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Freds Tagebuch #8

Eintrag #8 Mein Tagebuch, von Frederick Usiku Krüger






"Nach dem Abschluß an der Akademie, bewarb ich mich an der Cambridge Universität und wurde angenommen. Die meisten Kadetten gehen direkt in die Brigade, aber ich hatte einen Karriereplan für mich vorbereitet bekommen, einen, der für mich ein Diplom in Buchführung vorsah, neben anderen Dingen.


Ich nahm Kurse in Buchführung, Geschäftsführung, Wirtschaft, Politikwissenschaften und in schauspielern -- auf den ersten Blick eine merkwürdige Wahl, vielleicht, aber dahinter steckte ein berechnete Absicht.


Cambridge bedeutete Freiheit für mich. Sicherlich, die Seminare waren schwierig und es gab eine Menge davon, aber ich konnte endlich das Leben einer normalen Person leben. Oder so normal, wie es eine Person in meiner Situation einrichten konnte.


Ich hatte immer noch keine wirklichen Freunde, aber ich hatte einen "Kreis", eine Gruppe von Studienkollegen, die Interessen mit mir teilten und mit denen ich herumziehen konnte, um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Ich war die einzige Tüpfelhyäne in meiner Klasse und zuerst wurde ich ein wenig als Anomalie betrachtet. Machmal wurden die Dinge etwas peinlich und ich dachte, das wäre, weil sie Angst vor mir hatten, aber später fand ich heraus, daß es wegen des widerlichen Rufes war, den meine Spezies sich erworben hat.


Ich strengte mich an, ein Botschafter für meine Rasse zu sein, aber ich schätze, sie hielten meine geschliffenen Umgangsformen für ein Anzeichen, daß ich homosexuell wäre; ich weiß, ich habe viele Hänseleien auf mich genommen, weil ich weibliche Gesellschaft gemieden habe, wie die Pest. Als ich die Nase voll davon hatte, erzählte ich meinem engsten Kollegen, meinem Stubenkameraden, ein Wolf namens Trevor, daß ich technisch gesehen verlobt sei und daß mir durch die Klauseln des Vertrages verboten war, Verhältnisse mit weiblichen Hyänen zu haben, außer mit meiner voraussichtlichen Braut. Er lachte nur und wies darauf hin, daß das nicht verbieten würde "Abenteuer" mit Mädchen von den anderen fünftausend, vierhundert und fünfzehn Spezies zu haben. "Fünftausend, vierhundert und zwölf Spezies", korrigierte ich ihn pedantisch. "Es gibt vier Arten von Hyänen."


Dann fuhr Trevor fort sich selbst unerträglich zu machen, indem er mir bohrende Fragen stellte, darüber, ob ich es mit Männern treiben könnte und ich versicherte ihm, daß "Jungfrau" meinte "in allen Öffnungen." Es war hochgradig aufdringlich und ausgesprochen peinlich und ich war nahe dran, mich meinen Genen zu ergeben und ihn zu Brei zu schlagen. Glücklicherweise war es das Ende des Semesters und wir wurden im nächsten Semester nicht als Zimmergenossen zugeteilt.


Ich hatte auch meine Lektion gelernt und habe nie wieder ein Wort über meine persönliche Situation zu irgendeinem meiner Studienkameraden verloren während des Restes meiner Studienzeit. Ich trennte mich von dem "Kreis" und zog mich in die Einsamkeit zurück. Ich nahm weiter an Spielen teil und ging zu Museen und so weiter -- Ich nutzte jeden Vorteil den ich bekam -- aber ich tat es alleine.


*


Allerdings, in der Schauspielklasse mußte ich mich mit anderen Studenten abgeben.


