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Freds Tagebuch #9

Eintrag #9 Mein Tagebuch, von Frederick Usiku Krüger






"Kurz vor meinem Abschluß an der Universität Cambridge, wurde ich zu einem Gespräch mit Gräfin Fisi Grrsn zitiert, das in der Maramasai Botschaft in London stattfinden sollte.


Ich erwartete das Gespräch mit großer Beklemmung. Ich war sicher, es hatte mit meinem spektakulärem Streich an der Akademie zu tun. Obwohl die Brigade entschieden hatte, es unter den Teppich zu kehren, war es doch Madame Fisi selbst gewesen, die die Untersuchung unterschrieben hatte. Obwohl ihr Bericht mich vom Haken gelassen hatte, erinnerte ich mich an das alte Hyänen Sprichwort, daß wir "den Tod nicht betrügen, ihn nur ein wenig hinausschieben."


An dem Punkt meines Lebens, hatte ich nicht das Recht, eine Uniform zu tragen, also zog ich meinen besten zivilen Anzug an und nahm den Zug in die Hauptstadt. Ich hätte Mutter bitten können, ein Privatauto für mich zu besorgen, aber ich hatte mein Leben als gewöhnliche Person in Cambridge so genossen und eine Limo hätte zu viel Aufsehen erregt -- hauptsächlich das meiner Mutter. Ich hatte sie nicht über das Gespräch informiert. Falls es ihr nicht schon bekannt war, dann brauchte sie auch ganz bestimmt nicht davon wissen.


Ich konnte nichts essen an dem Morgen und ich versuchte, meinen aufgeregten Magen zu beruhigen, indem ich nicht daran dachte, was diese erlauchte Dame wohl mit mir zu besprechen hatte. Persönlich. Privat. In der Botschaft. Das schrie nach "offizieller Imperiumsangelegenheit".


Nach und nach wich der Gedanke, daß ich doch noch für die Beleidigung der Brigade zahlen müsste der Furcht, daß vielleicht Ihre Hoheit Songween, Fürstin von Rackenroon, dem Tode nahe, oder bereits gestorben war und daß ich davongezerrt würde in dieses umnachtete Land um meinen Platz als Gemahl einzunehmen, an der Seite welcher der Erben der Fürstin ihr auch immer nachfolgte. Wo ich doch so nahe an meinem Abschluß war --


Egal, egal, sagte ich mir selbst, als ich versuchte, meine schmerzende Braue mit dem kalten Fensterglas zu beruhigen, ich habe alles Training, das ich benötige. Ich schaffe das. Ich kann dabei helfen, ein Land zu regieren. Noch keine zwanzig, aber ich wurde alt geboren. Ich kann das schaffen.


Vorausgesetzt, meine Frau tötet mich nicht in der Hochzeitsnacht.


Uck, ich krümmte mich zusammen... sogar nach all der Zeit konnte ich die Idee dieser arrangierten Hochzeit nicht ertragen, mit jemandem, die ich nicht kenne und die mich beinahe mit Sicherheit hassen wird. Ich dachte an das russische Mädchen, die so unerhört mit mir geflirtet hatte während des letzten Semesters, ein so heißes Mädchen, daß sie kleine verkohlte Fußabdrücke hinterließ, wo immer sie ging... die, von der ich später herausfand, versucht hatte, mich in die Ehe zu verführen, um Kontrolle über mein Vermögen zu bekommen. Was war schlimmer?


Nicht zum ersten Mal wollte ich all dem entfliehen, jemand anderes sein, anderswo -- alles andere als ein reicher Prinz mit der Bestimmung ein Land zu regieren.


Der Zug brachte mich zum Kings Cross Bahnhof und ich ging zur Maramasai Botschaft. Trotz der normalen Zurückgebliebenheit meiner Leute, war unsere Londoner Botschaft mit allem modernen Schnickschnack ausgerüstet und ich nutzte meinen Pfotenabdruck und Netzhautscan um hereinzukommen.


