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Freds Tagebuch #32

Eintrag #32 Mein Tagebuch, von Frederick Usiku Krüger






Als die Tage zu Wochen wurden, war ich erleichtert, daß die Intensität meiner Gefühle für sie nachließ. Das in nicht geringem Maße der Tatsache geschuldet, daß ich sie besser kennenlernte. Zwischen ihrer quecksilbrigen Natur und dem korrumpierenden Einfluß ihrer Freunde fand ich mich in einem harten Kampf wieder, einerseits um ihre Aufmerksamkeit gefesselt zu halten, als auch um meine geistige Gesundheit.


Ich gebe hier den Text eines Briefes wieder, den ich verfasst hatte und Ihrer Hoheit schicken wollte, um sie in meine Fortschritte mit ihrer Enkelin einzuweihen, als Beispiel womit ich es zu tun hatte:



"An Ihre Hoheit, Songween, Fürstin von Rackenroon:


"Teil der von Ihrer Hoheit mir auferlegten Verantwortung ist es Ihre potentielle Erbin, Fräulein Grrsn, in den Pflichten einer Fürstin auszubilden. Bisher habe ich mich mit ihr in ihrem Appartment in New Yak City mehrere Abende der Woche getroffen, denen sie mit irritierter Gleichgültigkeit entgegensieht. Aber da ihre Großmütter ihr klargemacht haben, daß sie diese ganze Angelegenheit durchziehen muss, hat sie sich mit meinem Eindringen in ihre Privatsphäre abgefunden.


Ich empfinde in der Tat etwas Sympathie für sie. Mir ist sehr bewußt, wie überwältigend die Situation ist, und so wie sie von der Situation überfallen worden ist... nun, ich wünschte, die Dinge hätten anders gehandhabt werden können, diplomatischer, aber ich wurde nicht gefragt und Der General war schon immer berühmt für ihre Überraschungsangriffe.


Also, um sie zugänglicher zu machen, bringe ich entweder Abendessen mit oder bereite etwas für uns in ihrer Küche zu. Wie die meisten Hyänen hat sie einen unersättlichen Appetit, aber anders, als die meisten Hyänen ist sie dankbar für meine Anstrengungen und lobt mich für meine Kochkunst. Ich muß gestehen, diese Neuheit gefällt mir sehr.


Sie ist, alles in allem, eine nette Person, wofür ich ihr Aufwachsen im egalitären Amerika verantwortlich mache, wo die Spezies per Gesetz miteinander auskommen müssen. Sie hat nicht diese Aura von grausamer Überlegenheit, die afrikanische Hyänen aus ihren Poren verströmen. Sie benutzt ihre Zähne zum lächeln.


Allerdings ist sie eine ziemlich widerwillige Schülerin. Ich weiß nicht, ob sie gelangweilt, angeekelt, unaufmerksam oder alles zusammen ist, aber ich ertappe mich selbst dabei, wie ich mich ständig über ihr Desinteresse an dem Lehrstoff beschwere. Ich denke, sie versucht lediglich, die Realität zu vertreiben indem sie sie beharrlich ignoriert. Sie ist nicht mehr grob oder feindselig mir gegenüber, was eine Erleichterung ist, aber sie scheint sich nicht besonders um das zu kümmern, was ich ihr beizubringen versuche. Ich fühle mich an die kleinen Kinder im Waisenhaus in Rackenroon erinnert und wie sie versuchen würden, sich um die Hausaufgaben zu drücken, indem sie sich abwechselnd einschmeichelnd und launisch geben.


Ich möchte nicht, daß sie es mir verübelt, aber es ist lebenswichtig, daß sie wenigstens ein Minimum der sozialen Konventionen ihres zukünftigen Landes aufnimmt, so daß sie alles parat hat, wenn sie dort eintrifft.


Selbst wenn ich sie auf die Herausforderungen aufmerksam mache, die von ihren Rivalinnen kommen werden, scheint sie eher geneigt zu sein zu glauben ich würde "übertreiben", nach ihren Worten. Sie scheint zu glauben, daß die Rechtstaatlichkeit, die in Amerika gilt, auch in der Maramasai gültig ist, aber nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Ich kann es nicht riskieren sie abzuschrecken, aber ich kann auch nicht zulassen, daß sie unvorbereitet nach Kiyanti geht.


Daß sie nicht wirklich ihre Zeit mit mir verbringen will, ist schmerzhaft offensichtlich, aber ich denke, ich kann ihre Einstellung verstehen. Ich würde sicherlich keine Zeit mit Vyschuss oder Jinjur verbringen wollen. Und... um ganz ehrlich zu sein... sie und ich haben nicht viel gemeinsam. Sie ist eigentlich mein komplettes Gegenteil, voll von offenem Spott, der verletzen würde, wäre er nicht so offen und ehrlich.


Glücklicherweise habe ich Zeit meines Lebens meine Gefühle unterdrückt, weil, bei ihren Mätzchen zu explodieren meinen Plänen sehr abträglich wäre. Ich kann es mir nicht leisten, sie zu verprellen. Also beiße ich auf meine Zunge und warte auf meine Zeit.