Nun, Hyänen sind nicht gerade als Förderer der Künste bekannt. Trotzdem erheben wir Anspruch auf die große Wilma Shakespear. Wer könnte je solche Klassiker vergessen, wie "Wie Ihr wollt, Madame," "Die Zähmung der Hyäne," "Zwei Hyänenmänner von Verona", "Die Komödie des Schreckens"; und ich sollte den Burschen MacBeth spielen, als erste männliche Hyäne überhaupt. All die Rollen sind gewöhnlich mit weiblichen Hyänen besetzt, wenn das Schauspiel in Afrika aufgeführt wird. Meine Eltern waren natürlich entrüstet, als sie es herausfanden. Aber da war es schon zu spät und ich konnte in dem Ruhm baden, etwas erreicht zu haben, das ich wollte, aus mir selbst heraus. Ich schlug ein wie eine Bombe.


Ich hatte gedacht, Schauspielunterricht wäre nützlich, um die Fähigkeit zu lernen, eine Fassade aufrechtzuerhalten, und außerdem, um die Gesten Anderer zu studieren, um ihre wahren Absichten zu erkennen.


Ich hatte keine Absicht gehabt, selbst auf die Bühne zu treten; tatsächlich wußte ich, daß mich das in echte Schwierigkeiten bringen könnte -- meine Mutter hatte mich gewarnt, wiederholt, mich bedeckt zu halten, um die Möglichkeit eines Attentats oder Entführung zu vermeiden. Ich war als gewöhnliche Person in Cambridge, nicht als Sprössling einer reichen Familie; sie hatten sich entschieden, daß keine Leibwächter mich ständig beschatteten, weil das zu viel Aufmerksamkeit auf mich lenken würde.


Aber da das Schauspiel von einer Hyäne geschrieben worden war, wurde ich dazu gefragt, wie die Charaktere sich verhalten würden, bis zu dem Punkt, daß der Professor mich in die Besetzung berief.


"Der Bursche MacBeth" handelt von einem jungen Hyänenmann, der sich selbst wiederfindet, wie er das Land regiert anstelle seiner Mutter. Um das zu tun, verkleidet er sich zunächst als Frau, bekommt dann aber so sehr Geschmack an der Sache, daß er insgeheim seine Mutter bei ihrer Rückkehr ermordet und die Macht übernimmt und als großer Herrscher gefeiert wird. Am Ende offenbart er sein wahres Geschlecht seinen erstaunten Höflingen, die ihn dann in der Folge in Fetzen reißen.


Wenn ich so darüber nachdenke, sehe ich, warum meine Eltern so aufgebracht waren...


Nach diesem Erfolg bekam ich einen Leibwächter. Seine Aufgabe war es, mich aus Schwierigkeiten herauszuhalten -- einschließlich Problemen, die ich mir selbst schuf. Ich nannte ihn "Duane", weil er meine Anstandsdame war.


Er hielt sich gut verborgen. Er besuchte die selbe Klasse wie ich, aber ich habe keine Ahnung, ob er eine Ausbildung durch den Handel bekam. Wir sprachen nicht viel miteinander, weil es sein Job war, unauffällig zu sein, ein massiger Schatten und ich hasste ihn wie die Pest.


Trotz der Illusion, ich wäre alleine, wußte ich immer, daß meine Eltern jemanden beschäftigten, der ein Auge auf mich hatte -- es war nur nie so offensichtlich wie Duane zu haben, der mir auf dem Fuße folgte. Ich hatte erwartet, daß es eine Art Peilsender in der Brille gab, die mein Vater mir gegeben hatte, aber das war offensichtlich nicht länger gut genug.


*


Es gab noch eine weitere Folge meines erfolgreichen Bühnen Debuts. Ich bekam ein Groupie.


Sie war eine Tüpfelhyäne, ein wenig älter als ich, sehr gut frisiert und stylish, mit einem harten aber ansprechenden russischen Akzent. Sie war offensichtlich die Tochter einer Oligarchin, die ihr eine internationale Ausbildung vermitteln wollte und dafür Cambridge ausgewählt hatte.


Sie war mir früher nicht aufgefallen, was merkwürdig ist, weil wir Hyänen gewöhnlich auffallen wie bunte Hunde. Als ich das ihr gegenüber erwähnte, sagte sie, daß sie erst kürzlich von einer russischen Universität gewechselt wäre, eine mit sehr vielen Konsonanten im Namen.


