Suche
  • Michael

Freds Tagebuch #33.2

Eintrag #33 Teil 2 Mein Tagebuch, von Frederick Usiku Krüger





Der Kildall Zwischenfall kostete uns wertvolle Zeit. Wir sollten am ersten August nach Rackenroon aufbrechen. Ich mußte sicherstellen, daß Kathryn und in geringerem Maße, Sandy bis dahin bereit wären. Ich war mir der fortschreitenden Zeit sehr bewußt und entschied, daß ich einige kühne Schachzüge vollziehen musste, um meine Position als ihr Vertrauter zu sichern.


Da ich mich erinnerte, daß sie sich darüber beschwert hatte, mich zu heiraten, ohne vorher mit mir ausgegangen zu sein, nahm ich den Anlaß eines Konzertes im lokalen Seniorenheim und bat um ihre Erlaubnis, sie dorthin zu begleiten. Ihr Großvater und seine Band Sodbrennen würde unter den Mitwirkenden sein. Ihre ganze Familie würde dorthin gehen, also konnte es nicht wirklich als "zusammen Ausgehen" zählen, aber ich würde es als solches behandeln und versuchen, einen guten Eindruck auf sie zu machen. Seit Scooter fort war, blies sie während des Unterrichts so sehr Trübsal, daß ich der Ansicht war, etwas tun zu müssen, bevor ich sie komplett verlor. Es war Zeit, zur Tat zu schreiten.


Zu diesem Zweck trug ich meinen weißen Anzug und nahm meinen Lotus, um sie von der Arbeit abzuholen. Ich war etwas enttäuscht, daß sie es nicht für nötig gehalten hatte, etwas hübscheres als ihr übliches T-shirt und Jeans zu tragen; Ich war noch mehr verstimmt, daß sie Fräulein Highwater eingeladen hatte, uns zu begleiten. Wenigstens gefiel Helen mein Auto, obwohl sie zusammengekauert auf der Schaltung mitfahren mußte.


Wir trafen bald am Veranstaltungsort ein und wieder gerieten meine Pläne durcheinander, als Kathryn unten in der Nähe der Bühne bei ihren Eltern sitzen wollte und nicht in der Privatloge der Brigade, was ihr Recht gewesen wäre. Ich bin mir nicht ganz sicher, was ich in der Loge mit ihr gemacht hätte, aber wenigsten wäre es nicht so dicht an den Verstärkern gewesen. Gut, daß ich meine Ohrstöpsel mitgebracht hatte.


Es gab eine Verzögerung bei dem Konzert, als ihr Großvater feststellte, daß ein Ex-Bandmitglied von ihm, Felonious Monkey, ebenfalls spielen würde. Offensichtlich hatten sich ihre Wege nicht freundschaftlich getrennt und beide weigerten sich, auf eine Bühne zu treten, auf der der Andere schon gespielt hatte. Der General und Sandy regelten das mit einem subtilen Trick und das Konzert begann.


Einmal, als ich für sie Klavier spielte, lobte mich die Fürstin, indem sie wehmütig sagte, daß, wenn ihr Sohn Reg so viel musikalisches Talent gehabt hätte, wie ich in meinem kleinen Finger, sie sich nicht gegen sein Vorhaben, Musiker zu werden, gewandt hätte. In dieser Nacht verstand ich, was sie gemeint hatte. Sodbrennen spielte ihr Programm mit angemessenem Enthusiasmus und Energie für siebzigjährige, aber... nun, ich mag Kanonensalven, und ich mag das Klappern von Kochutensilien und auch die Schreie der Besiegten haben etwas für sich, aber nicht, wenn ich Musik hören will. Außerdem, das gleiche vier-Buchstaben Wort am Ende jeder Zeile zu wiederholen, macht noch kein Reimschema.