Ich zeigte meine Vorladung dem Wachoffizier und wurde rasch in ein Vorzimmer geleitet. Die Wache, in der antiken Rüstung der Brigade, ging in Habacht -- nicht für mich, sondern für den Major, die mich eskortierte -- und wurde eingelassen. Ich fühlte mich etwas benommen und war froh, nicht gefrühstückt zu haben. Sonst hätte ich mich noch vor der Gräfin übergeben müssen.


Da war sie, die legendäre Madame Fisi, bester Spurenleser der Brigade, aussergewöhnliche Assassine. Ich wußte alles über sie -- nun, alles was auf ihren trading cards gedruckt war, heißt das (ja, Brigadeoffiziere haben alle ihre eigenen trading cards). Ich war ein großer Fan von ihr, hauptsächlich, weil sie nicht wie andere Hyänen war. Sie nutzte mehr ihr Hirn als ihre Muskeln, um zu ihrem Ergebnis zu kommen. Und das machte sie zu einer der meist gefürchteten und verehrten -- Brigadiers.


Sie war in ihre normale Tracht gekleidet, eine Lederweste und lederne Hosen, mit einigen Ornamenten auf ihren ansonsten bloßen Armen. Ihr langes schneeweißes Haar war sorgfältig geflochten und verziert. Ihre Ohren zeigten ein paar piercings, ein Verzeichnis der Geschichte ihrer Kämpfe. Um ihren Hals war ein Lederband mit einem Löwenzahn daran. Sie hatte ihn vermutlich selbst von dem vormaligen Besitzer erbeutet. Sie saß, und ich konnte keine sichtbaren Waffen an ihr erkennen aber ich war sicher, daß sie ein paar verborgen an ihrem Körper trug. Das war eine Selbstverständlichkeit.


Obwohl ich zivile Kleidung trug, ging ich in Habacht und hob meinen Arm zum Gruß. Alle Hyänen machen das so bei ihnen sozial Höhergestellten. Es ist eine Adaption eines wesentlich älteren Grußrituals, welches dankbarerweise inzwischen als archaisch und plump gilt.


"Milady Grrsn, es ist mir eine Ehre," murmelte ich.


Sie erwiderte meinen Gruß. "Usiku Kruger... oder wünschen Sie "Frederick" genannt zu werden?"


"Wie Sie wünschen, Madame." erwiederte ich mit neutralem Tonfall.


Sie betrachtete mich kühl für eine scheinbare Ewigkeit, da meine Finger aus Blutmangel taub wurden. "Sie können ihren Arm jetzt senken," sagte sie fast beiläufig. Sie schien leicht amüsiert.


"Wie alt sind Sie jetzt...? Achtzehn? Neunzehn?"


"Achtzehn, Madame. Ich werde im September neunzehn."


"Tatsächlich. Ganz erwachsen, nicht wahr...?"


Sie legte ihre Finger auf ihre Lippen und schwieg für eine weitere kurze Spanne. Ich versuchte, mich nicht sichtbar zu krümmen. Wenn das eine Befragung war, dann war es ein großartiger Beginn. Ich fühlte mich bereit, alles zuzugeben, wenn sie nur aufhörte, mich so anzustarren.


"Sie erinnern sich wahrscheinlich nicht an mich," sagte Madame Fisi in ihrer leisen, trällernden Stimme. "Das letzte Mal, als Sie mich sahen, waren Sie nur ein kleines Kind --"


"Ich war fünf Jahre alt, fast sechs," erwiderte ich, "und es war auf einer Geburtstagsfeier für Ihre Enkelin."


Einen männlichen Jugendlichen ungefragt zu einer so verehrten Persönlichkeit wie Madame Fisi sprechen zu hören, war beispiellos; daß die Matriarchin ihn leben ließ, unglaublich. Aber Madame Fisi hatte eine Reputation dafür, nicht nach den Regeln zu spielen.