Ihr Name war Tatiana Nickolaevna, das hat sie mir jedenfalls gesagt. Sie war im Wirtschaftssektor immatrikuliert. Sie hatte sich vorgestellt, indem sie nach der Aufführung eine Notiz in meine Umkleide schicken ließ, in der sie mir sagte, wie sehr sie meine Performance bewundere, und ob es möglich wäre, mich später zu treffen? Ich schätze, ich hätte sofort Verdacht schöpfen müssen, aber es war schwierig nicht geschmeichelt zu sein, von ihrem überschwänglichen Lob.


Auf der Belegschaftsfeier kam sie herüber zu mir und sagte, "Es ist so eine Freude eine andere Hyäne zu sehen, die beweist, daß wir nicht alle hirnlose Halunken sind."


Sie war größer als ich, sie war tadellos gekleidet, und es war klar, daß sie Prinzessinnenklasse hatte -- oder zumindest war das der Eindruck, den sie vermittelte. Sie war... sie war eine so beeindruckende Erscheinung, daß die Augen jedes anderen Mannes im Raum in offener Bewunderung an ihr hingen, und das passiert fast NIE bei einer Hyäne. Wenn ich nicht so "high" von meinem vorherigen Bühnenerfolg gewesen wäre, dann hätte ich auf der Stelle Verdacht geschöpft.


Aber sicher, dies war England, nicht die Maramasai und die Leute verhielten sich anders in dieser weltoffenen Gesellschaft. Also wäre es nicht so ungewöhnlich für eine Tüpfelhyäne, auszusehen, als wäre sie gerade dem "Cosmopolitan" entstiegen.


"Sie sind ein ganz erstaunlicher Mann," setzte sie mit einem weichen Schnurren fort. "Niemals zuvor habe ich so eine Schauspielkunst gesehen. Sie möchten professioneller Schauspieler werden, ja?"


"In gewisser Hinsicht schon," stimmte ich zu und fühlte mich etwas zu warm. Ich nahm einen Schluck von dem Gebräu, mit dem irgendjemand mein Glas gefüllt hatte. Dann fügte ich hinzu, "Eigentlich werde ich Buchhalter."


Nur ihre Augen lachten. "Was -- in einem kleinen schwarzen Zimmer verkümmern?" neckte sie mich.


"Es ist besser, als auf dem "Feld der Ehre" erschossen zu werden," entgegnete ich und setzte mein Glas ab, weil das prickeln auf meiner Zunge mich warnte, daß es nicht sicher wäre, weiter zu trinken. Ich war noch nie ein Fan von Alkohol.


Sie stand so, daß sie jeden beiläufigen Versuch sie zu umgehen blockierte. Ich war zwischen einem Tisch und der Wand gefangen und im Geiste konnte ich meinen australischen Geheimagenten und Privatlehrer sehen, wie er mit den Augen rollte und das Gesicht mit einer Pfote bedeckte. Dämlich!


"Es gibt viel mehr Berufe als der eines Kriegers," erinnerte sie mich.


"Nicht für Hyänenmänner," konterte ich. Dann deutete ich mit einer Pfote in den Rest des Raumes. "Wenn Sie mich entschuldigen würden, Madame, ich muß mich wirklich unter die Leute mischen..."


Sie wich zuvorkommend zur Seite und ich hastete an ihr vorüber, aber ich war mir ihrer Augen bewußt, die mir für den Rest des Abends folgten. Ein gewöhnlicher Mann hätte sich geschmeichelt gefühlt, ob dieser Aufmerksamkeit. Mir machte es etwas Angst.


Ich hatte nicht bemerkt, wann sie die Party verlassen hatte, aber sie war nicht da, als ich bereit war für den Heimweg. Ich hatte nicht mehr an sie gedacht, bis ich zu meinem Zimmer kam, wo ein Strauß Bifi auf mich wartete, mit einem Bändchen geschmückt und einer parfümierten Notiz, die mich bat, ob Tatiana vielleicht das Vergnügen meiner Gesellschaft beim morgigen Mittagessen haben könnte.


