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Freds Tagebuch #30.4

Eintrag #30 Teil 4 Mein Tagebuch, von Frederick Usiku Krüger





Ich traf sie in der Lobby des Zeitungsgebäudes. Wie erwartet, machte sie ein langes Gesicht, als sie mich ausmachte. Sie entschuldigte sich von ihren Freunden und kam zu mir herüber, bot mir ihre Handgelenke, als würde sie erwarten in Handschellen gelegt zu werden.


"Es ist Zeit, daß Du mich für Dein Geld laufen läßt, eh?" fragte sie.


Ich zupfte an der Brille auf meiner Schnauze und sagte mir ausgesuchter Höflichkeit, "Nein. Ich habe für diesen Abend etwas anderes vor."


Jetzt gab sie mir einen halb finsteren Seitenblick. Ich brachte sie aus der Lobby und öffnete die Tür meines Autos, begleitet von einem schwungvollen Wink meines Armes. Ich schaute nicht hin, aber ich hoffte, daß ihre Kollegen zuschauten.


Ich setzte mich hinter das Lenkrad und steuerte in den Verkehr. Ganz ehrlich, ich hasste es, den Lotus im Stadtverkehr zu fahren, da ich fürchtete, er könnte überhitzen aber er machte einen viel besseren Eindruck, als der öffentliche Verkehr gemacht hätte.


Ich fuhr hinüber zur Gäste Suite, parkte in der Tiefgarage und nahm sie mit hinauf in dem gläsernen Aufzug, den mit dem spektakulären Blick über die Stadt. Sie sagte nichts, sie warf mir nur fragende, leicht argwöhnische Blicke zu.


Oben angekommen, stiegen wir aus und benutzten den Spezialschlüssel, um die Penthausetage zu betreten.


"Du wirst mich vom Dach schubsen, oder?" fragte sie mich.


"Nein. Es könnte jemand verletzt werden, wenn Sie auf ihm landen, Ma'am."


Ihr Einatmen, als ich sie in die Suite brachte, war es wert. Sie stand da, drehte sich in einem langsamen Kreis, der Mund stand offen und sie sah völlig fehl am Platze aus in ihrem T-shirt und der Jeans. Ich ließ sie gaffen und ging zur Küche hinüber, wo ich damit begann, sachen aus dem Kühlschrank zu nehmen und sie auf die Theke zu stellen.


"Da Sie sagten, Sie könnten mit vollem Magen besser denken," sagte ich zu ihr, "habe ich mir die Freiheit genommen, eine Mahlzeit vorzubereiten in der Erwartung, Ihnen Ihre erste Lektion in der politischen Geschichte von Rackenroon zu geben. Es ist eine sehr trockene Angelegenheit, also habe ich eine Menge Sukkulentengerichte gemacht. Das einzige, was ich im Gegenzug erwarte, ist Ihre volle und respektvolle Aufmerksamkeit."


Sie glotzte noch immer das Appartment an. "Gehört das -- Dir?" fragte sie.


"Gegenwärtig, ja." ich begann damit, Sachen in der Mikrowelle aufzuwärmen.


"Mein Gott, Louie -- hier gibt es ein Echo!" bemerkte sie erstaunt. "Dieser Ort muss Dich ein Vermögen gekostet haben!"


"Ach, das ist... nichts," zuckte ich die Achseln


Sie legte ihre Arme um den Rumpf. "Ich habe Angst etwas anzufassen... es ist alles so... so weiß...!"


"Sie werden sich daran gewöhnen. Bitte, setzen Sie sich, Ma'am."


"Aber ich werde auf die Couch haaren!"


"Dafür gibt es Staubsauger!" versicherte ich ihr.


Langsam sank sie in einen Sessel, immer noch aussehend, als ob sie erwarten würde, jeden Moment von der Security erwischt und hinausgeworfen zu werden. Ich brachte ihr ein Kristallglas mit Eistee.


"Du... bist wirklich reich," sagte sie mit leiser Stimme.


"Ich fürchte ja, Ma'am."