Unglücklicherweise hatte die Anstrengung des Auftritts eine tiefgehende schädliche Wirkung auf Reg -- nach dem Konzert wurde er bewußtlos auf dem Boden seiner Ankleide gefunden. Seine Enkelin Sandy schloß schnell, daß er einen Schlaganfall hatte und so verbrachten wir die Nacht im lokalen Krankenhaus während der Prinz stabilisiert wurde.


Das änderte Alles. Ein Teil von Kathryns Anspruch auf den Thron beruhte darauf, in der Lage zu sein, ihre Abstammung von der Fürstin beweisen zu können und Reginald/Regulus war die unverzichtbare Verbindung. Wenn er stürbe, oder im Koma läge, wäre es eventuell unmöglich, sie vom Hof als Erbin anerkannt zu bekommen, egal, was ihre Urgroßmutter proklamiert hatte.


Kathryn und ich trafen etwas nach dem Rest der Familie ein. Wir wurden per Telefon auf unserem Weg zum Abendessen zurückgerufen; ich hatte für uns im besten Restaurant der Stadt reserviert. Ich hatte mein Tagebuch mitgebracht und wollte es ihr präsentieren, mit der Hoffnung, daß es zu lesen, ihr helfen würde, mich als Mann zu sehen und nicht nur als eine steife und lästige Uniform. Ich hatte sogar schon geplant, ihr einen Gute-Nacht Kuß zu geben, um ihr zu zeigen, daß ich dazu in der Lage sei, und vielleicht würde sie mich dann in einem neuen und etwas schmeichelhafteren Licht sehen. Ich hatte wirklich vorgehabt, mich ihr von meiner besten Seite zu zeigen, aber es sollte nicht sein. Ich drehte um und fuhr Richtung Krankenhaus noch bevor sie das Gespräch mit ihrem Vater beendet hatte.


Während die Familie angespannt auf Nachrichten über Regs Zustand wartete, hielt ich mich im Hintergrund, um meinen nächsten Schritt zu planen. Eines, das interessant war zu beobachten, war die große Sorge, die alle für Reg zeigten -- sogar Der General, die die ganze Nacht neben seinem Bett saß. Ich hatte geglaubt, daß sie Reg für wenig mehr als einen verrückten alten Narren hielt, kaum ertragen von seiner angewiderten Ehefrau, aber in der Nacht verstand ich die Grrsn-Knochenbecher Familie klarer und besser, als ich je für möglich gehalten hatte. Während sie die Spannung mit grimmigen Witzen zu lindern versuchten, waren sie doch offensichtlich besorgt um "Opa" und hielten zusammen zu seiner Unterstützung.


Die Brigade schickte einen jungen Korporal herüber, um Regs Tür zu bewachen -- einige dachten, es wäre, um ihn von der Flucht abzuhalten, wenn er wieder zu sich käme, aber ich wußte, es war, weil er Prinz Regulus war und Der General glaubte, daß er möglicherweise physisch angegriffen worden war, bei einem potentiellen Anschlag. Die Familie buhte diese Idee aus, aber als Madame Fisi eintraf, nahm sie es ernst genug, um zur Konzerthalle zurückzukehren und nach Hinweisen zu suchen.


Aber nicht, bevor sie mich beiseite genommen hatte und mich gewarnt hatte, mit klaren Worten, daß sie ein Auge auf mich hielt und daß, wenn irgendetwas ihrer Enkelin zustoßen würde, sie mich jagen und ausnehmen würde, wie einen Fisch. Ihre Haltung war ganz anders, als die der milden Zustimmung, die sie mir in früheren Interviews gezeigt hatte. Die Möglichkeit eines Anschlags auf den alten Mann, hatte sie an ihre Bedenken erinnert, die sie hatte, Kathryn die Erbin von Rackenroon werden zu lassen, die sie gehegt hatte, seit den lange vergangenen Tagen als meine Mutter mit der Idee an sie herangetreten war. Ich versicherte ihr, der Gedanke zu erlauben, daß Kathryn irgendetwas zustoßen könnte, mir völlig fernlag. Sie machte klar, sie würde mir nicht trauen, weil ich der Sohn meiner Mutter wäre. Sie sagte, sie hätte den Verdacht, ich hätte "etwas vor". Sie war da natürlich sehr scharfsinnig.