Entgegen der Warnungen, Geschenke von fremden Frauen anzunehmen, ich war hungrig, aß ich die Bifis. Als ich bereit war, ins Bett zu gehen, bemerkte ich, daß Essen nicht das einzige war, nach dem ich hungerte.


*


Der Morgen brachte klarere Gedanken mit sich und ich erkannte, daß es ein Dummheit wäre, mich mit ihr zu treffen. Ich warf die Notiz in den Müll und ging ins Seminar.


Ich traf "Duane" zum erstenmal als ich über den Innenhof schlenderte. Ich bin mir nicht sicher, wie eine so gewaltige Kreatur aus dem Nichts materialisieren konnte, aber ich wurde so plötzlich eines käftig-gebauten Hyänenmannes gewahr, daß er meinen Respekt gewann.


Für einen Augenblick dachte ich, daß er vielleicht Tatianas Freund, oder schlimmer, Bruder wäre, der gekommen war, um mich dafür zurechtzuweisen, sie in irgendeiner Weise beleidigt zu haben und ich war bereit, meine Bücher fallenzulassen und mich so gut zu verteidigen, wie ich konnte. Aber er entschärfte den Moment, indem er in Swahili murmelte, "Lord Krüger, Sir? Ihre Mutter, Lady Lucretia hat mich beauftragt, daß ich sie begleite."


Als er das sagte, hielt er verstohlen seine Pfote in meine Richtung und ich sah mein Familienwappen auf dem Siegelring, den er trug. Mein Herz sank. Worte reisen schnell und mein neuer Babysitter war eingetroffen.


"Also gut," seufzte ich, und sprach dann zu ihm in Swahili. "Was sind Ihre Aufgaben?"


"Ihr Begleiter zu sein und sie vor Schwierigkeiten zu bewahren," antwortete er freundlich.


"Ich verstehe. Brigade?"


Er schüttelte seinen Kopf in Verneinung aber gab keine weitere Antwort. Er muss einer der privaten Sicherheitsleute meiner Mutter gewesen sein, was bedeutete, daß es sehr viel schwieriger wäre, sich ihm zu entziehen.


Ich zuckte mit den Schultern und machte mich wieder auf den Weg. "Dann tun Sie das."


*


Ich traf Tatiana in meinem Wirtschaftsunterricht. Ich grüßte sie mit einem neugierigen Blick und sie gab mir einen graziösen Diener von ihrem Sitzplatz her. Ich nahm meinen gewöhnlichen Platz nahe der Front ein und versuchte, nicht an sie zu denken aber ich konnte fühlen, wie sie mich beobachtete. Ich fühlte mich wie ein Beutetier. Es war nervenaufreibend... aber auch etwas aufregend.


Nach der Vorlesung passte sie mich im Gang ab. "Ah, da bist Du ja!" beobachtete sie und hörte sich sehr erfreut an. "Ich hatte gehofft, Dich hier zu sehen!"


"Oh?" versetzte ich, unverbindlich zu erscheinen.


"Hast Du die Trockenfleisch Snacks gefunden, die ich Dir geschickt hatte?" fragte sie und ich musste ihr für das Geschenk danken. Sie lächelte. Ihre Zähne waren sehr weiß.


"Ich hoffe, ich bin nicht zu aufdringlich," sagte sie als nächstes, "aber ich bin neu hier; könntest Du mir vielleicht eine Stadtführung geben?"


Es schien unschuldig genug zu sein. Und es könnte schön sein, zur Abwechselung auch mal Gesellschaft meiner eigenen Art zu haben. Eine meiner Art, deren Gegenwart andere Jungs gegenwärtig dazu brachte gegen Wände zu laufen, würde Wunder für meinen Ruf bewirken.


Dann hörte ich ein sanftes husten. Duane.


"Also, äh... ich bin heute etwas beschäftigt," sagte ich ihr.


"Dann morgen?"


Ich hörte ein weiteres husten.