Die Angelegenheit wird noch durch ihre Schwester verkompliziert, Fräulein Sandy. Sandy beherrscht perfekt die arrogante Hyänen Einstellung und sie macht auch kein Geheimnis daraus, daß sie mich verabscheut und mir mißtraut. Obwohl sie von ihren Großmüttern dazu verpflichtet wurde, Kathryn beizustehen und ihre Leibwächterin zu sein, scheint sie zu denken, daß das bedeutet, sie müsste bei jeder Gelegenheit an meinem Stuhl sägen.


Es scheint, daß jedesmal, wenn ich mit Kathryn Fortschritte mache, Sandy auftaucht, um all meine harte Arbeit zu zerstören, indem sie Kathryn korrumpiert. Und Kathryn unterstützt und hilft ihr bereitwillig. Sie und ihre Schwester sind genug, um die Geduld eines Heiligen zu versuchen. Zusammen haben sie die Energie von vier Hyänen in zwei Körper gepresst. Ich versuche, meine Distanziertheit aufrecht zu erhalten, aber sie scheinen fest entschlossen zu sein, mich aus der Fassung zu bringen.


Eines Abends versuchte ich, die Jüngere in Rackenroons politischer Geschichte zu unterrichten. Die Ältere tauchte auf unter dem Vorwand, ein schnelles Abendessen mit ihrer Schwester zu haben und fuhr fort hier herumzuhängen und mich zu reizen und zu verspotten, während ich versuchte, den Unterricht fortzuführen; sie schien nicht zu erkennen, daß jede Minute Ablenkung nur die Lektion verlängerte, nicht verkürzte. Ich gab mein Bestes, meine Würde zu bewahren aber als die Jüngere begann mitzumachen, von ihrer bösen, älteren Schwester angestiftet, brach ich schließlich ab und platzte heraus, "Ihr beide seid unmöglich! Ihr habt keinen Sinn für Anstand und Etikette! Wollt ihr das bitte Ernst nehmen? Ihr werdet niemals in Rackenroon überleben, mit dieser lässigen Einstellung! Ihr -- ihr seid wie der Typ in dem Film, der der in der prüden Stadt herumtanzt --!"


Nun, das war offenbar genau das Falsche, weil die beiden ein schalkhaftes glänzen in den Augen bekamen -- sie wußten genau, welchen Film ich meinte -- und die Ältere ging zu der Stereoanlage und suchte genau das eine Lied heraus, zu dem sie dann tanzte -- ziemlich gut, muß ich sagen -- und spielte eine imaginäre Gitarre. Ihre jüngere Schwester machte schnell mit, als hätten sie es geübt. Ich stand nur da, fassungslos, als sie durch das kleine Appartment sprangen, ihre Schultern schüttelten, mit den Hintern wackelten, von den Möbeln sprangen, in Kerzenleuchter sangen und sich verhielten wie zwei ausgelassene Welpen auf Koffein.


Als mir bewußt wurde, daß sie genug Lärm machten, um die Nachbarn zu stören, bat ich sie sich zu beruhigen, aber das brachte sie nur dazu, sich auf mich zu konzentrieren; sie glitterten und rutschten um mich auf die respektloseste Weise, und fanden es urkomisch, daß es da eine Zeile im Text gab, der "Louie" --ihr Spitzname für mich -- aufforderte, "ihnen weiche Knie zu machen". Genaugenommen schienen sie zu denken, daß das gesamte Lied irgendwie an mich gerichtet war. Sie machten eine große Schau daraus, die Worte mit dem Mund nachzuformen, während sie provozierend um mich herumtanzten.


"Du spielst den Coolen

Gehorchst jeder Regel

Aber tief in Deinem Herzen

Brennst Du und verlangst nach etwas

Daß jemand Dir sagt

Daß das Leben nicht an Dir vorbeigeht

Ich versuche Dir zu sagen

Das wird es, wenn Du es nicht versuchst..


Ich war dann peinlich berührt, als ich dort wie ein Leuchtturm auf einem Felsen in der Mitte der tobenden See stand. Ich konnte nicht zulassen, daß sie sähen, wie ich mich krümmte, als der treibende Beat um uns herum pulsierte und wirbelte. Sie machten sich dann an mich heran, eine von jeder Seite und rollten ihre Schultern gegen meine, hatten mächtigen Spaß daran, mich auf diese Weise aufzuziehen. Dann sprangen sie auf den Tisch, und kickten unbekümmert all unsere Notizen und Nachschlagewerke in die Luft. Wie sie es schafften, daß er nicht unter ihren stampfenden Füßen zusammenbrach ist mir unbegreiflich. Ich machte einen schlechten Versuch, meine Bücher zu retten und sie sprangen über meinen Kopf, lachten, landeten mit einem einzigen erschütterndem Bumms und tanzten dann geschickt durch die Tür hinaus, und ließen mich alleine und nach Luft schnappend in der Mitte der Verwüstung zurück, die das Wohnzimmer des Appartments war.


Ich hasse diese beiden. Sie, Madame, werden sie wahrscheinlich lieben.


-- Ihr gehorsamer Diener, Lieutenant F. Krüger"


(ich habe diesen Brief nie abgeschickt.)




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