Oder vielleicht war sie nur eine Großmutter, die besorgt war, was wir an unserer "Verabredung" anstellen könnten. Als würden die Bedingungen meines Vertrages so etwas erlauben...


Die Zeit zog sich als wir auf Neuigkeiten über Regs Zustand warteten. Ich machte mich nützlich, indem ich mich der Familie widmete, Tassen mit Kaffee brachte und andere Dinge vom Proviantmeister. Ich war so leise wie ein gut ausgebildeter Butler mit meiner Fürsorge.


Irgendwann, es dämmerte beinahe, fand ich mich neben Kathryn im Wartezimmer sitzen. Ihr Ausdruck war niedergeschlagen und hohl. Nach einer Weile schaute sie mich an und sagte, "Es tut mir leid, daß wir Deinen Abend ruiniert haben, Lieutenant. Ich weiß, das dies nicht das war, worauf Du gehofft hattest."


Ich zuckte die Achseln. Meine Gedanken wirbelten jetzt schon seit Stunden durcheinander. Wie hätte ich ihr sagen können, daß viel mehr als unsere Verabredung ruiniert worden war, durch die Ereignisse dieser Nacht? Daß vielleicht alle meine sorgfältig ausgearbeiteten Pläne und Vorhaben in Stücke zerbrochen waren, daß Alles, dem ich mein Leben gewidmet hatte, der Vernichtung nahe war? Wäre es ihr egal? Sollte ich ihr sagen, daß sie selbst vielleicht in großer Gefahr war, falls der Verdacht Des Generals sich bestätigte und ein feindliches Lager versucht hatte, den Prinzen zu ermorden?


Dann fühlte ich einen leichten Druck gegen meinen Arm. Sie hatte sich gegen mich gelehnt. Ich dachte, sie beanspruchte vielleicht die Armlehne zwischen uns und bewegte mich leicht fort von ihr, aber sie lehnte sich ein bisschen weiter herüber, damit ihre Schulter weiter meine berührte. Sie wollte diese Berührung. Ich fühlte mich pötzlich merkwürdig warm.


"Ich fürchte mich, Louie," murmelte sie, so daß nur ich sie hören konnte. "Ich hörte meine Omas sprechen... sie denken, jemand könnte versucht haben, Opa zu erledigen. Sie denken, jemand könnte herausgefunden haben, wer er ist und das ich die nächste sein könnte." Sie schaute mich an und zum ersten Mal, seit ich sie kannte, war da kein Humor in ihren hellen blauen Augen. "Sie sind auf dem Holzweg, richtig? Nur paranoide Brigadiers, wie üblich -- richtig? Sandy und der Doc sagen, Opa hatte einen Schlaganfall. Sie sollten sich damit auskennen -- richtig?" Sie studierte mein ausdrucksloses Gesicht. "Diese Scheiße mit Rackenroon wird mich doch nicht wirklich umbringen, nicht wahr, Louie?" Ich konnte fast hören, wie sie mich beschuldigte, mich in Gefahr zu bringen, und die Leben von jedem, den sie liebte, einfach dadurch, daß ich sie aufgesucht hatte. Bis ich gekommen war, hatten sie anonym und glücklich gelebt.


Ich entschied dann und dort, Kathryn mehr über die Lage in Rackenroon zu erzählen, um sie auf das vorzubereiten, was vor ihr lag. Sie war schockiert von meiner Eröffnung über den potentiellen Weltkrieg und ihr entscheidender Anteil an dem Versuch, ihn zu verhindern. Ich wollte ihr noch mehr erzählen, viel mehr, aber sie wurde vom Doktor gerufen, als Reg zu sich kam. Ich hatte in jener Nacht keine weitere Gelegenheit mit ihr zu sprechen.