"Ich muß meinen Kalender checken --"


"Krüger -- DA bist Du!" kam Duanes tiefer, satter Bariton, als er vorgab, auf uns zuzujoggen. "Ich hoffe, Du hast die Aufzeichnungen, die Du mir versprochen hast! Ich bin so TOT wenn ich den TEST nicht bestehe!"


Ich brauchte ungefähr drei Sekunden um zu begreifen, was Duane da machte, hauptsächlich, weil ich nicht von ihm erwartet hatte, englisch so fehlerlos zu sprechen. "Oh, ah, richtig... äh, ich habe sie auf meinem Zimmer. Tut mir leid, ich --"


Als Tatiana ihn mit so etwas wie irritierter Geringschätzung betrachtete, ignorierte Duane sie vollständig, "Hast Du mal eine Minute, kleiner Kumpel? Ich muß wirklich, WIRKLICH sofort einen Blick darauf werfen."


Er hatte seine Hand auf meinen Arm gelegt und zog leicht daran, ein zupfen, von dem ich überzeugt war, daß es sich in einen Rugby Griff verwandeln würde, sobald ich auch nur den Hauch von Widerstand leistete.


"Sicher," zuckte ich mit denf Achseln. "Würden Sie mich entschuldigen, Miss Nickolaevna...? Ich muß wirklich gehen."


Sie zuckte mit den Achseln, seufzte schwer durch ihre Nase und sah ansonsten sehr verärgert aus, während ich mich von Duane fortzerren ließ.


Nachdem wir außer Hörweite waren, ließ Duane meinen Arm los und murmelte "Sorry, M'lord."


"Nein, ist schon in Ordnung," sagte ich ihm mit einem knurren. "Sie machen die Arbeit, für die meine Mutter Sie eingestellt hat, mich zu schützen."


Er gab mir ein knappes Nicken und als wir um die Ecke bogen, bemerkte ich, daß Duane schon wieder in den Schatten untergetaucht war. Er war gut. SEHR gut.


*


Diese Art Katz und Maus Spiel setzte sich für einige Wochen fort. Sie schien versiert darin, überall zu sein, wo ich war und darin, mir eine unendliche Menge an Aufmerksamkeit zu schenken, trotz meiner großen Anstrengung, sie höflich zu ignorieren. Nach einiger Zeit war ich verwirrt, aber auch ein bisschen geschmeichelt, das Objekt ihrer beharrlichen Aufmerksamkeit zu sein. Schließlich war sie sehr schön, auf eine sehr gefährliche Art und Weise. Wie gefährlich, würde ich bald herausfinden.


Nachdem ich ihr zahlreiche Vorschläge und Einladungen zu privaten tete-a-tetes abgeschlagen hatte, schickte Tatiana mir eine handgravierte Einladung zu einer Party die sie an diesem Freitag ausrichten würde. Tatiana sagte mir, es wäre ein zwangloses Treffen von einigen Freunden, die sie in Cambrigde getroffen hätte und ich hatte keinen Grund, das zu bezweifeln. Ich fühlte auch, es wäre unhöflich abzulehnen. Also bereitete ich ein Tablett von netten kleinen Appetithäppchen vor und stellte sicher, pünktlich zu sein.


Als ich bei ihrer Wohnung eintraf und feststellte, daß ich der Einzige war, dachte ich, die anderen würden sich absichtlich verspäten. Sogar meine Gastgeberin war nicht zu sehen, noch nicht.


Ungeschickt stellte ich das Tablett mit snacks auf den Tisch und räusperte mich einige Male, bevor ich mich schliesslich traute zu rufen, "Halloo? Ist da jemand?"


"Bist Du das Freddie?" rief ihre Stimme hinter einer geschlossenen Tür hervor, die nicht lange so blieb. "Hier bin ich..."


Sie trug ein Kleid, daß weit mehr offenbarte als es verhüllte, inklusive wie sehr sie sich freute mich zu sehen...


Ich kämpfte mit mir, die Augen abzuwenden, aber sie zuckten zu ihr zurück. Sie schlenderte in das Wohnzimmer herein, völlig unbefangen und blckte auf das Essen, das ich mitgebracht hatte. "Ach, Du armes Ding -- Du dachtest wirklich, ich würde ein Party geben?"