Sie sah ihren Eistee an und schnippte gegen den Rand um das klingen des Kristalls zu hören. "Du musst das alles nicht machen, nur um mich zu beeindrucken, Louie..." murmelte sie.


"Sie beeindrucken, Ma'am? Was macht sie glauben, daß ich Sie beeindrucken wollte? So lebt meine Familie. Mehr als das, um genau zu sein." Ich kehrte zur Küche zurück. "Falls ich Sie beeindrucken wollte, dann hätte ich einen Smoking angelegt oder so etwas."


Sie nahm einen zögerlichen Schluck aus ihrem Glas und setzte es dann vorsichtig auf den Cocktail Tisch. "Kein Wunder, daß Du so steif und formell bist," sagte sie, "Wenn ich an so einem Ort leben müsste, dann wäre ich nie in der Lage, mich zu entspannen."


"Der Palast von Kiyanti ist viel... gewöhnlicher," versicherte ich ihr, als ich die Teller in der Mikrowelle auswechselte.


Sie stand auf und ging zum Eßtisch hinüber, den ich zuvor mit feinem Porzellan für zwei gedeckt hatte. Sie hatte einen Stapel alter Bücher bemerkt und ein E-Buch und blätterte sie durch. "Das hast Du ernst gemeint -- Du willst mir wirklich eine Lektion über Rackenroon geben."


"Was hatten Sie denn gedacht, was ich tun würde, Ma'am?"


Sie zuckte die Achseln und sah aus wie ein verlegenes, schuldiges Kind, das mit der Hand in der Keksdose erwischt worden war. "Weiß nicht..."


Ich kam mit der ersten Speise und setzte sie auf einen Dreifuß. "Die Klauseln meines Vertrages mit Ihrer Urgroßmutter sind da ganz genau," informierte ich sie, als ich den Deckel lüftete, um den ersten Gang für ihre Begutachtung zu enthüllen. "Jungfräulichkeit ist erforderlich. Von uns beiden."


Sie war erschreckt von dieser offenen Bemerkung. "Du meinst, wenn ich es nicht wäre -- wenn ich... bereits --"


"Ja. Ma'am." Ich seufzte.


"Oh. Meine Güte." nuschelte sie. Ich sah ihre Ohren rot werden. "Du meinst, Du hast noch nie...?


"Nein. Genaugenommen Sind sie die erste Hyäne, mit der ich je ganz alleine war."


Das war nicht ganz wahr, aber ich mußte nicht in solche schmutzigen, besser vergessene Details gehen.


"Übrigens -- ich vermute, daß dieser Ort mit Sicherheitskameras gespickt ist. Meine Mutter ist so gründlich, wie sie paranoid ist."


Ich kehrte zur Küche zurück und holte das nächste Gericht. "Also verbringen wir einen ruhigen Abend in einer Multimillionen Penthouse Suite und stecken die Köpfe über einem Haufen alter Lehrbücher zusammen, schlürfen Eistee und erfreuen uns an einem höchst bekömmlichen Mahl," versicherte ich ihr. "Kein Hokus. Kein Pokus."


"Du weißt, wie man ein Mädel bei Laune hält," spottete sie.


"Ich gebe mein Bestes, Ma'am," verbeugte ich mich.


*


Am Ende des Abends, sie war satt, zufrieden und viel geneigter mir die respektvolle Aufmerksamkeit zu geben, um die ich gebeten hatte. Sie schien sogar etwas Interesse an dem zu haben, was ich ihr beibringen wollte, was ein genereller Überblick über die Geschichte der Maramasai war.


Aber ich sah, wie ihr die Augen zufielen und Ihr Gähnen häufiger wurde und weniger versteckt, also schloss ich das Buch um zehn Uhr und streckte mich.


"Sollen wir morgen damit fortfahren, Ma'am? fragte ich sie.


"Mmm." sie bettete ihren Kopf auf die gekreuzten Arme. "Ich könnte jetzt auf der Stelle einschlafen... Truthahn macht das mit mir..."