Die Ecke ihrer Lippe zuckte leicht nach oben. "Ah, Sie erinnern sich also..."


Ich sah sie nicht an, sondern hielt meinen Blick fest auf meine Zehen gerichtet. "Es war eine große Ehre... Ich bin ein Bewunderer von Ihnen, schon mein ganzes Leben lang," gab ich zu. Ich ließ absichtlich den Teil über das sammeln all ihrer Brigade trading cards aus.


Sie wies würdevoll mit der Pfote auf den Stuhl ihr gegenüber. "Setzen Sie sich," sagte sie mir, und obwohl es freundlich klang, wußte ich, daß es ein Befehl war. Ich sank auf den Stuhl während ich meinen Rücken stocksteif hielt. Ich kringelte meinen Schwanz, als ich mich auf die Kante hockte, wagte es aber nicht ihn auszustrecken.


Sie schien das zu bemerken, da ihre nächste Frage war, "Haben Sie Angst vor mir?"


Die korrekte Antwort wäre gewesen, "Jawohl, Madame." Was stattdessen herauskam, war "Ein wenig".


Ihre rechte Augenbrauen hob sich ein ganz wenig. Ihre Augen hatten ein eigenartiges graublau -- die meisten Hyänen haben braune Augen. Meine Mutter sagte, Fisi wäre eine Albino, aber das ist Unfug -- ihre Mähne hatte ein sehr leichtes Silberblond aber ihr Fell und Haut waren im normalen Bereich.


Aber diese bleichen Augen konnten Löcher bohren in die größten Tiefen einer Seele. Kein Wunder, daß sie so gut war bei Verhören.


"Nur ein bisschen?" beanstandete sie, und klang sowohl amüsiert als auch verletzt.


Ich musste schnell denken. "Ich... respektiere Sie mehr als ich Sie fürchte," sagte ich zu ihr mit flacher Stimme, so ruhig, wie ich konnte.


Jetzt wurde ihr Lächeln etwas wärmer. "Ah. Sehr gute Antwort, Krüger. Mir wurde gesagt, Sie wären schnell zu Fuß. Und Sie SIND Lucretias Kind."


Das letzte wurde mit einem unmissverständlichen Hauch von Frost ausgesprochen. Also hatte sie noch immer eine Fehde mit meiner Mutter, eh? Ich merkte mir das und stellte sicher, daß es meine Erwiderung moderater ausfallen ließ.


"Ich schätze, Sie fragen sich, warum ich dieses Gespräch verlangte," bemerkte sie als nächstes.


"Ich denke es hat etwas mit... meinem Abschluß von der Akademie zu tun," erwiderte ich vorsichtig. Ich hatte meine Hände im Schoß gefaltet -- zusammengepresst wäre eine akkuratere Beschreibung gewesen. Ich mußte sie irgendwie vom zittern abhalten. Komisch, wie einfach es war, dem Colonel frech zu antworten, aber Madame Fisi... Madame Fisi war etwas ganz anderes. Es gab die Möglichkeit, daß ich diesen Raum nicht lebend verlassen würde, falls meine Antworten ihr nicht gefielen.


Sie verschob ihren Stuhl und schien ein Lächeln zu unterdrücken. "Ja. Das. Sehr beeindruckende Arbeit. Es dauerte einige Minuten, bis wir im Rat aufhören konnten zu lachen." Ihr Starren verhärtete sich zu Gletschereis. "Aber wir wußten sofort, daß es in niemandes Interesse war, diese.. Sicherheitslücke... der Öffentlichkeit bekannt zu machen."


"Nein, Madame," murmelte ich, den Kopf unten.


Und jetzt kommt es, dachte ich bei mir, die Strafe dafür, ein Klugscheisser gewesen zu sein...