"Ja," stammelte ich. "Wo... sind denn Alle... anderen...?"


Sie drehte sich zu mir um und schaute mich kokett an. "Wärst Du denn heut Nacht hergekommen, wenn ich Dir gesagt hätte, ich wollte Dich alleine sehen...?"


Ich konnte fühlen, wie das Blut aus meinem Körper lief, wie Sand aus einem Stundenglass. Das mußte ein Traum sein, ein schlechter Traum, und wie es in Träumen oft geschieht, war ich total gelähmt. Tatiana glitt zu mir herüber, mit Schritten wie eine Pantherin. "Du armer, unschuldiger Mann..."


Ich erinnerte mich, wie sehr es mir das erste Mal gefallen hatte, als sie mich einen "Mann" nannte, im Gegensatz zu "Junge". Siebzehn-Jahre-alt Stolz und all das. Mehr Hybris als alles andere.


Sie senkte ihre Wimpern, neigte ihren Kopf und biss sich auf die Lippe. "Das bringen wir heut Nacht in Ordnung..."


Sie war mir nahe genug, daß ich die Wärme ihres Körpers spüren konnte, ihr berauschendes Parfüm und sie konnte vermutlich mein Herz in meiner Brust hämmern hören. Sie rieb die Spitze ihrer Nase an meinem Ohr. "Du bist so niedlich, wenn Du Dich fürchtest..." sinnierte sie.


"Dann bin ich wohl gerade verdammt hinreißend," platzte ich mit einem dummen Lacher heraus.


"U-huh..." stimmte sie zu und schlang ihren Arm um meinen Nacken.


Das war falsch, es mußte eine Falle sein -- jede rationelle Hirnzelle, die noch fähig war zu funktionieren schrie mir zu: LAUF... aber ich konnte nicht. Ich schielte mit den Augen, als sie sich herüberbeugte, um mich zu küssen.


Duane erschien aus den Büschen, als wäre er in einem Pentagramm beschworen worden.


"Belästigt diese Frau Sie M-lord?" rumpelte er.


Ich zögerte. "Ja -- ja, das tut sie," endschied ich endlich. Ich konnte sie nicht anschauen.


Da weder er Teil ihres Clans, noch sie Teil seiner Befehlskette war, konnte Duane mit der normalen Hierarchie der Hyänengesellschaft auftrumpfen. Er legte eine Pfote schwer auf Tatianas Schulter und sagte ihr, "Sie müssen jetzt gehen, Miss."


"Aber ich bin -- dies --" begann sie zu protestieren; Duane unterbrach sie.


"Jetzt."


Er festigte seinen Griff und hob sie so leicht hoch, brachte sie dann aus der Tür, wie wenn jemand eine Marionettenpuppe los wird. Die Tür knallte zu und ich sackte mit einem gequälten Ausatmen zusammen, halb erleichtert, halb... bedauernd?


Wie auch immer, ich ging ins Bad und musste mich erst mal übergeben.


*


Duane brachte mich zur Unterkunft zurück. Ich muss ausgesehen haben wie der Tod auf Toast, weil er sagte, "Mit Ihrer Erlaubnis, M'lord, werde ich heute Nacht bei Ihnen bleiben. Nur für den Fall."


Ich winkte schwach mit der Pfote und fiel in den Sessel. Duane ging zur Küchenzeile hinüber und setzte einen Teekessel auf.


"Danke," murmelte ich als er mir einen Becher brachte. "Und nicht nur für den Tee."


Duane zuckte leicht mit seinen massiven Schultern. "Ich mache nur meinen Job, Sir." Dann mit einem etwas besorgteren Tonfall, fügte er hinzu, "Geht es Ihnen gut?"


"Ich... ich weiß nicht. Ich fühle mich so... so verletzt. Wie konnte ich... wie konnte ich sie nur..." die Worte fehlten mir. Kleinlaut sah ich zu ihm auf. "Was habe ich falsch gemacht?"