Ich stand auf. "Ich fahre Sie nach Hause."


Sie betrachtete mich aus einem halboffenen Auge. "Kann ich nicht einfach... hier bleiben?"


Ich ließ den Gedanken für ein paar lange Sekunden im Raum stehen. Schließlich gab es hier drei Schlafzimmer...


"Ma'am, ich gehöre nicht zu der Sorte Männer, die gerne neben sonderbaren Frauen in einem Bus sitzen," sagte ich ihr, "geschweige denn, einer zu erlauben, eine Nacht in meinem Heim zu verbringen."


Sie setzte sich entrüstet auf. "Ich bin keine sonderbare Frau --!"


"Da haben Ihre Freunde vom Cross Time Cafe aber ganz Anderes erzählt," entgegnete ich glatt. "Sie schienen zu denken, Sie wären wirklich sehr sonderbar."


Sie warf den Kopf zurück, rollte mit den Augen und seufzte schwer. "Touché," sagte sie ironisch. "Touché."


Ich hielt ihr meine Fingerspitzen hin. "Kommen Sie jetzt, Ma'am. Zeit, Sie nach Hause zu bringen."


Sie ließ ihre Hand in meine gleiten und drückte sie leicht. "Danke für das Abendessen, Louie. Du verwöhnst mich mit Deinen Kochkünsten."


"Ich mache nur meinen Job, Ma'am." Es ärgerte mich ein wenig, daß ich ein kitzeln meinen Arm hinauflaufen fühlte von ihrer Berührung. Ich wollte ihr gegenüber kühl bleiben. Auf die Weise wäre es so viel einfacher.


"Du machst Deine Aufgabe gut, Louie. Obwohl ich nicht hilfreich bin." Sie kam auf die Füße und streckte sich mit einem Gähnen. "Lass mich für Dich den Abwasch machen --"


"Nein, Ma'am... ich habe eine Maschine dafür. Ich bringe Sie jetzt besser nach Hause."


Sie gab auf, und ließ mich sie zur Tür begleiten. "Dudley Do-Right," sagte sie, "An den erinnerst Du mich..."


"Bitte ruinieren Sie nicht den Augenblick, Ma'am," bat ich sie, als ich die Suite abschloß und sie zum Aufzug geleitete.


In der Nacht war war der Effekt des Runtergleitens über vierzig Stockwerke hinab in einem Glaszylinder, aus dem man über die Stadt hinwegsehen konnte, etwas verwirrend und ich fühlte, wie sie sich gegen mich drückte, um das Gleichgewicht zu wahren. So, wie die Lichter an uns vorbei und nach oben rauschten, konnte leicht schwindelig machen.


Sie sprach nicht viel, bei der Fahrt durch die Stadt. Sie sagte mir, ich könnte sie vor dem Gebäude herauslassen. Als sie die Autotür schloß, erinnerte sie sich an etwas und lehnte sich herüber um zu fragen, "Treffen wir uns am Morgen für das Training?"


"Wenn Sie wünschen," sagte ich ihr.


"Kann ich Deine Telefonnummer haben? Ich könnte Dich vielleicht erreichen müssen."


Ich kritzelte meine Nummer auf einen Papierstreifen und gab ihn ihr. Sie las ihn, nickte dann und drehte sich, um zu gehen. Ich wollte schon den Schalthebel betätigen, als sie sich noch einmal herumdrehte und mich ernst ansah.


"Es tut mir leid, daß ich mich wie ein Arsch aufgeführt habe," sagte sie. Dann langte sie herüber und kratzte wieder mein Wangenfell. Sie lächelte zaghaft.


"Gute Nacht, Louie. Bis morgen!"


Ich nickte und saß da, wie sie die Stufen hinaufhüpfte und durch die Vordertür ihres Gebäudes verschwand, und beobachtete weiter, bis ich das Licht in ihrem Fenster angehen sah. Dann schaltete ich in den ersten Gang und ging auf eine Fahrt um die Stadt herum.


(Fortsetzung folgt...)




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