"Sagen Sie mir eines Herr Krüger," sagte sie und ich war verwundert von ihrer Verwendung der zivilen Anrede, "was haben Sie vor mit Ihrem enormen Intellekt? Es wäre eine Schande, Sie als Kanonenfutter in der Brigade zu verschwenden. Sie haben sich den Rang eines Oberleutnants verdient, was für einen Mann an sich schon eine große Leistung ist. Aber diese Streifen auf Ihrer Schulter sind kein Schutz dagegen, in der Schlacht den Kopf von den Schultern geblasen zu bekommen. Und das wäre eine schreckliche Verschwendung von Talent."


Ich zwinkert sie an, wie eine erschreckte Eule. Ich dachte, niemand anders als meine Eltern und die Fürstin von Rackenroon wüssten von dem VERTRAG und war mir ziemlich sicher, sie würden wollen, daß es dabei bliebe.


Also schluckte ich, um Zeit zu gewinnen und sagte kleinlaut, "ich habe noch nicht wirklich darüber nachgedacht. Aber... der Vorfall... ich dachte, keine Brigade Einheit würde mich wollen. Aufsässigkeit, Beschämung. So in der Art."


"Möchten Sie in der Brigade sein?" fragte sie als nächstes und wie sie es sagte, zeigte, daß sie schon wußte oder riet, was die Antwort war.


Ich atmete langsam aus. "Nein, Madam. Das möchte ich nicht."


"--Es wird aber von Ihnen erwartet," beendete sie den Satz. Ich nickte.


"Meine Mutter... hat Pläne für mich," sagte ich ihr und fühlte mich wenig überzeugend.


"Tatsächlich? Lucretia schien mir noch nie irgendeine Liebe für die Brigade zu haben. Warum sollte sie ihren einzigen Sohn und Erben unter so einem Haufen von ungebärdigen Wilden riskieren?"


Jetzt bekam ich wirklich Angst. Eine vage Kindheitserinnerung rief genau diese Worte in mein Bewußtsein zurück, wie sie Madame Fisis junge Enkeltöchter beschrieben, auf dieser desaströsen Geburtstagsparty vor vielen Jahren.


Meine Eltern hatten nicht viele Freunde, als sie in New Yak lebten, bevor meine Großmutter starb und meine Mutter die Pflichten der Chefin übernehmen musste. Aber da mein Vater mit Professor Brown arbeitete, war ich zu einer Party eingeladen, zur Feier des ersten Geburtstags von Madame Fisis jüngster Enkelin.


Die Grrsns hatten zwei kleine Mädchen. Der Ehrengast war wenig interessant, ein kleines schwarzes Welpe, die gerade anfing ihr Babyfell zu verlieren. Sie schien mehr an dem Kuchen interessiert zu sein als an sonst irgendwas, eingeschlossen die Spielzeuge, die sie als Geschenke bekommen hatte. Da ich fünf war, fand ich ihre unarktikulierten Faxen unglaublich langweilig.


Die ältere Tochter, die zu dem Zeitpunkt drei oder vier war, war ein Raufbold und bissig, neidisch wegen all der Aufmerksamkeit für ihre Schwester und ließ es an mir aus, indem sie mich tyrannisierte. Ich, natürlich, versuchte mein Bestes, rücksichtsvoll und höflich zu sein, aber sie blieb an mir dran, wie eine Schule Piranhas an einer ertrinkenden Kuh. Beinahe wurde es blutig.

Dennoch kämpfte ich nicht, wegen meiner Erziehung, wegen meiner Kultur, und weil ich ein Gast war im Haus einiger Sehr Wichtiger Leute, wie meine Eltern mich wiederholt auf dem Weg zur Party erinnerten.