"Sie wurden als Mann geboren, Sir."


Ich nickte in meinen Becher und nahm einen Schluck. Darjeeling. Mutter musste ihm eine GUTE Einweisung gegeben haben.


"Falls es eine Beruhigung für sie ist, Sir," sagte Duane, "sie taten ihr Bestes, um ihren Schmeicheleien aus dem Weg zu gehen."


Ich schnaubte. "Ja. Das ist gut ausgedrückt. Ich ließ mir so sehr schmeicheln, daß ich unachtsam wurde." Ich starrte auf den Boden. "Das wird meiner Mutter ganz bestimmt sehr gefallen."


Duane stand da mit seinen Pfoten hinter dem Rücken verschränkt. "Jeder geringere Mann wäre ihr schon vor Wochen erlegen, Sir. Ich weiß, daß ich es wäre. Sie hat ihnen nachgestellt, Sir. Ich werde herausfinden, warum. Für meinen Bericht an Madame Krüger."


Ich zuckte zusammen, wissend was als nächstes kommen würde.


*


Falls es eine Sache gab, die ich mehr hasste, als mein Schicksal zu kennen, dann war es eine Gardinenpredigt von meiner Mutter zu bekommen. Und sie tat es lang und breit und mit großer Lautstärke. Um es schlimmer zu machen, es war völlig unnötig -- ich fühlte mich bereits schrecklich und sie rieb es lediglich tiefer ein.


Der Teil von mir, der gedacht hatte, diese ganze unglückliche Episode wäre ein weiterer "Test" meiner Mutter gewesen, wurde zunichte gemacht von ihrer Tirade über meine "moralische Verfehlung".


Dies war nicht nur ein Telefonat, es war eine Video Konferenz, also sah ich ihre blutunterlaufenen Augen und sie sah jegliche Farbe aus meiner Haut weichen. Ich sackte in meinem Stuhl zusammen, starrte auf den Boden, als sie mir nach Strich und Faden die Leviten lies, mich immer und immer wieder daran erinnerte, daß ich ein Schicksal hätte, eine Verantwortung für den Clan, mein Land und die Zukunft meiner Rasse. Nichts davon dürfte kompromittiert werden von einer Teenager Affäre mit einer exotischen geld-geilen Schlampe.


Daß ich ihr sagte, nichts von dem hätte ich im Kopf gehabt, daß ich nicht bemerkt hätte, worauf sie hinaus wollte, bevor es beinahe zu spät war, machte nicht den kleinsten Unterschied für meine Mutter. Daß ich in so eine kompromittierende Situation gekommen war, lief in ihren Augen auf ein geheimes Einverständnis hinaus, ihren sehr enttäuschten Augen.


Ich war leicht erstaunt, daß sie, nach ihrer Tirade, mich mich nicht von England nach Hause holte. Ich hatte noch immer ein Jahr vor mir und das Diplom zu bekommen, für das ich so hart gearbeitet hatte, wog ihre Bedenken auf, daß ich mich selbst an schnelle Gesellschaft und ein wildes Leben wegwerfen würde. Die Wahrheit war, daß Klostermönche mehr Spaß hatten, als ich.


Der einzelne Leibwächter, der mir insgeheim folgte, verwandelte sich in eine private Wohnung abseits des Campus, mit einem Türschloß, das nur auf meinen eigenen Handabdruck reagierte, in einem sicheren Gebäude für Regierungsangestellte. Es war ein Gefängnis, auf seine Weise -- ein sehr vornehmes Gefängnis, aber doch ein Gefängnis. Oh, und Duane bekam einen Partner, so daß ich rund um die Uhr bewacht wurde.


Ich machte mir nichts draus. Ich machte mir nichts draus, weil es ein Leben war, an das ich mich gewöhnen musste.





Copyright by Kathryn Kellogg, geb Garrison


PS. Duane ist ein englisches Wort für Anstandswauwau oder Aufpasser. Liess sich so nicht übertragen und den Namen ändern wollte ich auch nicht.


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