*


Wie sich herausstellte, fand Madame Fisi tatsächlich Beweise dafür, daß Reg nach dem Konzert angegriffen worden war, aber es war kein Mordanschlag gewesen -- es war viel peinlicher als das. Reg hatte sich auf eine online Affäre eingelassen, aber als seine junge Geliebte herausgefunden hatte, daß er nicht der "reiche, gutaussehende Rockstar Prinz" war, der er vorgegeben hatte zu sein, hatte sie ihm einen übergebraten. Die Frau war keine andere als Lola Cavalette, Scooter Kildalls Ex-Freundin und Reg war der mysteriöse Geliebte, für den sie ihn fallengelassen hatte.


Der General ging mit der Situation mit weit größerer Würde um, als ich für möglich gehalten hatte. Offensichtlich wollte sie den Vorfall nicht bekannt werden lassen, also hatte sie ein Gepräch mit Fräulein Cavalette und ließ sie gehen. Mit Reg jedoch war sie etwas mehr... äh... nun, wenn er sich nicht gerade im Krankenhaus hätte erholen müssen, dann hätte sie ihn wahrscheinlich umgebracht.


Ich wurde selbst Ziel ihrer Wut an dem Tag. Es war furchterregend. Ich weiß nicht, ob der Betrug oder die Beschämung sie mehr verletzte. Vor der Nacht im Krankenhaus wäre ich sicher gewesen, daß es ihr Ego war, das tief verwundet worden war, weil sie schon seit Jahrzehnten keine Liebe mehr zu ihrem Ehemann fühlte, falls sie ihn überhaupt jemals geliebt hatte; aber ich werde nie den Anblick von ihr vergessen, wie sie als lebende Britannia, neben seinem Bett saß, wie er so alt und zerbrechlich aussah mit einem Netzwerk von Schläuchen und Drähten, die ihn mit einem Dutzend Monitore verbanden, wie sie mit dem Schlaf kämpfte, ihr Gesicht vor Gram verzogen, ihren Ehemann vor dem herumlungernden Schatten von Gevatter Tod beschützend. Sie hätte ihn sterben lassen können und wäre von ihm befreit gewesen... aber sie tat es nicht. Bedauerte sie es? Ich kann es nicht sagen. Vielleicht dachte sie an die Erbfolge und wie wir Reggie benötigten, um die Erbfolge zu beweisen. Oder vielleicht hatte sie andere Gründe. Ich traue mich nicht, sie zu fragen.


Auf jeden Fall, war Kathryn nach diesem Vorfall interessierter daran von Rackenroon zu lernen. Ich war überrascht, um wieviel aufmerksamer sie war -- sie schien ein ganz anderer Schüler zu sein. Sie schien sich sogar auf unsere Treffen zu freuen und verwickelte mich in Diskussionen, die ihr helfen sollten, zu verstehen auf was sie sich da einlassen würde. "




Copyright by, Kathryn Garrison Kellog


1 Ansicht

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Freds Tagebuch #48

Eintrag #48 Mein Tagebuch, von Frederick Usiku Krüger Nach Kathryns bewegendem Rückblick nahm ich mir ein paar Augenblicke, um selber etwas in mein Tagebuch zu schreiben. Der aufgehende Vollmond war

Freds Tagebuch #47

Eintrag #47 Mein Tagebuch, von Frederick Usiku Krüger Wir holten die Anderen beim nächsten Dickicht ein. Es ging langsamer voran und war schwieriger, da die Dornenbüsche so dicht standen. "Fühlen Sie

Freds Tagebuch #46

Eintrag #46 Mein Tagebuch, von Frederick Usiku Krüger Ich traf Horn wie er graste. Ich nickte ihm zu, als ich an ihm vorbeiging und er stand auf und fragte mich ruhig, "Sind Sie... okay, Lieutenant?"

@ 2019 Erstellt mit Wix.com