Schließlich war es meine Mutter, die einschritt, indem sie Madame Fisis Tochter kalt dazu aufforderte, ihr Kind zu mäßigen. Ein Streit entwickelte sich, der mich vor Schrecken zusammenkrümmen ließ, weil ich wußte, daß ich die Ursache davon war; Ich erinnere mich Madame Fisi sagen zu hören "Du solltest Deinen Sohn seine eigenen Schlachten schlagen lassen, Lucretia!" worauf meine Mutter antwortete "Ich wünsche nicht meinen Sohn und Erben unter solch ungestümen Wilden zu riskieren!"


Ich bin nicht sicher, ob sie Hyänen im Allgemeinen meinte, oder Madame Fisis Enkeltöchter im Besonderen, aber was es auch war, wir verliessen den Bau sofort, wobei ich am Nackenfell mitgezerrt wurde und kurz darauf kündigte mein Vater bei Madame Fisis Ehemann. Ich bin nicht sicher, ob der Riss hätte geheilt werden können, wenn nicht meine Großmutter gestorben wäre und unsere Rückkehr nach Afrika erfordert hätte.


Mein Tagtraum wurde von Madame Fisis Stimme unterbrochen.


"Sind Sie sicher, Sie möchten keine Karriere beim Geheimdienst?" fragte sie mich. "Sie wären gut darin."


"Ich wusste nicht, daß die Brigade einen Geheimdienst hat," erwiderte ich. Ich wusste nicht, daß Hyänen Geheimoperationen durchführen. Ich dachte wir würden nur den Frontalangriff kennen, schlagen und beißen und keine Gefangenen nehmen...


Madame Fisi grinste. "Das zeigt Ihnen, wie gut wir sind."


Ich zögerte und versuchte den Weg zu finden, mich in Worte zu fassen. "Bieten Sie mir... einen Job an?" Mein Herz klopfte etwas schneller bei dem Gedanken. Der Gedanke mit oder für Madame Fisi zu arbeiten, war wie die offene Käfigtür für einen Gefangenen.


"Nein," sagte Madame Fisi, "nicht wirklich. Es ist nur ein Vorschlag. Mein Ehemann, andererseits -- Professor Brown -- hat mich gebeten, Ihnen zu sagen, Daß er Sie gerne beschäftigen würde, falls Sie die Absicht hätten. Er war mächtig beeindruckt von Ihren... Fähigkeiten bei der Verwendung von Brandsätzen.


Ich senkte meinen Kopf. "Zuviel der Ehre, Madame."


Sie sah mich an, wieder mit diesem durchdringenden Blick. Wonach suchte sie? Und konnte sie es finden?


"Wie ich höre, werden sie in den persönlichen Stab der Fürstin von Rackenroon berufen," sagte sie, und zeigte auf die ansonsten nicht lesbare Akte vor ihr. "Dass Sie ihr Verwaltungsassistent werden."


"General Laufbursche, melde mich zur Arbeit, Madame," murmelte ich, bevor ich mich selber aufhalten konnte. Ich schluckte verärgert, aber Madame Fisi lachte.


"Man sagte mir, Sie hätten keinen Sinn für Humor," sagte sie. "Daß Sie so undurchschaubar wie Marmor wären. Sie werden sich gut machen in Rackenroon. Aber ich muß Sie warnen -- nein, Ihnen raten... die Fürstin ist..." Sie tat einen langen Seufzer und studierte die Klauen an ihrer rechten Pfote. "Die Fürstin Songween hat einen bestimmten Geschmack. Wenn sie Sie mag... nun, daß sie Sie mag ist fast so schlimm wie daß sie Sie hasst."


Mit dieser kryptischen Aussage, verstummte sie und ich versuchte, sie mit dem leichten heben meiner Augenbraue zum Fortsetzen zu ermutigen.


"Meine Mutter war einst ihr General," sagte Madame Fisi vertraulich -- obgleich ich das von den trading cards wußte. Brauchbare Dinger. "Sie hat mir öfter von Songween erzählt... nun. Sie ist jetzt eine andere Person, als sie es vor sieben Jahrzehnten war. Sie ist fähig zu großem Hass... und großer Liebe. Manchmal verwechselt sie die beiden."


