selber tauchte ein paar Minuten später auf, stilvoll gekleidet in einen Trainingsanzug und trug eine Tasche dazu, die, wie sich herausstellte, gefüllt war mit Salben und medizinischem Zubehör.


"Tut mir leid, daß ich zu spät bin," sagte sie ohne weitere Erklärung, als sie den Zustand ihrer Schwester begutachtete.


"Du bist spät dran, damit Du den ganzen Spaß verpasst," krächzte Kathryn. Sandy grinste.


Sie sprach mich an, während sie Kathryns Puls kontrollierte. "Sie sind früh hier, Lieutenant... wann sind Sie eingetroffen?"


"Oh, ich war nie fort," sagte ich und nippte an meinem Kaffee. Ich konnte das Gewicht von Sandys erstauntem Blick fühlen. Sie sah zurück zu ihrer Schwester.


"Mann, kein Wunder, daß Du so fertig bist," sagte sie. "Das ist schlecht für die Beine, weißt Du."


"Halt die Klappe," sagte Kathryn.


Ich verpasste den Rest der Flachserei, da ich dachte, es wäre Zeit hineinzugehen und das Frühstück vorzubereiten. Mittlerweile waren Herr Grrsn und der junge Arfur die Treppe heruntergekommen. Herr Grrsn war leger gekleidet und sah gepflegt aus. Arfur sah mitgenommen aus, von dem was er nach der Party in der vergangenen Nacht gemacht hatte. Ich kann nicht sagen, daß ich ihn beneidete, aber ich beneidete ihn um seine Freiheit, tun zu können, was immer er wollte, mit wem er wollte. Er war tatsächlich mein Gegenpol. Er hing über seinem Kaffee, und ließ den Dampf in seine Nase steigen.


"Du siehst frisch aus, heute Morgen, Lieutenant," murmelte er. Ich nickte, als ich einen Teller mit Waffeln vor ihn schob. Er wurde augenblicklich munter. "Wuhu! Ich könnte mich an Deine Gegenwart gewöhnen!" entschied er.


"Ich fürchte, ich werde nicht lange bleiben können," sagte ich zu ihm, während ich die nächste Ladung startete. "Wir werden Anfang August nach Rackenroon aufbrechen."


"Das sind noch zwei Monate," zuckte Arfur mit den Achseln, als er seine Waffeln großzügig in Sirup ertränkte, "Viel Zeit." Er teilte ein riesiges Stück ab und schob es in seinen Mund, kaute zweimal und erstarrte dann mit einem erstaunten Ausdruck auf seinem Gesicht.


"Stimmt etwas nicht, Sir?" fragte ich ihn.


"Oh, mein Gott," murmelte er als er geschluckt hatte. Er sah mich mit ungeteilter Anbetung an. "Wenn meine Schwester Dich nicht heiratet, dann tue ich es --! Dieses Zeug ist FANTASTISCH! Ich habe noch niemals etwas so - so Gutes geschmeckt!"


"Ähem," sagte seine Mutter trocken, und verschränkte ihre Arme.


Er zeigte seinen Teller. "Ma -- echte Schlagsahne -- nicht das Zeug aus der Spraydose!"


"Ich wollte für den Kuchen gestern Abend echte Schlagsahne machen, aber mir fehlte die Zeit," sagte Ma Grrsn ihm mit verletztem Stolz. Arfur grub sich durch seinen Teller mir bewundernswerter Begeisterung, während ich seinem Vater servierte.


"Dad, das musst Du probieren!" sagte er, und bald kaute der Vater glücklich und nickte zustimmend.


"Hört sich an, als hättest Du ein paar neue Fans, Lieutenant," bemerkte Ma Grrsn.


Ich seufzte, als ich Erdbeeren über einen besonderen Teller löffelte und dann eine gewölbte Haube darüber stülpte. "Danke sehr -- aber es gibt da noch eine Person, die ich wirklich beeindrucken muss," sagte ich ihr und ging nach draußen, den Teller auf den Fingerspitzen balancierend.


Sie verabschiedete sich gerade von jemandem an ihrem Handy, als ich eintraf. "Ich fasse es nicht" sagte sie ärgerlich, "Walter will Wolflynx und Lockley schicken, damit sie meine Reise dokumentieren! Es ist ja schon schlimm genug, daß ich da hineingezwungen werde, ohne daß er noch Profit aus dem Unglück schlägt!"


"Entschuldigen Sie bitte, Euer Gnaden...?"


Sie warf mir einen düsteren und wilden Blick zu. "Was willst DU denn?"


Ich blieb kühl. "Ich habe ihr Frühstück bereitet," sagte ich, und lüftete die Haube unter ihrer Nase, so daß sie den vollen Effekt aus Geruch und Anblick bekam. Ihre Augen wurden rund.


"Belgische Waffeln --?"


"Ja."


"Mit Schlagsahne und Erdbeeren?"


"Selbstverständlich."


"Und gebratenem Speck...?" Ihre Nase zitterte und ihr Mund sabberte sichtlich.


"Gibt es denn eine andere Art?" fragte ich.


Sie legte einen Arm um meine Schulter und schob mich ins Haus, als sie den Teller aus meiner Hand nahm.


"Louie -- das sieht aus, wie der Beginn einer wu-hunderschönen Freundschaft!" entschied sie, ihr Schwanz wedelte vor Begeisterung.


Ich hörte Madame Fisi grunzen, "Das ist doppelt so viel Kalorien, wie sie diesen Morgen verbrannt hat..."


"Ach, hör schon auf, Omi," sagte Sandy. "Sie hat diese netten, breiten, gebärfreudigen Hüften..."




Copyright by Kathryn Garrison Kellogg



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