Ich gab keinen Kommentar, aber ich speicherte es.


"Ich habe selbst mit ihr gearbeitet," fuhr die Gräfin fort. "Sie ist... launisch. Manchmal ist sie wie ein Drache im Sturm. Du musst die Leine festhalten -- und sicherstellen, daß es Dir nicht die Finger abschneidet."


"Danke für den Rat, Madame."


"Sie ist sehr empfänglich für Schmeichelei, so lange es nicht offensichtlich ist. Arbeite hart und sorgfältig, zeige ihr jede mögliche Art von Respekt und am allermeisten, leiste gute Arbeit bei jeder Aufgabe, die sie Dir gibt. Ihren Respekt zu erwerben ist viel wichtiger, als die Frage, ob sie Sie mag oder nicht."


Ich war erstaunt über diese Vertraulichkeit. Welche Motivation könnte die große Madame Fisi haben, ob ein niederer Angestellter gut mit seinem Boss zurechtkommt oder nicht?


Es sei denn... es sei denn sie wollte mich als Spion anheuern... Ich versuchte verzweifelt, mich zu erinnern, für wen Madame Fisi gerade arbeitete. Auch nur mit ihr zu sprechen unter diesen Umständen, könnte mich für Verrat vor das Exekutionskommando bringen, wenn die Fürstin es herausfände. Die Brigade war ziemlich strikt wenn es um das wildern im Gebiet anderer Einheiten ging.


Das Einzige, was mir einfiel war, daß sie direkt für die Fürstin verantwortlich war. Deshalb war sie in der Untersuchungskommission gewesen. Sie war nicht oberster General der Fürstin, sie war der Kopf der Sicherheitsabteilung -- was schlimmer war. Um Größenordnungen schlimmer. Sie hatte mich auf dem Radar.


Natürlich, natürlich, sagte ich mir selbst fiebernd, beruhig Dich! Wenn Du mit dem Erbe der Fürstin verlobt bist, dann geht das selbstverständlich die Fürstin etwas an.


Aber wußte sie davon? War der VERTRAG nicht eine private Angelegenheit? Wem wollte ich etwas vormachen -- dies war Madame Fisi, eine berühmte Spionin, und sie kannte vermutlich meine Hosengröße neben weiteren faszinierenden Fakten über mich. Fakten, die ich wahrscheinlich selber nicht kannte.


Wurde ich also einer Sicherheitsüberprüfung unterzogen? Als der potentielle zukünftige Gemahl einer Fürstin, würde ich verdammt noch mal besser überprüft. Offiziell würde ich keine Macht haben, aber inoffiziell...


Und um da noch weiter zu denken -- die Königin wird unter den Fürstinnen gewählt. Könnte es möglich sein, daß ich eines Tages der Gemahl der mächtigsten Hyäne der Welt werden könnte...?


Ich war kaum neunzehn Jahre alt und schwitzte so stark, daß ich fühlte wie der Bund meiner Unterhose feucht wurde. Madame Fisi musste meine Angst riechen können. Kein Deodorant der Welt hätte das verdecken können.


Ihre abgehackte Stimme unterbrach meine Gedanken. "Vergessen Sie nie, Ihre Arbeitsbeschreibung wird wie folgt lauten "Alles, was Sie wünschen, Eure Hoheit". Sowohl jetzt... als auch in Zukunft."


Ahah! Also WUSSTE sie von dem Vertrag meiner Mutter! Ich atmete ein wenig zu laut durch meine Nase aus.


"Ich glaube nicht, daß Sie Probleme mit den technischen Aspekten ihres Jobs haben werden," fuhr sie fort, und blätterte dabei durch meinen Ordner. "Ihre Noten sind exzellent. Sie haben bewiesen, ein harter und sorgfältiger Arbeiter zu sein. Sie gehorchen, auf Ihre Weise, dem Willen ihrer Vorgesetzten. Ihr Studium macht Sie geeignet als Geschäftsmann..." Sie pausierte for einen Moment der sich auf einiger Minuten verlängerte als sie eine Seite komplett las. Sie hielt den Ordner schräg, so daß ich nicht wußte, welche Seite ihr Interesse so sehr geweckt hatte.


"Sie sind auch clever, erfindungsreich, listig und undurchsichtig," fuhr sie am Ende fort und schloß den Ordner. "Jeder, der so eine vernichtende Beurteilung von Colonel <redigiert> bekommt, muß etwas geniales an sich haben. Ich wünschte, ich hätte gewusst, daß Sie dieser Kadett X waren, Kruger, obwohl ich mich dann von der Beurteilung des Falls zurückgezogen hätte, da ich Sie und Ihre Familie kannte bevor Sie geboren waren, und in dem Fall wären die Dinge vielleicht nicht so gut für Sie gelaufen. Wenn Sie an die Götter glauben, Kruger, eine von ihnen muß über sie gewacht haben."


"So ist es, Madame," murmelte ich. Ich war nicht besonders religiös und überhaupt, die Hyänengötter sind nicht bekannt für ihre Gnade, sind sie doch alle Götter des Krieges und der Gauner.


Oh, halt...


Sie legte den Ordner auf den Tisch und stand auf; ich sprang augenblicklich auf die Füße und begann erneut zu grüßen und bekämpfte dann den Reflex. Ich bemerkte jetzt, daß Madame Fisi kaum größer war als ich-- ich bin sehr klein für eine Hyäne. Sie war klein, aber kräftig, definiert, ihre Muskeln und Sehen wie feiner Stahl. Ich wußte, sie musste in ihren sechzigern sein aber sie schien alterslos.


"Ich hätte Sie retten können --" sagte sie, mit leicht ironischem seufzen.


"Das haben Sie, Madame," versicherte ich ihr.


"Nein, nicht vor der Untersuchung. Vor dem hier. All diesem."


Ich zuckte ein wenig die Achseln. "Ich habe meine Zeit in Cambridge sehr genossen, Madame. Es ist eine Pause davon... nun, eine Hyäne zu sein."


Sie schaute etwas finster dabei. "Das ist merkwürdig so etwas zu sagen. Sind Sie nicht gerne eine Hyäne?"


Ich biss auf die Zähne hinter meinen Wangen und versuchte verzweifelt eine Antwort zu finden. Es war ja nicht so, daß ich eine Wahl hätte; wie kultiviert oder gelehrt ich auch immer sein würde, ich wäre noch immer eine Hyäne.


"Ich fürchte, ich passe nicht wirklich zu den Normalen unserer Art, Madame," sagte ich ihr schließlich.


Sie legte ihre Hand auf meine Schulter. "Nein, nein das tun Sie nicht," stimmte sie zu, "und das hat den Unterschied ausgemacht."



Sie entließ mich kurz darauf und bis zu diesem Tag kenne ich den Grund für dieses merkwürdige Gespräch nicht, ausgenommen vielleicht, daß sie vielleicht ihre Neugier darauf befriedigen wollte, was aus "Lucretias Jungen" geworden war. Vielleicht war sie für einen offiziellen Anlass in London und entschied, einen Blick auf mich zu werfen, konnte das Aufgrund ihres Status aber nicht unter weniger formellen Umständen. Oder sie wurde geschickt, mich für meinen zukünftigen Arbeitgeber, die Fürstin von Rackenroon, zu inspizieren.


Alles was ich weiß ist, daß ich mit ganz anderer Einstellung nach Cambridge zurückkehrte. Und daß das Gefühl des Druckes der Hand der großen Kriegerin auf meiner Schulter noch lange anhielt, nachdem ich sie verlassen hatte.





Copyright by Kathryn Kellogg geb Garrison

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